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Schloss statt Amt: Koblenzer trauen sich gern exklusiv

Der August ist die Hochzeit für Hochzeiten. In keinem Monat wird mehr geheiratet. Wen wundert’s: Bei Sonnenschein und blauem Himmel trauen sich Paare eben am liebsten – und das immer häufiger auch außerhalb der Mauern des Standesamtes. So können sich Brautpaare zum Beispiel auch im Kurfürstliche Schloss und auf Schloss Stolzenfels trauen lassen. Und auch in der Region locken etliche besondere Orte, um den Bund fürs Leben zu schließen.

So sieht der Trausaal im Koblenzer Schloss aus – hier bei einer Präsentation mit Vertretern der Koblenz-Touristik und dem Oberbürgermeister
So sieht der Trausaal im Koblenzer Schloss aus – hier bei einer Präsentation mit Vertretern der Koblenz-Touristik und dem Oberbürgermeister
Foto: Koblenz-Touristik/Frey-Pressebil

Rund 520 Eheschließungen werden in Koblenz im Jahresschnitt vollzogen. Etwa 40 Paare davon lassen sich davon durchschnittlich im Kurfürstliche Schloss trauen, 15 wählen Schloss Stolzenfels – und greifen dafür auch etwas tiefer ins Portemonnaie. Eine Eheschließung auf beiden Schlössern kostet zusätzlich zu den regulären Traugebühren weitere 150 Euro. Hinzu kommt noch die Raummiete des Eigentümers der Schlösser.

Einfach einen günstigeren Ort wählen, das geht indes nicht so einfach. Denn: "Die Wahl eines Raumes durch das Brautpaar ist grundsätzlich nicht möglich, das Standesamt beziehungsweise die Verwaltung legt die Trauungsorte für ihren Bereich fest", erläutert Thomas Knaak, Pressesprecher im Koblenzer Rathaus. Allerdings: Niemand muss sich in seinem Heimatort trauen lassen, sondern kann auch auf eine andere Lokalität zum Beispiel in der Region ausweichen. Davon profitiert vor allem die Verbandsgemeinde Rhein-Mosel.

200 Trauungen finden dort im Jahresschnitt statt, bei deutlich geringeren Einwohnerzahlen als in Koblenz. Der Grund: Es lassen sich sehr viele Brautpaare von außerhalb in der VG trauen. "Zwei Drittel der Brautleute kommen nicht aus unserer Verbandsgemeinde", berichtet Rolf Görres. Der Hochzeitstourismus hat für den Standesbeamten einen einfachen Grund: "Eine mittelalterliche Burg hoch über der Mosel, eine wunderbare alte Mühle mit eigens hergerichtetem Trauzimmer und ein herrschaftliches Schloss stehen bei uns als Trauorte außerhalb der Verwaltung zur Auswahl. Wir sind da sehr kreativ, was die Orte betrifft und sehr flexibel." Das zieht nicht nur Hochzeitsgesellschaften aus Koblenz an, sondern etwa auch aus Kanada und Dubai. "Der Stellenwert der kirchlichen Trauung nimmt immer mehr ab, der der standesamtlichen Trauung steigt dagegen. Und da wollen die Paare einfach auch an einem festlichen Ort heiraten", weiß Görres.

Die Kobern-Gondorfer Oberburg lockt Brautleute sogar aus Übersee an. Die VG Rhein-Mosel profitiert kräftig vom Hochzeitstourismus.
Die Kobern-Gondorfer Oberburg lockt Brautleute sogar aus Übersee an. Die VG Rhein-Mosel profitiert kräftig vom Hochzeitstourismus.
Foto: Annette Hoppen

100 Euro Zusatzgebühr plus Raummieten fallen für die Eheschließung außerhalb des Standesamtes an. Das sei für die Verbandsgemeinde kostendeckend. Der Mehrwert, den der Hochzeitstourismus mit sich bringt, spüle aber viel Geld in die Region.

72 Eheschließungen gab es bis Mitte Juli derweil zum Beispiel in der Verbandsgemeinde Weißenthurm. Im Jahresschnitt sind es etwa 130 Eheschließungen. Zwar wählen die meisten Paare das Standesamt aus, um den Bund fürs Leben zu schließen. Aber es gibt auch eine Alternative. "Das Wahrzeichen der Stadt Weißenthurm, der Weiße Turm, steht als zusätzlicher Trauort zu Verfügung", erläutert Pressesprecher Thomas Höfer. Etwa sechs Hochzeiten im Jahr finden dort statt. Für eine Trauung im Weißen Turm verlangt die VG eine Nutzungsgebühr von 100 Euro, plus 28 Euro, die für eine Eheschließung außerhalb des Rathauses als zusätzliche Gebühr erhoben werden.

In der Verbandsgemeinde Vallendar ist das Heiraten derweil nur in den Diensträumen der Verwaltung möglich, dafür aber zu ungewöhnlichen Zeiten. "Bei uns ist es möglich, auch an Samstagen Ja zu sagen", erklärt Bürgermeister Fred Pretz. Jeweils der zweite Samstag des Monats steht zur die Wochenendtrauung zur Verfügung. Nach alternativen Orten werde unterdessen auch nur "gelegentlich" gefragt, wie Pretz sagt.

Auch im Sayner Schloss kann standesamtlich geheiratet werden. Bei Brautpaaren ist das historische Gemäuer sehr beliebt.
Auch im Sayner Schloss kann standesamtlich geheiratet werden. Bei Brautpaaren ist das historische Gemäuer sehr beliebt.
Foto: dpa

Über mangelnde Nachfrage nach alternativen Trauorten kann sich das Bendorfer Rathaus derweil nicht beklagen. Hier stehen zum einen der Gobelinsaal im Sayner Schloss und der Gewölbekeller sowie der Innenhof der Burg Sayn zur Auswahl. "Paare, die standesamtlich heiraten, fragen häufig nach diesen Traumöglichkeiten", weiß Uli Kalb von der Bendorfer Stadtverwaltung. Etwa 50 Prozent der 150 Trauungen im Jahresdurchschnitt finden in Bendorf außerhalb des Standesamtes statt.

Annette Hoppen

Koblenz
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