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Koblenz

Stadt scheut Kosten und unkalkulierbare Folgen: Kärcher reinigt nicht das Denkmal am Eck

Das Denkmal am Deutschen Eck wird seine Patina behalten: Das Vorhaben von Reinigungsspezialist Kärcher, das berühmte Monument am Zusammenfluss von Rhein und Mosel zu säubern, ist offenbar zu den Akten gelegt.

Es bleibt dabei: Das Denkmal am Eck bleibt, wie es ist. Das Reinigungsvorhaben der Firma Kärcher hat sich wohl erledigt.  Archivbild: Sascha Ditscher
Es bleibt dabei: Das Denkmal am Eck bleibt, wie es ist. Das Reinigungsvorhaben der Firma Kärcher hat sich wohl erledigt. Archivbild: Sascha Ditscher
Foto: Sascha Ditscher

Von unserem Redaktionsleiter Ingo Schneider

So klar will das zwar schon seit Monaten bei der Stadtverwaltung niemand aussprechen. Aber die schriftliche Antwort auf eine Anfrage der SPD-Fraktion im Rat lässt da keine Zweifel mehr offen. "Die Verwaltung priorisiert die Reinigung des Denkmals zur Zeit nicht", heißt es von der Koblenz-Touristik. Und: Die Firma Kärcher selbst habe "das Projekt ebenfalls nicht weiter verfolgt".

Ungewöhnliche Kulturförderung

Noch mal zur Vorgeschichte: Im Herbst 2013 wurde bekannt, dass das Unternehmen mit Sitz in Winnenden das Angebot unterbreitet hatte, Teile des Denkmals kostenlos zu reinigen. Eine Form der Kulturförderung, die Kärcher bereits seit mehr als 30 Jahren betreibt. So wurden im Laufe der Jahrzehnte etwa die Kolonnaden auf dem Petersplatz in Rom gesäubert, wie auch die Köpfe der amerikanischen Ex-Präsidenten auf dem Mount Rushmore oder die Memnonkolosse in Luxor. Insgesamt waren es weltweit mehr als 80 Großprojekte, die verwirklicht wurden. Doch das Deutsche Eck wird sich jetzt eben doch nicht einreihen.

Von Anfang an hatte Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig auf Nachfrage unserer Zeitung zwar signalisiert, dass er die Idee für "sehr interessant und verfolgenswert" hielt. Aber es gab auch gleich Zweifel, die die Runde machten. Besteht die Gefahr von Schäden, drohen Folgekosten, die die Stadt nicht tragen kann und will? Wie würde das Denkmal aussehen, wenn nur ein Teil deutlich aufgehellt in neuem Glanz erstrahlt – der Rest aber nicht? Und: Gehört die Patina nicht ohnehin zu dem Denkmal dazu? All diese Bedenken sind es letztlich dann auch, die dazu führen, dass sich das Vorhaben offenbar erledigt hat.

Mehrfach hatte die RZ den Stand der Verhandlungen zwischen Kärcher und der Stadt angefragt. Immer wieder gab es keine klare Antwort. "Es gibt zurzeit noch ungeklärte Fragen der Finanzierung möglicher Folgekosten", hieß es zuletzt im Mai 2015. Die Sozialdemokraten haben jetzt noch mal nachgehakt und dabei auch Bezug genommen auf ein Gutachten des Instituts für Steinkonservierung (IfS), das die Stadt angekündigt hatte. Dieses liegt mittlerweile vor – und es stellt die Sinnhaftigkeit des Projekts infrage, wie die Koblenz-Touristik in ihrer aktuellen Antwort berichtet. Die Aufhellung befürwortet man bei der Einrichtung der staatlichen Denkmalpflege nicht, hält dort die Patina für "erhaltenswert". Und optisch problematisch findet man eben auch, dass nur ein Teil gereinigt wird.

Gutachten: Risiko ist hoch

Eine genaue Bezifferung der Kosten, die auf die Stadt noch zukommen könnten, sei nicht möglich, so die Verwaltung. Es gebe keine Schadenskartierung für das Deutsche Eck. "Das Risiko, dass durch die Reinigung ein höherer Schaden entsteht beziehungsweise festgestellt wird, wurde vonseiten des Hochbauamts und des IfS sehr hoch eingeschätzt", betont die Koblenz-Touristik. Und es kommt ein weiterer Faktor hinzu: Auch die Kosten für Gerüste, Absicherung und Baustelleneinrichtung seien "nicht kalkulierbar". Nur mit Sponsoren wäre das Projekt zu bewerkstelligen. Kärcher habe aber bereits signalisiert, dass das Unternehmen es nicht als seine Aufgabe ansieht, solche zu akquirieren.

Fazit: Für die Verwaltung hat das Projekt keine Priorität. Sie legt das Augenmerk "auf die ebenfalls dringend notwendigen Instandsetzungen der Brücken". Und da, wie gesagt, Kärcher das Projekt ebenfalls nicht weiter verfolgt hat, bleibt es wohl dabei: Das Denkmal am Deutschen Eck behält seine Patina.

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