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Mayen/Treis-Karden

Dechant Kaspar Josef Zilliken starb im KZ

Er wurde 1872 in Mayen geboren – und vor 75 Jahren im KZ Dachau ermordet: Dechant Kaspar Josef Zilliken. Sein Großneffe Peter Zilliken, der in Treis-Karden zu Hause ist, hat seine Vita nachgezeichnet.

Ließ sich von den Nazis nicht kleinkriegen: Dechant Zilliken.
Ließ sich von den Nazis nicht kleinkriegen: Dechant Zilliken.
Foto: privat

Kaspar Josef Zilliken besuchte das Mayener Progymnasium und ab 1891 das Gymnasium in Prüm. Nach dem Abitur in Koblenz studierte er in Trier Philosophie und katholische Theologie, bevor er am 26. März 1898 in Trier die Priesterweihe empfing. Nach Stationen im Saarland wurde er 1922 Pfarrer und Dechant von Prüm.

Sein Großneffe schreibt: „Das antichristliche Unrechtsregime des Nationalsozialismus hatte er schon früh durchschaut und nahm es in seinen Predigten immer wieder ins Visier. Anzeigen, Verurteilungen, immer neue Verhöre bei der Gestapo waren die Folge.“ Schließlich bat er den Trierer Bischof um Versetzung. So kam er nach Wassenach. Auch hier predigte er gegen das „Neuheidentum“, wurde überwacht und immer wieder mit Zwangsgeldern bestraft. Besonders befreundet war er mit Johannes Schulz, Pfarrer aus Nickenich. Mit ihm war er im Mai 1940 in einem Ausflugshotel, als Reichsmarschall Hermann Göring den Ort betrat und beide diesen nicht grüßten – mit fatalen Folgen (die RZ berichtete): Noch am selben Abend wurden sie verhaftet und kamen zunächst ins Gefängnis nach Andernach, wo mehrere Wochen lang Verhöre stattfanden. Dann ging es weiter über das KZ Buchenwald ins KZ Sachsenhausen-Oranienburg.

„Hier wurden sie geschlagen, getreten, bespuckt und auf vielfältige Art und Weise schikaniert und gequält“, erinnert Großneffe Peter Zilliken. Im Dezember 1940 kamen beide Männer dann nach Dachau. Hier begann die Zeit schikanöser Strafexerzizien mit Stockhieben und Hunger. Kaspar Josef Zilliken begleitete dort viele Mitbrüder an ihrem Sterbetag – bis auch er den Tod fand. Ein Mithäftling schrieb: „Ehe er uns verließ, gaben wir ihm die letzte Ölung in der Kapelle. Wie ein Patriarch kam er mir vor, dieser auch im Angesicht des Todes noch so souveräne Mann. Ganz bewusst empfing er das Sakrament und umarmte jeden von uns, ehe er aus der Kapelle ins Revier getragen wurde. Am 3. Oktober gab er seine Seele in Gottes Hand.“

Die Urne mit seiner Asche wurde am 13. Oktober in einem feierlichen Sterbeamt auf dem Wassenacher Friedhof beigesetzt. In Wassenach gibt es noch den Grabstein auf dem Friedhof, auch hat man eine Straße nach ihm benannt. Der Mayener Pfarrer i.R. Ludwig Müller hielt kürzlich einen Gedenkgottesdienst zu seinem Gedächtnis in der St.-Clemens-Kirche. In einer beeindruckenden und ergreifenden Predigt erinnerte Müller an den Lebenslauf des Priesters.

Cochem Zell
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