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Koblenz

In Koblenzer Rheinanlagen um sich getreten: Haftstrafe

Mit Springerstiefeln bekleidet, betritt der Angeklagte den Gerichtssaal – mit eben den Stiefeln, mit denen der 24-Jährige im Mai 2013 einem anderen Mann in den Koblenzer Rheinanlagen gegen die Hand getreten haben soll.

Foto: dpa

Von unserer Mitarbeiterin Kerstin Perkert

In roten Großbuchstaben prangt "Patria" tätowiert auf seinem Unterarm: "Vaterland". Sein Opfer sei ein linker Aktivist gewesen, er selbst, der früher der NPD angehörte, bezeichnete sich als dem "nationalen Lager" zugehörig. War der Angriff politisch motiviert? Der Angeklagte bestreitet das.

Die Staatsanwaltschaft klagte den jungen Mann gleich dreifach an. Neben dem Vorfall in den Rheinanlagen soll er bereits zuvor einmal handgreiflich gegenüber einem Nebenbuhler seiner damaligen Freundin geworden sein und soll auch bereits vor zwei Jahren einen anderen Mann am Güterbahnhof in Lützel mit einem Schlagstock attackiert haben. Außerdem ist er angeklagt, eine Schreckschusswaffe unerlaubt geführt zu haben und Munition an Unbefugte weitergegeben zu haben. Außerdem erschreckend: Einer anderen, damals 16-jährigen Ex-Freundin tätowierte der Angeklagte in seiner Wohnung den Reichsadler auf den Rücken und ein Hakenkreuz in den Nacken. Der Angeklagte legte ein umfassendes Geständnis ab. Schließlich wurde er zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Zu der Tat in den Rheinanlagen wurden einige Zeugen gehört. Demnach sei der Angeklagte, der wie alle anderen Beteiligten an dem Tag schon viel Alkohol konsumiert hatte, plötzlich seinem späteren Opfer nachgerannt und habe dieses getreten. Das Opfer erlitt Verletzungen an der Hand.

Laut Aussage des Angeklagten sei es dazu gekommen, da der "linke Aktivist" im Vorfeld die besagte 16-jährige Ex-Freundin beleidigt haben soll. Außerdem soll in dieser Situation auch der Rucksack des Opfers abhandengekommen sein. Der Angeklagte, der arbeitslos ist und Hartz IV bezieht, räumte ein, dass er später Zugang zu dem Rucksack hatte und etwas Bargeld daraus entwendete.

Insgesamt ist bei allen angeklagten Taten laut Richter Dennis Graf ein gewisses Muster zu erkennen, das auch der Angeklagte bestätigte: "Da denke ich nicht logisch nach, da handle ich."

In allen Situationen kann demnach von Kurzschlusshandlungen gesprochen werden, die insbesondere auftraten, wenn weibliche Freunde sich vermeintlich in Gefahr befanden. Der Angeklagte hinterfragte diese Situationen nicht, sondern ließ prompt seine Fäuste sprechen.

Rechtsanwalt Dirk Waldschmidt bezeichnete diese Gründe in seinem Plädoyer als "nicht verwerflich und verständlich" und betonte zudem den Willen seines Mandanten, endlich etwas mit seinem Leben anfangen zu wollen. So besteht die Chance, dass der 24-Jährige seinen Realschulabschluss während der Haft nachholen kann. "Sehen Sie zu, kriegen Sie die Kurve", sagte Richter Dennis Graf in der Urteilsbegründung. Das Urteil ist Ergebnis einer Verständigung aller Beteiligten, wobei es noch nicht rechtskräftig ist.

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