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Koblenz/Region

Ungewöhnlich viele: Fruchtfliegen plagen Haushalte und Bauern

Sie schwirren in nie gesehenen Massen durch die Küchen in Stadt und Region, sie umschwärmen die Obst- und Gemüsetheken in den Supermärkten – und sie machen den Obstbauern an Rhein und Mosel zunehmend Schwierigkeiten: Ungewöhnlich viele Fruchtfliegen suchen derzeit die Gegend an Rhein und Mosel heim. Es ist vor allem eine aus Asien zugewanderte Art, die die Situation verschärft.

Nicht nur die heimische Fruchtfliege (Foto) ist in diesem Jahr besonders zahlreich, sondern auch eine asiatische Art.
Nicht nur die heimische Fruchtfliege (Foto) ist in diesem Jahr besonders zahlreich, sondern auch eine asiatische Art.
Foto: picture alliance

Von unserem Redakteur Tim Kosmetschke

Dabei sind die kleinen Fliegen für den Menschen nicht gefährlich, wie Dr. Rudolf Schneider vom Veterinäramt der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz betont. "Ich habe aber auch schon festgestellt, dass es im Moment besonders viele sind", sagt der Tierarzt, der auch für die Lebensmittelüberwachung in Stadt und Kreis zuständig ist. Fruchtfliegen sind vielmehr vor allem lästig – im Haushalt wie im Supermarkt. "Dort ist es natürlich Sache der Verantwortlichen, dafür zu sorgen, dass sich die Tierchen nicht an der Fruchttheke tummeln." Dazu muss vor allem angeknackstes Obst rasch entfernt werden – denn die Schadstellen und austretender Fruchtsaft locken die Drosophila melanogaster genannten Fliegen ganz besonders an.

Privatleuten rät Schneider im Grunde dasselbe. Und: "Wer sein Obst nicht offen liegen lässt, sondern im Kühlschrank lagert, hat weniger Probleme." Beim Einkauf sollte man darauf achten, dass das Obst frisch ist und gut aussieht. Und wer gammeliges Obst auf einem Komposthaufen entsorgt, sollte dafür sorgen, dass der Haufen weit weg vom Haus steht – wenn das denn möglich ist. Immerhin: "Wenn es bald kühler wird, erledigt sich das Problem von allein. Bis dahin müssen wir wohl damit leben."

Oder gezielte Gegenmaßnahmen im Haushalt ergreifen. Im Handel gibt es Fruchtfliegenfallen, Schneider empfiehlt jedoch ein bestens erprobtes Hausmittel: "Stellen Sie ein Glas in der Küche auf, geben Sie Apfelsaft und einen Spritzer Essig sowie etwas Spüli hinein. Der Saft lockt die Fruchtfliegen an, und dann ertrinken sie in der Mixtur."

So leicht fällt es Obstbauern nicht, sich der gefräßigen Fliegen zu entledigen, wie Manfred Hellmann berichten kann. Der Pflanzenschutzberater beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz ist für das nördliche Rheinland-Pfalz zuständig – und erst seit diesem Jahr beschäftigen ihn die Fruchtfliegen. "Das ist ein heißes Thema", sagt er. Denn anders als die heimische Art bereitet vor allem die Kirschessigfliege der Landwirtschaft Kopfzerbrechen und handfeste Ernteverluste. "Drosophila suzukii, wie sie komplett heißt, ist eigentlich in Südostasien beheimatet, doch der globale Handel macht es möglich, dass sie kostenlos mit zu uns geflogen ist und sich jetzt hier ausbreitet", erklärt der Experte.

Das Problem: Die asiatische Verwandte unserer Drosophila belegt auch intakte Früchte mit Eiern. Das Entfernen von schadhaftem Obst aus der Plantage reicht also nicht, um sie zu bekämpfen. "Und wenn die Suzukii drin ist, kommt unsere Fruchtfliege hinterher." Das führt zu massiven wirtschaftlichen Pro- blemen – und eine richtig gute Lösung ist noch nicht in Sicht. Hellmann: "Es gibt nur wenige Präparate, die wirken, sich aber gleichzeitig so schnell abbauen, dass keine Rückstände mehr im Obst sind – und das ist ja ein wichtiges Verbraucherinteresse."

Kernobst ist nicht betroffen, jedoch Quetschen, Beerenobst, auch Holunder, der in der Koblenzer Gegend stark verbreitet ist. "Auch die Wildbestände sind betroffen, das sind richtige Brutstätten für die Fliegen." Im vergangenen Jahr gab es schon Meldungen aus Süddeutschland, nun ist die Kirschessigfliege auch bei uns angekommen; im Norden Deutschlands ist sie offenbar noch nicht verbreitet.

Auch Hellmann sagt den Satz: "Wir werden damit leben müssen." Schließlich treibt die Drosophila suzukii auch im Mittelmeerraum schon länger ihr Unwesen. Immerhin: Wenn es kühler wird, wird es besser. Bei 4 Grad setzt der Stillstand der Entwicklung der Fliegen ein. Deshalb auch Hellmanns Tipp an Verbraucher: "Weichobst sollte man aus der Kühltheke kaufen, dann dürften eigentlich keine Fruchtfliegen drin sein."

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