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Andernach

Andernacher Bukowski-Museum liegt vorerst auf Eis

Die Pläne sind fix und fertig, aber bislang liegen sie nur in der Schublade – und dort werden sie wohl noch eine ganze Weile bleiben: Schon seit rund drei Jahren plant die Charles-Bukowski-Gesellschaft, im Geburtshaus des Autors in der Andernacher Aktienstraße ein Museum zu Ehren des Schriftstellers einzurichten. Es fehlt am Geld. Jetzt liegt das Vorhaben erst einmal auf Eis.

Charles Bukowski 1978 während einer Lesung  in Hamburg. Die Pläne für ein Museum in seinem Geburtsort Andernach kommen nicht weiter, weil es am Geld fehlt.
Charles Bukowski 1978 während einer Lesung in Hamburg. Die Pläne für ein Museum in seinem Geburtsort Andernach kommen nicht weiter, weil es am Geld fehlt.
Foto: dpa

Andernach – Die Pläne sind fix und fertig, aber bislang liegen sie nur in der Schublade – und dort werden sie wohl noch eine ganze Weile bleiben: Schon seit rund drei Jahren plant die Charles-Bukowski-Gesellschaft, im Geburtshaus des Autors in der Andernacher Aktienstraße ein Museum zu Ehren des Schriftstellers einzurichten. Es fehlt am Geld. Jetzt liegt das Vorhaben erst einmal auf Eis.

Denn vorerst hat sich die Bukowski-Gesellschaft einem anderen Projekt zugewandt. "Wir planen eine viermonatige Ausstellung, zu der es auch einen begleitenden Katalog geben soll", berichtet der Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft, der sich den Künstlernamen Roni gegeben hat. Schauplatz der Ausstellung ist aber nicht Andernach, sondern Sulzbach-Rosenberg, ein Ort rund 60 Kilometer östlich von Nürnberg. Im dortigen Literaturarchiv stehen der Bukowski-Gesellschaft vier Räume zur Verfügung – mehr Platz, als das geplante Museum in Andernach bieten könnte. "Wir werden die Dinge dort sehr viel großzügiger zeigen können", sagt Roni.

Dass auch Andernach in den Genuss der Ausstellung kommt, ist aber nicht ausgeschlossen. Die Schau wird als Wanderausstellung konzipiert und könnte daher auch in Bukowskis Geburtsstadt kommen. Auch das Museumsprojekt könnte von der Ausstellung profitieren. "Wir hoffen schon", sagt Roni, "dass jemand darauf anspringt, wenn dass Ganze einmal museal zur Schau gestellt wird."

Dabei bedienen sich die Ausstellung und das geplante Museum durchaus unterschiedlicher Präsentationsformen. Zwar sollen im Museum auch Exponate ausgestellt werden, doch vor allem setzt das Konzept darauf, Charles Bukowski und sein Werk erlebbar zu machen.

Die Räume sollen sich laut Roni durch eine Café-Atmosphäre auszeichnen. Es soll Sitzecken geben, in denen Besucher in aller Ruhe in Bukowskis Werken und Briefen schmökern können. Und an Multimedia-Stationen wird der Autor in Videos und Tondokumenten lebendig. "Die Leute bekommen Bukowski hautnah mit. Sie sollen kommen und von ihm begeistert werden", sagt Roni.

Bukowski selbst würde das wohlmit gemischten Gefühlen betrachten: Vier Jahre vor seinem Tod notierte er 1992: "Das Schlimmste: Einige Zeit nach meinem Tod werde ich richtig entdeckt. Alle, die mich zu Lebzeiten gefürchtet oder gehasst haben, finden mich jetzt ganz toll. Meine Worte sind überall. Clubs und Gesellschaften werden gegründet. (...) Sogar den Göttern kommt das große Kotzen."

Bis zum Museum fehlt jedoch vor allem ein Geldgeber. "Wir brauchen einen privaten Förderer", räumt Roni ein. "In der gegenwärtigen Lage ist so ein Projekt aus öffentlichen Mitteln nicht zu finanzieren." Für die Erstausstattung und den Betrieb in den ersten drei bis fünf Jahren hat die Bukowski-Gesellschaft Kosten von rund 150.000 Euro veranschlagt.

Dass das Vorhaben – zumindest auf längere Sicht – am Geld nicht scheitern wird, davon ist Roni überzeugt. Denn eigentlich seien die Vorzeichen günstig. Bereits jetzt gibt es Bukowski-Fans, die allein deswegen nach Andernach kommen, um das Geburtshaus des Schriftstellers zu sehen. Und die Anerkennung für den Autor wächst. "Der Mann wird zunehmend rezipiert und auch als Schriftsteller ernst genommen", berichtet Roni. Da sei es nur eine Frage der Zeit, dass ein Bukowski-Museum eingerichtet wird. "Und welche literarische Gesellschaft leckt sich nicht die Finger danach, im Geburtshaus des Autors auszustellen?", fragt Roni rhetorisch. "Wir wollen das Projekt jedenfalls nach wie vor umsetzen." Hilko Röttgers

Das Konzept für das geplante Museum (Stand 2010) ist im Internet unter www.bukowski-gesellschaft.de zu sehen.

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