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    Litauer und Koblenzer schleusen Inder in die EU

    Koblenz -  Das Koblenzer Indien-Restaurant Bombay war jahrelang Treffpunkt von Schleusern - jetzt hat das Landgericht Koblenz einen von ihnen zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

    Der Litauer (47) ließ in seinem Heimatland Reisepässe fälschen, außerdem Personalausweise, Führerscheine, Heirats- und Scheidungsurkunden. Er schickte die Unterlagen dem Chef des Koblenzer Restaurants, der damit Inder und Pakistaner nach Deutschland schleuste. Diese wiesen sich bei Identitätskontrollen als Litauer aus - obwohl sie kein Litauisch sprachen und auch nicht so aussahen, als sei ihre Heimat das Baltikum.

    Das Landgericht verurteilte den Litauer wegen 14-fachen Verschaffens falscher amtlicher Ausweise. Es ist bereits der zweite Prozess in diesem Fall internationaler Schleuserkriminalität: Das Landgericht hat bereits den Restaurantchef, der ebenfalls Inder ist, zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Die Polizei durchsuchte 2011 sein Restaurant und stellte dabei gefälschte Ausweise sicher.

    Der Litauer - grau melierter Scheitel, schwarzes Lederjackett - verfolgte den Prozess meist mit gesenktem Kopf. Eine Dolmetscherin übersetzte ihm die Verhandlung. Er legte ein Geständnis ab. In seinem letzten Wort sagte der Familienvater: "Es kam, wie es kam. Ich bereue das alles sehr, weil ich jetzt sitzen muss. Und viel Geld habe ich dabei auch nicht verdient." Er bat das Gericht um ein mildes Urteil: "Ich habe eine kleine Tochter, für die ich immer da war. Bitte berücksichtigen Sie das."

    Laut dem Urteil schleusten der Litauer und der Koblenzer die Inder und Pakistaner in den Jahren 2008 bis 2012 in die Europäische Union. Sie beschafften ihnen die Identität von EU-Bürgern, damit sie nach Deutschland einreisen konnten. Der Litauer war Verbindungsmann zwischen dem Koblenzer und dem litauischen Fälscher. Er besorgte die falschen Dokumente und schickte sie per Bote an den Mittelrhein. Manchmal traf er sich auch mit dem Koblenzer.

    Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Schleuser bis zu 12 000 Euro von ihren "Kunden" kassierten. Doch der Litauer will nur ein paar Hundert Euro erhalten haben. Das meiste Geld bekamen angeblich der Koblenzer und der Fälscher. Ob das korrekt ist, bleibt unklar - auch weil der Fälscher bis heute nicht bekannt ist.

    Das Restaurant Bombay ist inzwischen geschlossen. Die Inder und Pakistaner, die sich mit den gefälschten Pässen illegal in Deutschland aufhielten, wurden laut Staatsanwaltschaft abgeschoben. Der Litauer, der bereits in den 90er-Jahren wegen versuchten Autodiebstahls sieben Monate im Gefängnis war, sitzt seit April in Untersuchungshaft. Im Juni wurde er nach Deutschland ausgeliefert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

    Hartmut Wagner

    Koblenz
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