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    Buch- und Kulturwoche in Mayen erinnert an Heinle

    Zum Abschluss der 21. Mayener Buch- und Kulturwoche gab es für die Besucher etwas ganz Spezielles. Die Mayener Bücherstube hatte sich in einen Theatersaal verwandelt.

    Zum Abschluss der Mayener Buch- und Kulturwoche begrüßte Organisatorin Beate Härig (2. von links) die Künstler (von links) Christian Barth, Fabien Jegoudez, Jan Henin und Laura Peinetti in ihrer Bücherstube, die für diesen Abend zum Theater wurde.
    Zum Abschluss der Mayener Buch- und Kulturwoche begrüßte Organisatorin Beate Härig (2. von links) die Künstler (von links) Christian Barth, Fabien Jegoudez, Jan Henin und Laura Peinetti in ihrer Bücherstube, die für diesen Abend zum Theater wurde.
    Foto: Elvira Bell

    Von unserer Mitarbeiterin Elvira Bell

    "Wir betreten heute Abend ein neues Terrain", sagte Buchhändlerin und Organisatorin Beate Härig zu Beginn der Veranstaltung, bevor Jan Henin aus Gamlen und seine Schauspielkollegen Fabien Jegoudez, Christoph Barth und Laura Peinetti mit einer bemerkenswerten Uraufführung glänzten.

    In ihrem "Ur-Aufspiel", wie Henin die gut zweistündige, zweigeteilte und mit Schauspiel und Musik gespickte Darbietung umschrieb, widmeten sich die Künstler zunächst dem Expressionisten Fritz Heinle, einem 1894 in Mayen geborenen und fast in Vergessenheit geratenen Dichter. Darüber hinaus präsentierten die vier Akteure auf bemerkenswerte Art und Weise Theaterbruchstücke von Walter Benjamin und Rainer-Maria Rilke. Teilweise wurden die Gedichte gesanglich und durch einfühlsame Lautenmusik von Christoph Barth untermalt. Unter anderem präsentierten die Künstler die sechste Elegie von Rainer-Maria Rilke, "Feigenbaum, seit wie lange schon ist’s mir bedeutend", zwei Sonette von Walter Benjamin sowie Gedichte und Tagebuchnotizen des Lyrikers Fritz Heinle.

    Eine besondere Rolle spielte die Skulptur "Alter-naive-Kunst" des Mayener Künstlers Heinrich Ellner. Das aus Holz, mit einer Harmonie von verschiedenen rostigen Rohren, einer Pumpe und Wasserhähnen versehene rund zwei Meter hohe bemerkenswerte Kunstwerk diente Jan Henin in seinem frei improvisierten Spiel, geschmückt mit einigen wenigen grünen Luftballons, als Feigenbaum. Im zweiten Teil des Abends standen Chansons und selbst komponierte Stücke auf dem Programm.

    Interessiert lauschten die Zuhörer den Ausführungen von Jan Henin. "Heinles Gedichte sind im selben Zeitraum entstanden wie die erste Niederschrift der sechsten Elegie im Jahr 1912/13/14. Walter Benjamins Sonette sind im selben Zeitraum entstanden wie die Rilkeschen Sonette an Orpheus", erläuterte der 40-jährige Musiker, Gitarrist, Sänger und Dichter, der in Münstermaifeld sein Abitur gemacht hat. "Walter Benjamins Sonette wurden erst in den 1980er-Jahren nach dem Aufspüren in der französischen Nationalbibliothek erstveröffentlicht, gemeinsam übrigens mit einem Teil des bis dato vor allem durch die Arbeit von Werner Kraft bekannten Gesamtwerks Heinles."

    Auch über Christoph Friedrich Heinle erfuhren die Zuhörer so einiges. Heinle war ein junger, mit Walter Benjamin befreundeter Dichter. Der gebürtige Mayener hatte sich in den ersten Tagen des Ersten Weltkrieges am 8. August 1914 zusammen mit seiner Freundin Friederike Seligson mit Gas das Leben genommen. "19 war er da", berichtete Henin. Mit seinem Suizid protestierte Heinle gegen den Krieg und gegen das Verhalten seiner Generation. Gemeinsam mit Walter Benjamin, dem Heinle in Freiburg begegnet war, hatte der Philologie-Student für die Zeitschrift der Jugendbewegung um Gustav Wyneken gearbeitet. Darüber hinaus hatte er in der Freien Studentenschaft mitgewirkt.

    Der Abend, der zugleich den Abschluss des ersten Teils der Mayener Buch- und Kulturwoche bildete, kam beim Publikum hervorragend an. "Das war echt geil", bilanzierte Lars Neger von der Mayener Bücherstube. Im Dezember stehen zwei weitere größere Events auf dem Programm. Am 12. Dezember ist Bestsellerautor Wolfgang Klaes zu Gast, und am 20. Dezember präsentieren Beate Härig und Peter Nüesch Weihnachtsgeschichten.

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