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Koblenz

Sommerfest 2018: Eine Bilanz von A bis Z

Groß und kurzweilig: Es ist fast unmöglich, die Impressionen des dreitägigen Koblenzer Sommerfestes gerecht zusammenzufassen. Zu groß ist die Zahl der engagierten Akteure vor und hinter den Kulissen. Dennoch wagen wir im Folgenden ein kleines Fest-ABC.

A wie Auftakt: So mancher dürfte den Freitagabend, der ein ganz normaler Sommerabend war, nach der großen Hitze als zu kühl empfunden haben. Nur so ist es zu erklären, dass zunächst viele Bänke leer blieben. Vor den Bühnen tummelten sich wenige, überwiegend junge Fans. Wer sich nicht so gern in Menschenmassen tümmelt, erlebte einen fast perfekten Abend.

B wie Becher: 3 Euro Solidarbeitrag beim Getränkekauf, dafür einen schönen Koblenz-Becher oder -Weinglas als Souvenir – das ist grundsätzlich eine gute Sache. Die Veranstalter wollten dennoch Konsequenzen aus dem oft kritisierten Umstand ziehen, dass man 2017 seinen Becher mit herumschleppen musste. Man konnte nun Becher und Gläser gegen Wertmarken eintauschen. Am Freitag klappte das allerdings noch nicht überall.

C wie Camping. Wer nicht rechtzeitig auf den offiziellen Plätzen gebucht hatte, konnte zum Beispiel auf den Rheinwiesen zelten. „Deutlich weniger als früher“, lautete das Fazit von sechs Familien aus Koblenz und Umgebung, die sich seit 22 Jahren für einen Kurzurlaub am Rheinufer zusammenfinden und immer ein kleines Zeltdorf aufbauen. Die Gruppe führt den Rückgang auf die Tatsache zurück, dass der Sportbund Rheinland an den Festtagen keine Aktionen mehr anbietet.

D wie Druckluft Orchester: Oft liegt der Reiz im Kleinen. Keiner verkörperte das besser als Peter Tell. Drei Tage lang gab der Erfinder, Tüftler und Musiker aus Dresden mit seinem Eigenbau-Multiinstrument Evergreens mit zum Besten – garnierte mit frechen Sprüchen.

E wie Ehrenamt: Ohne freiwillige Helfer, die keinen Cent berechnen, wäre ein Fest in diesen Dimensionen nicht möglich. Und so mancher verkaufte Getränke für einen guten Zweck – so die Nachwuchs-Rotarier von Rotract.

F wie Festungsfest: Trotz eines attraktiven Programms auf der Sparkassenbühne war das Festivalgelände an beiden Veranstaltung halb leer. Am Rahmenprogramm lag es sicher nicht. Mit Dire Strats, The Queen Kings, Stingchronicty und Purple X waren bekannte Tribute-Bands engagiert worden, die sehr oft vor großer Kulisse spielten. Woran es lag? Darüber kann nur spekuliert werden. „Vielleicht haben sich einige abschrecken lassen“, vermutet Thomas Metz. Der Chef der Generaldirektion Kulturelles Erbe erinnerte an die große Trockenheit der vergangenen Tage und die damit verbundenen Diskussionen rund um das Feuerwerk.

G wie Geschmackssache: Mancher erinnert sich noch gern an die Zeiten, in denen das Großfeuerwerk ohne Dauerbeschallung über die Bühne ging. Doch scheint sich eine Mehrheit für eine musikalische Begleitung auszusprechen. Wie dem auch sei. Die Auswahl der Stücke war moderater als im Vorjahr.

H wie Helena, genauer gesagt wie KG St. Helena 1517: Seit 501 Jahren feiert man in Ehrenbreitstein Kirmes – und seit genau 70 Jahren gibt es die Kirmesgesellschaft. „Der Termin am zweiten Augustwochenende ist Tradition“, bekennt Vorsitzender Timo Fischbeck. Rhein in Flammen ohne Dähler Kirmes ist also undenkbar, zumal sich auf Höhe der (gesperrten) B 42 ein grandioser Blick aufs Feuerwerk bietet. Dennoch ist der Platz immer noch ein Geheimtipp. Dem Vorstand der KG kann es recht sein. Bei tanzbaren Schlagern konnte man gemütlich auf dem Kapuzinerplatz feiern. „Alles super gelaufen“, bilanziert Fischbeck. Mit einer Ausnahme: Es gab Probleme mit der Zugmaschine, sodass der Kirmesbaum eine Stunde später stand als geplant.

I wie Irisches Dorf: Handgemachte irische Musik hat auch in Koblenz viele Freunde. Und so wurde das kleine „Musikdorf“ auch beim Sommerfest 2018 zu einem beliebten Treffpunkt.

J wie jedermann: Das Sommerfest ist seit seiner Premiere auch ein Mitmachfest. Vor allem die Kleingärtner im Lützeler Schartwiesensenweg interpretierten das Angebot auf ihre Weise. Viele Gärten waren festlich beleuchtet, herein kamen natürlich nur diejenigen, die zu den Privatfeten eingeladen waren.

K wie Konstantin, genauer gesagt Fort Konstantin: Hier hat das Feiern auf einer der schönsten Terrassen der Stadt Tradition. Unter der Devise „Rheingold“ gab es hier unter anderem Soul mit The Wright Thing und lateinamerikanische Klänge.

L wie Lützel: Wer es bodenständig mag, feiert in Lützel. Und auch für das Sommerfest 2018 galt: Hier ist das Bier kühler und etwas preiswerter. Entsprechend groß war der Andrang bei der Coblenzer Turngesellschaft und beim TTC Olympia Koblenz. „Zeitweise kamen die Jungs ins Schwimmen“, scherzte ein Beobachter.

M wie Musik: Sechs Bühnen, da sollte eigentlich für jedermann etwas dabei sein. Und so war es auch, obwohl die Genres Rock und Pop gefühlt überpräsentiert waren. Dabei ist nicht jeder „U 30“ oder „Berufsjugendlicher“.

N wie Neuendorf: Wer das Spektakel bodenständig feiern will, sollte nach Neuendorf gehen. Genauer gesagt zum örtlichen Männergesangverein, der zum 44. Mal einlud und auf Beschallung verzichtete, damit man sich unterhalten konnte. Eine große Gästeschar war der verdiente Lohn. Manchmal ist weniger eben mehr.

O wie Ordnung: Keine gravierenden Zwischenfälle, disziplinierte Besucher. Das ist ein – nicht unbedingt selbstverständliches Fazit der Großveranstaltung.

P wie parken: Kreatives Parken, wie bei Koblenzer Großveranstaltungen üblich, wurde nicht honoriert. Die Ordnungshüter ließen konsequent abschleppen, so zum Beispiel an der Pfaffendorfer Brückenstraße.

Q wie Qual: Auch wenn alles gut geregelt war, ist es eine Schnapsidee, bei Rhein in Flammen in die Innenstadt zu fahren. Und so gab es vor und nach dem Spektakel die quälend langen Schlangen.

R wie Rheinwiese: Hier sieht man das Feuerwerk nur sehr klein, dafür werden hier aber die wahren Dimensionen des Schiffskonvois und der Illumination des Rheinufers .
S wie Schlosspark: Hier ist traditionell der Platz für Individualisten. Bei der „Silent Disco“ erhielt jeder einen Kopfhörer mit direktem Draht zu seiner Lieblingsmusik. Wer das nicht wollte, konnte hier dem Festtrubel entfliehen

T wie Toiletten: Da kann ein Veranstalter machen, was er will. Irgendwie gibt es immer zu wenige stille Örtchen. Trotz vieler dezentraler Lösungen standen vor allem die Damen stellenweise an.

U wie unmöglich: Bei diesem großen Angebot war es selbst für erfahrene Besucher schwer, den Überblick zu behalten. Dennoch war die Entscheidung, das Fest dezentral zu feiern, wieder einmal goldrichtig. Das Schieben und Drängen, das man aus früheren Zeiten kennt, gab es nicht.

V wie Vergnügungspark: Eingeweihte trauten ihren Augen nicht. Am Moselufer, ganz in der Nähe des „Kaisers“, gab es doch tatsächlich wieder eine Sommerfestkirmes mit Fahrgeschäften und sogar einem Riesenrad. Traditionelle Konzepte haben offenbar immer noch Erfolg – erst Recht vor einer malerischen Kulisse. So mancher fragt sich, warum sich die Koblenz-Touristik bei der „Mess am Eck“ so schwer tut. In diesem Frühjahr mussten die Schausteller sogar ganz in die Röhre schauen. Die infolge von Auflagen zur Dorfkirmes mutierte Veranstaltung fiel nämlich ganz aus.

W wie Weindorfbühne: Anders als in den Vorjahren wurde hier ganz bewusst keine Bühne aufgestellt, die Wiese blieb leer. „Ein schwieriger Standort“ hatte die Koblenz-Touristik schon bei der Vorstellung des Programms für Großveranstaltung bekannt.

Z wie Zufriedenheit: Eine so große und vielfältige Veranstaltung wie Rhein in Flammen mit Sommerfest für Gäste grundsätzlich kostenfrei zu halten, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Besucher wissen das, so mancher äußerte sich anerkennend und dankbar. Dennoch beginnt jetzt die Zeit der Analyse. Denn etwas verbessern kann man immer.

Reinhard Kallenbach

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