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Koblenz

Neues Vergabesystem für Kitaplätze kommt: Das ändert sich mit der Onlineplattform

Eltern können ein Lied davon singen, wie nervig die Kitaplatz-Suche in Koblenz ist: Sie stehen auf zig Wartelisten, um sicherzugehen, dass sie am Ende irgendwo einen Platz bekommen. Die Zusage kommt meist relativ kurzfristig, wenige Wochen, bevor die Betreuung beginnen soll. Das Anmeldechaos könnte im kommenden Jahr besser werden.

Mit der Einführung der Onlineplattform sind ewig lange Wartelisten Geschichte. Für Eltern und auch die Kitas bringt die Software mehr Übersichtlichkeit mit. Eltern können online alles rund um die Kitaplatzsuche im Blick haben.
Mit der Einführung der Onlineplattform sind ewig lange Wartelisten Geschichte. Für Eltern und auch die Kitas bringt die Software mehr Übersichtlichkeit mit. Eltern können online alles rund um die Kitaplatzsuche im Blick haben.
Foto: Nina Borowski

Wie unsere Zeitung erfahren hat, wird Anfang 2018 ein neues Kita-Vergabesystem in Koblenz freigeschaltet, das vom Unternehmen Little Bird im Auftrag der Stadt erarbeitet wird. Die Kitasoftware wird bereits in neun Bundesländern von mehr als 100 Kommunen genutzt, unter anderem in Köln, Essen und Aachen. Kita-Sachbereichsleiter Christian Felkl vom Koblenzer Jugendamt erklärt: „Der große Vorteil an dem System ist, dass es keine ewig langen Wartelisten mehr gibt.“ Eltern sollen davon profitieren, dass sie online alles rund um die Kitaplatzsuche im Blick haben. Die RZ beantwortet mithilfe von Felkl die neun wichtigsten Fragen zum „Kita-Elternportal der Stadt Koblenz“. So wird die Plattform heißen.

Wie funktioniert das System ganz praktisch für Suchende? Zuerst einmal müssen Eltern sich online in dem Portal der Stadt anmelden. Sie geben ihre Adresse und den Geburtstag des Kindes ein, teilen mit, ob sie alleinerziehend sind und einen Ganz- oder Halbtagsplatz suchen. Wenn sie sich angemeldet haben, sehen sie alle Kitas in Koblenz. Sie können dann die einzelnen Einrichtungen ansteuern und sich informieren, über deren Konzepte, Öffnungszeiten und die Anzahl freier Plätze. Felkl erklärt: „Sie können sich danach bei fünf verschiedenen Wunschkitas auf die Vormerkliste setzen lassen.“

Die Kitas ihrerseits sehen, dass sich jemand für einen Platz interessiert, und können zurückmelden, ob es passt. Übers System schicken sie einen persönlichen Kennenlerntermin. Es folgt ein persönliches Kennenlernen. Sollte die Kita keinen Platz haben, wird dies den Eltern ebenfalls übers System mitgeteilt. Felkl erklärt: „Und falls keine der fünf Wunschkitas zusagt, werden wir als Vermittlungsstelle eingeschaltet und helfen wie bisher weiter.“ Die Mitarbeiter checken, wo noch freie Plätze sind und welche Kitas den Suchenden vorgeschlagen werden können. Felkl betont: „Wir werden natürlich versuchen, für jedes Kind einen Platz zu finden.“

Nehmen alle Betreuungseinrichtungen in Koblenz daran teil? Alle Krippen, Kitas und Horts, die in Koblenz betrieben werden, nehmen am neuen Kita-Elternportal teil. Christian Felkl erklärt, dass Infos zu Tagesmüttern weiterhin zentral über die Vermittlungsstelle im Jugendamt gegeben werden.

Müssen Eltern das Online-Elternportal nutzen? Dies ist nicht verpflichtend. Wer einen Betreuungsplatz fürs Kind sucht, kann sich nach wie vor direkt an die Kitas wenden, sagt Felkl. Der Anmeldewunsch wird dann von der jeweiligen Kita-Leitung ins Elternportal eingepflegt.

Warum sind Mehrfachanmeldungen mit diesem System nicht mehr möglich? Bislang konnten Eltern sich bei beliebig vielen Kitas anmelden. Das geht nun nicht mehr. „Sobald Eltern einen Vertrag mit einer ihrer fünf Wunschkitas geschlossen haben, verschwindet das Kind von den Vormerklisten der anderen Einrichtungen.“ Es wird quasi aus dem System gelöscht und blockiert damit auch keine anderen Plätze mehr. „Bislang führten die Einrichtungen ewig lange Wartelisten und wussten nicht, ob die Kinder vielleicht schon woanders angemeldet sind“, sagt Felkl. Das soll mithilfe des Onlinesystems nicht mehr passieren.

Ändern sich die Vergaberichtlinien? Die Vergaberichtlinien sind in der Satzung der Stadt Koblenz geregelt. Daran haben sich alle Kinderbetreuungseinrichtungen zu halten. Christian Felkl betont, dass mit dem neuen Onlinesystem nicht alles umgekrempelt wird. Die Vergabehoheit liegt immer noch bei den Kitas, die im täglichen Ablauf mit der Platzvergabe vertraut sind.

Inwieweit werden denn Geschwisterkinder bei der Platzvergabe berücksichtig? Die Platzvergabe orientiert sich an verschiedenen Merkmalen, erklärt Felkl. Dazu gehört auch die Eigenschaft als Geschwisterkind, genauso wie die Berufstätigkeit der Eltern oder ob das Kind bei einem alleinerziehenden Elternteil lebt. „Die Einführung des Elternportals wirkt sich nicht auf das Vergabesystem aus“, sagt Felkl.

Müssen Bewerbungs- und Rückmeldefristen eingehalten werden? Ein Kind kann erst ab dem Zeitpunkt angemeldet werden, wenn es auf der Welt ist. Wer einen Betreuungsplatz sucht, kann sich frühestens zwei Jahre, bevor der Platz benötigt wird, darauf bewerben. Wer also beispielsweise einen Kindergartenplatz zum dritten Geburtstag des Sohnes sucht, kann dies erst ab dessen erstem Geburtstag tun. Eine Frist, bis wann Eltern sich spätestens auf einen Platz beworben haben müssen, gibt es nicht, sagt Felkl. „Es muss ja auch für kürzlich Zugezogene möglich sein, sich für einen Betreuungsplatz zu bewerben“, erklärt er. Die Kitas ihrerseits dürfen frühestens sechs Monate vor Betreuungsbeginn eine Zusage erteilen, und natürlich auch relativ kurzfristig, sollten Plätze durch Umzug oder ähnliches frei werden.

Was müssen Eltern tun, die ihre Kinder bereits heute für einen Platz im kommenden Jahr in mehreren Kitas angemeldet haben? Dazu erklärt Christian Felkl: „Mit Einführung des Elternportals wird es hierzu konkrete Informationen geben.“

Wie viel kostet die Einführung die Stadt und seit wann wird daran gearbeitet? Die Kosten für die Einführung der Kita-Software samt Pflege und Wartung fließen in den städtischen Haushalt ein. Bislang, so Felkl, wurden rund 36.000 Euro für Kauf, Schulungen und fachmännische Unterstützung ausgegeben. Zusätzliches Personal wurde nicht eingestellt. Die Idee, eine Kita-Software einzuführen, wurde laut des Kita-Sachbereichsleiters mit den freien Trägern in den letzten Jahren entwickelt. Anfang 2017 bekam die Firma Little Bird den Auftrag erteilt. Seitdem gab es Infoveranstaltungen und Schulungen, bei denen die beteiligten Träger und Kita-Leitungen lernten, das System zu benutzen.

Weitere Infos zum Thema auf der Internetseite des Kita-Software-Entwicklers www.little-bird.de

Von unserer Redakteurin Katrin Steinert

RZ-Kommentar: "Anmelde-Dickicht: Eltern brauchen Planungssicherheit"

RZ-Redakteurin Katrin Steinert zum Koblenzer Elternportal:

RZ-Redakteurin Katrin Steinert.
RZ-Redakteurin Katrin Steinert.

Als berufstätige Mutter eines Kleinkindes brauche ich Planungssicherheit. Ich muss wissen: Wer passt auf mein Kind auf, während ich arbeite? Ich habe mich oft gefragt, warum es in Koblenz keine zentrale Stelle gibt, die meine Wünsche als Elternteil mit den Angeboten der Kitas zusammenbringt. Ich war alleine im Anmelde-Dickicht unterwegs, habe mehr als zehn Kitas angeschrieben, mir etliche angeschaut, nur um letztendlich zu hören: „Wir nehmen Sie auf die Warteliste. Ob Sie einen Ganztagsplatz bekommen können, wissen wir nicht.“

Den Kita-Platz für mein Kind erhielt ich sechs Wochen vor Betreuungsbeginn. Damals hatte ich aus der Not heraus schon eine Tagesmutter gesucht, damit mein Kind nicht auf der Straße steht, wenn ich an Tag X wieder arbeiten gehe. Da ich lieber einen Kitaplatz wollte, freute ich mich über die Zusage und kündigte den Vertrag mit der Tagesmutter. Ein blödes Gefühl.

Was das Online-Elternportal tatsächlich taugt, werden wir wissen, wenn es im kommenden Jahr gestartet ist. Aber allein die Aussicht, dass Eltern nicht mehr auf unzähligen Wartelisten stehen und bei keiner richtig wissen, ob sie noch „gesehen“ werden, finde ich gut. Und Kita-Leitungen können hoffentlich besser planen, wer tatsächlich noch zu welchem Tag einen Betreuungsplatz benötigt. Dass nicht jeder seine Wunschkita bekommen kann, ist klar. Aber vielleicht gibt es mehr Planungssicherheit auf allen Seiten. Und das zumindest wäre ein großer Gewinn für alle Eltern.

E-Mail: katrin.steinert@rhein-zeitung.net

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