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Koblenz

„Liga“ will RKK-Präsidenten stürzen

Am Aschermittwoch ist eben nicht alles vorbei: Karneval ist längst zu einem Ganzjahresgeschäft geworden – und auch die Querelen beschränken sich nicht mehr auf die fünfte Jahreszeit. Jetzt zeichnet sich im Dachverband RKK – Rheinische Karnevals-Korporationen – ein neuer Machtkampf ab.

Koblenz – Am Aschermittwoch ist eben nicht alles vorbei: Karneval ist längst zu einem Ganzjahresgeschäft geworden – und auch die Querelen beschränken sich nicht mehr auf die fünfte Jahreszeit. Jetzt zeichnet sich im Dachverband RKK – Rheinische Karnevals-Korporationen – ein neuer Machtkampf ab.

Bei den Rheinischen Karnevals-Korporationen (RKK) wird es am Dienstag eine unangenehme Sitzung geben. Das Präsidium des zweitgrößten Dachverbandes für Karnevalisten in Deutschland muss sich in Bendorf mit der „RKK-Liga“ auseinandersetzen. Der Name steht für die rege Opposition, die den amtierenden Vorstand, vor allem aber den Präsidenten Peter Müller, stürzen will. Die Vorwürfe: zu hohe Verwaltungskosten und Handeln ohne vorherige Absprache.

Nach Vorstellung des Präsidenten sollen heute nur die vakanten Posten der beiden ehrenamtlichen Geschäftsführer und von zwei Bezirksvorsitzenden kommissarisch besetzt werden – auf der Jahreshauptversammlung Mitte Oktober wird ohnehin komplett neu gewählt. Die „Liga“ fordert dagegen, die Wahlen schnellstmöglich im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zu vollziehen. „Der jetzige Vorstand ist nicht mehr handlungsfähig“, begründet Wolf-Dieter Tigges, der als Gegenkandidat für die RKK-Spitze gehandelt wird, den Vorstoß.

Laut Satzung besteht der Vorstand der RKK aus 14 Personen. Dazu kommen 24 Bezirksvorsitzende. Gemeinsam trifft man sich zu den Präsidiumssitzungen. „Es gibt derzeit keinen Grund, Teile der Jahreshauptversammlung um wenige Wochen vorzuverlegen. Der Verband ist gut aufgestellt, wir haben in den vergangenen vier Jahren kontinuierlich Mitgliederzuwächse zu verzeichnen. Die Vereine nehmen unsere Angebote gut an“, betont Präsident Müller auf Anfrage unserer Zeitung.

Wolf-Dieter Tigges bezweifelt Müllers Darstellung. Der Bezirksvorsitzende für den Kreis Mayen-Koblenz II berichtet über Erosionsprozesse in der Eifel – und auch in Koblenz. Beklagt wird unter anderem, dass sich die Öffentlichkeitsarbeit der RKK zunehmend nach Norden orientiert. Im Mittelpunkt steht dabei das RKK-Verbandsorgan „Die Bütt“, das seit drei Ausgaben von einem neuen Team begleitet wird. Nach Darstellung der „Liga“ wird nicht nur der Raum Köln bevorzugt, sondern die ganze wirtschaftliche Grundlage des Blattes wegen der unregelmäßigen Erscheinungstermine infrage gestellt.

Dem „Schattenkabinett“ der Liga gehört deswegen gleich ein neuer Chefredakteur an. Als Berater wird Peter Schmorleiz genannt, der 2007 nach mehr als zwei Jahrzehnten an der RKK-Spitze als Ehrenpräsident „weggelobt“ wurde. Das zeigt: Die durch die vergangenen Querelen gerissenen Wunden sind noch nicht verheilt. Ein Angriffspunkt gegen den amtierenden Vorstand ist daher die Tatsache, dass die ehrenamtlichen Geschäftsführer Fredy Löhr und Uschi Kleikamp – offiziell aus privaten Gründen – zurückgetreten sind.

Für RKK-Pressesprecher Franz-Josef Wüst sind die Vorwürfe haltlos, zumal die von Kettig nach Koblenz verlegte Geschäftsstelle von zwei Halbtagskräften professionell geführt werde. Anders als von der „Liga“ dargestellt, sei es sogar gelungen, die Verwaltungskosten der RKK zu senken. Gleiches gelte für die Produktionskosten des Verbandsblattes, das sich seit mittlerweile drei Ausgaben selbst trägt. „Ich arbeite ehrenamtlich – wie alle anderen auch“, betont Franz-Josef Wüst, der darauf hinweist, dass er kein Auto hat und deshalb keine Kosten geltend macht. Bei Peter Müller sieht das anders aus: Die Liga kritisiert, dass der Präsident jährliche Fahrtkosten von fast 11.000 Euro abrechnet. Dass alles mit rechten Dingen zugeht, bestreitet angesichts des großen RKK-Einzugsgebietes auch die „Liga“ nicht. Sie erwartet aber, dass ehrenamtlich Tätige nur in Sonderfällen Fahrtkosten geltend machen.

Ein größeres Ärgernis ist für die „Liga“ dagegen das Vorpreschen des Präsidenten bei Änderung von Satzung und Tanzturnierordnung. Der amtierende Vorstand räumt Formfehler ein, sieht aber keinen Grund, den Präsidenten abzulösen. Der habe auf Anfrage und im Interesse der Mitglieder gehandelt, betont denn auch Medienmann Wüst.

Reinhard Kallenbach

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