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    Bendorf

    Gehbehinderter scheitert an Treppe zum Einwohnermeldeamt in Bendorf

    Sein Reisepass war abgelaufen. Deswegen wollte Walter Ruf auf dem Einwohnermeldeamt einen neuen Ausweis beantragen. Ein Ding der Unmöglichkeit, wie der körperbehinderte Mann am Rathaus erfahren musste.

    Kein Hineinkommen: Am Bendorfer Rathaus ist für Gehbehinderte an der Eingangstreppe Schluss.  Foto: Demleitner
    Kein Hineinkommen: Am Bendorfer Rathaus ist für Gehbehinderte an der Eingangstreppe Schluss.
    Foto: Demleitner

    Die Treppen am Eingang des Amtes kann der Senior nicht überwinden. Um sich den erforderlichen elektronischen Fingerabdruck abnehmen zu lassen, muss Walter Ruf nach Neuwied. In der Stadtverwaltung ist man sich des Problems bewusst und will im nächsten Jahr Abhilfe schaffen - sofern die Gelder bewilligt werden.

    Laufen kann Walter Ruf kaum noch. Die Hüfte ist kaputt, Erkrankungen kamen hinzu. Kurze Strecken schafft der Bendorfer meist noch mit dem Rollator, sonst ist er auf den Rollstuhl angewiesen. "Treppen kann ich nur gehen, wenn ich links und rechts Geländer habe", berichtet der 75-Jährige. Um sich einen neuen Reisepass ausstellen zu lassen, machte er sich vor wenigen Wochen auf den Weg zum Einwohnermeldeamt. Schnell war klar: "Da komme ich nicht rein." Zum Bendorfer Rathaus führen an allen Eingängen mehrere Stufen: "Das ist mir zu riskant, dazu bin ich zu wacklig auf den Beinen", meint Walter Ruf. Kurzerhand verlegten die Mitarbeiter des Amtes das Büro vor das Gebäude und erledigten den Papierkram vor der Tür. "Alle haben sich sehr bemüht, aber gescheitert ist der Antrag dann am elektronischen Fingerabdruck", berichtet Walter Ruf. Das Gerät für die Abnahme der Identifizierung kann nicht außerhalb des Amtes eingesetzt werden. "Dabei wäre es ganz einfach, am Eingang an der Giebelseite eine Rampe aufzustellen", sagt der gelernte Schreiner, der die Materialkosten dafür auf rund 100 Euro schätzt. Auf seine Nachfrage hin habe ihm das Bürgermeisterbüro außer einem "Es tut uns leid" und dem Verweis auf die lediglich drei Stufen vor dem Eingang an der Stirnseite nicht weiterhelfen können. "Das ist zynisch, der Zustand insgesamt ist unmöglich", empört sich Walter Ruf.

    Büroleiter Thomas Gutfrucht hält den Fall für eine "absolute Ausnahme", übliches Vorgehen sei das nicht. Gleichwohl sei der Stadt die Problematik durchaus bewusst: "Wir sind am Thema dran." Zwei der drei Gebäude, in denen das Bendorfer Rathaus untergebracht ist, sind nicht barrierefrei. Ein Außenaufzug schafft eine gewisse Abhilfe, "aber dann kommt man vom Erdgeschoss nicht weiter, wenn man in den Ratssaal oder im anderen Gebäude zu einer Trauung im ersten Obergeschoss will", berichtet Thomas Gutfrucht. Mitarbeiter hätten in der Vergangenheit häufig Hilfestellung gegeben und Rollstühle über die Stufen hinaufgezogen. Auch Walter Ruf hatte man angeboten, ihn über die Treppe zu tragen. Er lehnte ab: "Das war mir nicht geheuer, was ist, wenn ich falle?" Im Haushalt 2014 sollen nun Mittel für einen barrierefreien Zugang in den Haushalt eingestellt werden. Fachtechnische Gutachten müssen prüfen, ob eine Rampe oder andere Einrichtungen möglich sind, "aber wir hoffen, im nächsten Jahr eine Lösung zu finden", betont Gutfrucht.

    So bald wie möglich will Walter Ruf sich jetzt auf den Weg nach Neuwied machen. Er hofft, dass er dann schnell seinen neuen Reisepass bekommt.

    Katharina Demleitner

    Mayen-Andernach
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