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    St. Johann

    Als "Hexen" in Bürresheim noch der Prozess gemacht wurde

    Regelrechte Hetzjagden auf vermeintliche Hexen, die verfolgt, in Prozessen verurteilt wurden und ihr Leben auf dem Scheiterhaufen verloren, waren im 17. Jahrhundert auch in der Region nicht unüblich. Tiefe Einblicke in dieses dunkle Kapitel der Geschichte gibt nun ein neues Buch, das belegt, welche Grausamkeiten angebliche Hexen früher auch rund um das Schloss Bürresheim erleben mussten.

    Foto: ef

    Herbert Woll aus St. Johann und Karl-Heinz Wollscheid aus Mayen, zwei Oberstudienräte im Ruhestand, haben sich mit den Verfolgungen auseinandergesetzt und gemeinsam das Buch "Hexenprozesse in Schloss Bürresheim" verfasst. Das 147 Seiten starke außergewöhnliche Werk der beiden Autoren ist in einem Berliner Verlag erschienen.

    Das Interessante an dem Werk ist, dass die Schicksale die Leser von der ersten Zeile an gefangen nehmen: die Tragödie der Verurteilung einer Hebamme aus St. Johann, die Karl-Heinz Wollscheid verfasst hat, und die Protokolle von Hexenprozessen in der Herrschaft Bürresheim, von Herbert Woll festgehalten. Wollscheid komplettiert das Buch durch historische und literarische Quellen, die er für seine spannende Tragödie zugrunde legte.

    Auf den ersten Seiten des Buches findet der Leser eine Vielzahl von Bildern mit Erklärungen, die einen direkten Bezug zum Ort der Handlung, zu den Prozessakten und zur Tragödie haben. Zu sehen ist beispielsweise der Hochsimmer, der in den Prozessakten mehrfach als Hexentanzplatz erwähnt und in der Tragödie als Schauplatz eines Hexensabbats beschrieben wird. Außerdem enthält der Bildteil Fotos des Schlosses Bürresheim mit seiner Reuterstube. Da dort wahrscheinlich die Prozesse durchgeführt wurden, wurde die Stube später in Hexensaal umbenannt. Allein im Schloss wurden in der Zeit von 1602 bis 1651 mindestens 35 Personen als Hexen oder Hexer wegen angeblichen Wetterzaubers zur Verantwortung gezogen und zum Tod durch Verbrennen verurteilt.

    Eine von ihnen war Trein (Katharina) Emmerich, die in der Tragödie als kräuterkundige, unverheiratete Hebamme auftritt. Die 30-Jährige wurde als Hexe angeklagt, verurteilt, erwürgt und anschließend verbrannt. Um der Folter zu entgehen, gestand Trein Emmerich den fiktiven Ausführungen von Wollscheid zufolge, dass ihr der Teufel die Macht verliehen hatte, Wetter zu machen und das Unwetter über St. Johann herbeizuführen. Außerdem hatte sie sich schuldig bekannt, Hostienfrevel begangen zu haben und ihre Hebammenkenntnisse auch zur Verhinderung von Geburten eingesetzt zu haben. Mit Kräutern, die sie in ihrem Garten angepflanzt hatte, verhalf sie einigen Frauen, die aus körperlichen Gründen oder aus großem seelischen Leid nicht gebären konnten, zum verfrühten Einsetzen der Wehen, damit diese ihre ungeborene Leibesfrucht verloren.

    Interessant für viele Leser ist auch der historische dritte Teil des Buches, in dem Woll exemplarisch einige handschriftliche Unterlagen über die Hexenprozesse, die im Landeshauptarchiv liegen, genauestens unter der Lupe nimmt. Der 82-jährige St. Johanner beschäftigt sich seit rund 25 Jahren mit den 450 Seiten umfassenden Protokollen und der damit verbundenen Hexenverfolgung in der Herrschaft Bürresheim.

    Im Gegensatz zu Neuautor Woll hat der 69-jährige gebürtige Hunsrücker Wollscheid vor sechs Jahren bereits ein Buch mit dem Titel "Personifikationen des Bösen" herausgegeben. Während einer Lesung, die beide vor wenigen Tagen in Mayen hielten, wurde an sie der Wunsch angetragen, die Tragödie von einer Laienspielgruppe auf die Bühne bringen zu lassen. "Ich hätte nichts dagegen", sagte Wollscheid nun im Gespräch mit der Rhein-Zeitung.

    Erschienen ist das Buch im Rhombos Verlag. Es trägt die ISBN 978-3-944101-02-6 und kostet 25 Euro.

    Von unserer Mitarbeiterin Elvira Bell

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