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    Andernach

    "Sprüche, die uns nicht gefallen haben": Hobbyfotograf aus Andernach setzt Akzent zur Migration

    Es ist eine bunte Truppe in Trikots der SG 99 Andernach, die Konrad Sabel vor und in einem Baum fotografiert hat. Ihre Wurzeln liegen unter anderem im Kosovo, in der Türkei, im Iran, in Russland - und in Deutschland. Die Andernacher zeigen, dass die Bäckerjungenstadt auch schon vor dem Zuzug der Flüchtlinge bunt war, und sie erklären, warum multikulti klasse ist: "Weil es unsere Teams stärkt und uns Respekt vor den Mitmenschen lehrt."

    Ein gutes halbes Jahr Arbeit steckt in dem Bildband über das bunte Andernach von Konrad Sabel.
    Ein gutes halbes Jahr Arbeit steckt in dem Bildband über das bunte Andernach von Konrad Sabel.
    Foto: Yvonne Stock

    Von unserer Redakteurin Yvonne Stock

    Das Foto ist Teil des Bildbands "Andernach: Bunt steht dir", den Sabel jetzt veröffentlicht und jetzt vorgestellt hat. "Zuwanderung ist das Lebenselixier für eine Stadt", erklärt der 65-Jährige. Aber der gebürtige Andernacher weiß natürlich, dass die Flüchtlinge die Gesellschaft verändern und Ängste auslösen. Mit seinen Fotos und kurzen Texten will Sabel den Betrachter zum Denken anregen, wie das zukünftige Miteinander aussehen könnte und ob Angst wirklich so ein guter Ratgeber ist. Er führt damit ein Projekt fort, dass er mit seinem Freund Nazmi Akbey geplant hatte, der dann aber bei einem Verkehrsunfall verstarb. Auslöser waren "Sprüche, die uns nicht gefallen haben", denen sie etwas entgegensetzen wollten.

    Die Texte im vorderen Teil sind als Haiku formuliert, der kurzen japanischen Gedichtform. "Die zwingen einen, den Gedanken auf den Punkt zu bringen", meint Sabel, der beruflich aus dem Marketing für die Energiebranche kommt. Neben Fotos der bekannten Andernacher Wahrzeichen ist zum Beispiel zu lesen: "Die Lasten der Flucht, wie Mühlsteine zermahlen sie langsam Seelen" oder "Erbaut Bollwerke aus Stein, Dornen und Liebe zum Schutz der Werte." Sabel hofft, dass bei der Erarbeitung eines Andernacher Leitbildes im nächsten Jahr auch weiche Faktoren wie eben Werte einbezogen und die Bürger beteiligt werden.

    Bei dem Hobbyfotografen kommen Andernacher mit und ohne Migrationshintergrund im zweiten Teil zu Wort. Im dritten Teil hat Sabel Flüchtlinge fotografiert, zu denen er über die ehrenamtliche Mi-grationsberaterin Mahnaz Loosen und den Diakon Peter Helmling Kontakt bekommen hat. Ganz bewusst hat er die Debatte aufgegriffen, warum sie ein Smartphone brauchen. Neben einem Foto von einer Gruppe junger, telefonierender Männer steht: "Wie würdest du dich fühlen, wenn die Leitung tot ist und du dich fragst: Leben meine Liebsten noch? Geht es ihnen gut?"

    Oft höre er, erzählt Sabel, mit den Flüchtlingen könne man sich nicht unterhalten, die könnten ja kein Deutsch. "Ich kenne Flüchtlinge, die sprechen Deutsch, und mit denen redet trotzdem keiner." Mit seinem Buch will der zweifache Vater auch die Hürden, mit den Neubürgern zu sprechen, abbauen. Die Jugend hat er dabei besonders im Blick. "Es ist deren Zukunft viel mehr als unsere." Sabel freut sich daher, dass die Kreissparkasse 200 Exemplare für die Schulen erwirbt und ab Mitte Februar eine Wanderausstellung mit seinen Fotos und Texten in der Filiale am Johannesplatz zeigt.

    "Sie haben die Flüchtlinge zu stolzen Andernachern gemacht", sagte Wolfgang Lübke, Vorsitzender des Migrationsbeirats, mit Blick auf die fotografierten Menschen. "Andernach war immer schon bunt", meinte er, 87 Nationalitäten lebten hier. Auch Oberbürgermeister Achim Hütten erinnerte daran, dass die Stadt in den 1990er-Jahren viele Russlanddeutsche aufgenommen hat. Das sei auch nicht ohne Hindernisse abgelaufen, aber heute sei ihre Herkunft kein Thema mehr.

    Der Bildband "Andernach - Bunt steht dir" kostet 14,80 Euro und ist bei Ankerbuch, Hochstraße 70, erhältlich. Konrad Sabel hat 1000 Exemplare drucken lassen. Einen möglichen Gewinn wollen er und die Buchhandlung für die Flüchtlingsintegration spenden.

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