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Mayen

Von der Getränkedose zurück zum Rohstoff: Ein Unternehmen aus Mayen macht's möglich

Mira Müller

Praktisch bei Partys oder Festivals, für manch einen ist es auch einfach eine Geschmacks- oder Glaubensfrage: Cola oder Bier wird immer noch gern aus der Dose getrunken – trotz Einführung des Dosenpfands vor 15 Jahren. In ganz Europa werden jährlich mehr als 30 Milliarden Dosen verwertet. Aber was passiert eigentlich mit den Aludosen, wenn sie leer getrunken sind?

Der Ingenieur Markus Pandorf ist Projektleiter bei dem Auftrag, den derzeit weltweit größten Kipptrommelschmelzofen zu bauen. Hier steht er vor einer Hälfte des Ofens.
Der Ingenieur Markus Pandorf ist Projektleiter bei dem Auftrag, den derzeit weltweit größten Kipptrommelschmelzofen zu bauen. Hier steht er vor einer Hälfte des Ofens.
Foto: Mira Müller

Aluminium ist zwar das in der Erdkruste am häufigsten vorkommende Metall, doch für die Förderung muss unheimlich viel Energie aufgewendet werden. Nichtsdestoweniger ist die Nachfrage nach Aluminium auf dem Weltmarkt nach wie vor steigend. Denn der Rohstoff vereint viele positive Eigenschaften: Das Material ist sehr leicht, fest, präzise formbar, pflegeleicht, korrosionsbeständig und hat eine hohe Lebensdauer. Es wird nicht nur für Dosen, Fahrradrahmen oder Alufelgen gebraucht, vor allem in der Luftfahrt- und Automobilindustrie wird es verbaut.

Daher ist es gerade in der heutigen Zeit unerlässlich, dass Aluminium recycelt wird. Dadurch können 95 Prozent der Energiekosten eingespart werden, und Sekundäraluminium – also recyceltes Aluminium – weist im Vergleich zu Primäraluminium absolut keine Qualitätsunterschiede auf, wie Dr. Stefan Koppe, Projektmanager bei der Bartz Maschinenbau GmbH in Mayen, versichert. Und genau an diesem Punkt setzt die Firma an: Sie bietet die gesamte Bandbreite an Service und Geräten, um Aluminium zu recyceln.

Das reicht von der Planung der Aluminiumöfen nach den Wünschen und Bedürfnissen ihrer Kunden über das Konzipieren, den Bau und die Auslieferung bis zum Einarbeiten der Betreiber, wenn der Ofen an seinem Zielort angekommen und aufgebaut ist. Und nicht nur die Technologie und das Know-how der Schmelzöfen verkauft das Mayener Unternehmen in die ganze Welt: Auch für die Beladung der Schmelzöfen bis hin zu Gießanlagen oder aber auch riesigen Thermoskannen, in denen das flüssige Aluminium in eine Gießerei transportiert werden kann, hat das Unternehmen Lösungen in seinem Repertoire. Durch die stetige Weiterentwicklung des Unternehmens hat es einen festen Platz in der Welt des Aluminiumrecyclings.

Die Arbeitsabläufe an einem Schmelzofen
In einem Video zeigt die Bartz GmbH die verschiedenen Abläufe rund um den Schmelzofen, wie Aluminiumschrott wieder zu dem Rohstoff Aluminium wird. Das Video finden Sie unter www.ku-rz.de/schmelzofen

Die Heimatverbundenheit und ein Regionalförderprogramm bewogen den Firmeninhaber Hans-Jürgen Bartz vor 29 Jahren dazu, das Unternehmen in Mayen zu gründen. Und „von Mayen wegzugehen, kommt gar nicht infrage, weil das Know-how nicht mitgenommen werden kann“, sagt er. Im Gegenteil, seine rund 65 Mitarbeiter sind der Wettbewerbsvorteil an diesem Standort, ist Bartz überzeugt, und genau diesen gilt es daher, mit fortwährenden Investitionen weiterzuentwickeln. Das mittelständische Unternehmen konnte im vergangenen Jahr ein Wachstum von mehr als 20 Prozent bei einem Jahresumsatz von rund 11 Millionen Euro verzeichnen, berichtet Hans-Jürgen Bartz. Darüber hinaus vertreibt das Unternehmen seit 2014 seine Produkte und Dienstleistungen im Rahmen eines Joint Ventures gezielt auch auf dem rapide wachsenden chinesischen Markt, wie Stefan Koppe berichtet.

Um am Markt konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die Mitarbeiter hoch spezialisiert sein. Von Ingenieuren über Schweißer und Techniker bis hin zu Informatikern und Automatisierungsexperten arbeiten alle an der Weiterentwicklung dieses Industriezweigs, denn der Konkurrenzdruck ist hoch.

Firmeninhaber Hans-Jürgen Bartz.
Firmeninhaber Hans-Jürgen Bartz.
Foto: Mira Müller

Nichtsdestoweniger ist es der Firma Bartz im vergangenen Jahr gelungen, eine europaweite Ausschreibung zum Bau eines Kipptrommelschmelzofens mit einem Fassungsvermögen von 40 Tonnen für sich zu entscheiden: der größte, den es bislang auf der Welt gibt, wie Koppe im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt. Noch stehen die Einzelteile des riesigen Schmelzofens in der Werkhalle in Mayen. Zusammengebaut wird er ein Gewicht von 300 Tonnen auf die Waage bringen, erzählt Projektingenieur Markus Pandorf. Sobald er an seinem Zielort – in Österreich – aufgebaut ist, können hier im Sechsstundenrhythmus 2,5 Millionen, also täglich zehn Millionen Getränkedosen durchgesetzt werden, die eingeschmolzen, raffiniert – also gereinigt – als reiner Rohstoff wieder hinten rauskommen. Damit könnte in diesem Bartz-Ofen ein Zehntel der jährlich in Europa eingesammelten Dosen eingeschmolzen werden. „In der Praxis wird der Ofen allerdings für ein weiteres Spektrum an Aluminiumschrott eingesetzt werden“, ergänzt Koppe.

Doch Aufträge an Land zu ziehen, ist nur die halbe Miete. „Die Auftragsbücher sind voll“, erzählt Stefan Koppe, das Problem ist, dass dadurch kaum Zeit bleibt, Ideen weiterzuentwickeln. Die stetige Weiterentwicklung von Anlagen und Abläufen, auch um Energie zu sparen und die Umwelt zu schützen, spielt eine wichtige Rolle. Und auch die sogenannte Industrie 4.0, also dass die Anlagen und Aggregate in der Lage sind, sich immer mehr selbst zu steuern und dabei Abläufe verkettet werden, macht auch vor diesem Industriezweig keinen Halt – Stichwort Wachstum: „Nicht nur wachsen im physischen Sinne“, wie Koppe erläutert, „sondern auch beim Thema Ressourcenschonung“, nennt er ein Beispiel.

Eine Herausforderung, der sich das Unternehmen gern stellt und dabei immer auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern ist. Schon seit Jahren bildet das Unternehmen selbst aus und bildet seine Mitarbeiter kontinuierlich weiter: „Es dauert zwei bis fünf Jahre, bis jemand bei uns richtig tief eingearbeitet ist“, sagt Koppe. Dafür wartet dann ein spannender Job auf die Mitarbeiter. Nicht nur vor Ort in Mayen wird gearbeitet. Um einen einwandfreien Betrieb der Schmelzöfen und des Equipments zu gewährleisten, werden die Anlagen beim Kunden aufgebaut und die Mitarbeiter dort umfassend eingearbeitet.

Das erfordert von den Bartz-Mitarbeitern eine gewisse Flexibilität. Doch wer sich darauf einlässt, kann so durchaus die Welt im Rahmen seines Berufs kennenlernen. Und egal, wohin es einen verschlägt: Mit großer Wahrscheinlichkeit werden auch dort Cola oder Bier aus Dosen getrunken. Wenn diese leer sind, ist es gut möglich, dass sie dann in einem Aluminiumschmelzofen der Firma Bartz recycelt werden. Wer weiß, vielleicht wird dann eine schicke Alufelge draus.

Von unserer Reporterin Mira Müller

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