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Winningen: Jungwinzer beenden das Moselfest auf ihre Weise

Für die Mitglieder der Winninger Jungwinzer- und Schröterzunft hat das Moselfest nicht zehn, sondern elf Tage. Denn einen Tag nach dem offiziellen Ende feiern sie nach den Aufräumarbeiten mit dem "Stuhl-Gang" ihren eigenen Abschluss. Zum Teilnehmerkreis gehören neben den Jungwinzern nur wenige. Der Bürgermeister darf dabei sein, Weinhex und Weinkönigin, der Vorstand des Touristikvereins und einige ausgewählte Gäste. Die RZ durfte am Montag auch mal dabei sein.

Von unserem Redakteur Volker Schmidt

Seit den 1960er-Jahren gibt es diese Tradition schon. Dabei ziehen die Teilnehmer von Weingut zu Weingut und lassen sich auf der Straße davor nieder – und zwar auf dem von ihnen selbst mitgebrachten Stuhl. Ist der Stuhlkreis mal gebildet, gibt es für Autos meist kein durchkommen mehr. Und das bleibt auch so. In Winningen ist die Tradition manchmal eben wichtiger als die Straßenverkehrsordnung. Fußgängern macht man aber mal Platz. Es sei denn, einer der Teilnehmer hält gerade einen Vortrag. Und das kommt gar nicht so selten vor. Für Gedichte und Trinksprüche ist in erster Linie Werner Fries zuständig. Und der Senior kennt nicht wenige davon. Gesungen wird auch – immer begleitet von Marco Seidl am Akkordeon. Zu Liedern wie "Steillagenwinzer sind Helden" schunkeln dann junge und alte Winzer – nicht jedes Mitglied der Jungwinzer- und Schröterzunft ist auch jung – Arm in Arm. Berührungsängste zwischen den Generationen gibt es hier keine. "Die Liedtexte sitzen bei den Jungen nur nicht ganz so gut", scherzt Florian Kröber. Aber das kann ja noch kommen.

Auch im Anekdotenerzählen haben die Älteren noch die Nase vorn – allen voran Fred Knebel. Den Kollegen mal kräftig in die Pfanne hauen können aber auch schon die Jungen. Als Fred Knebel zum Beispiel erklärt, dass er es sich wünschen würde, dass die Jungwinzer auf seiner Beerdigung die traditionellen Westen und Schürzen tragen, fragt Katharina von Canal scherzhaft nach: "Wann ist das?" In das darauf folgende Lachen stimmt natürlich auch Fred Knebel mit ein. In puncto Humor geht es beim "Stuhl-Gang" manchmal etwas derber zu, aber nicht bösartig.

Dafür sind die Weine, die in jedem Weingut gereicht werden, um so feiner. "Hier werden oft Weine genommen, die gar nicht mehr im Verkauf sind und von denen der Winzer selbst nur noch zehn oder zwölf Flaschen besitzt", berichtet Andreas Lang, der Vorsitzende von Touristik Winningen. Diesmal serviert Andreas von Canal vom Weingut Freiherr von Heddesdorff zum Beispiel eine Auslese aus dem Jahr 1996.

Etwa fünf bis sechs Stationen absolvieren die Teilnehmer bei einem "Stuhl-Gang". "Wir können natürlich nicht jeden besuchen", sagt Peter Weyh, der Vorsitzende der Jungwinzer- und Schröterzunft. Besucht werden vor allem die Betriebe, die größere Mengen Wein für das Moselfest geliefert haben. Die Stationen des "Stuhl-Gangs" ändern sich also von Jahr zu Jahr.

Dass die junge Generation an Winninger Winzern die Tradition des "Stuhl-Gangs" aufrecht erhalten will, ist für diese keine Frage. Nach getaner Arbeit beim Moselfest ist es für viele ein entspannter Abschluss. Und für Gäste wie Ortsbürgermeister Eric Peiter, der erst seit der Amtsübernahme dabei sein darf, ist es eine Ehre, wie er selbst sagt. Die Tradition des "Stuhl-Gangs" ist auch nach mehr als 50 Jahren noch sehr lebendig.

Moselfest Winningen
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