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Deponie Eiterköpfe: Erweiterung ist vielen Bürgern ein Dorn im Auge

Damian Morcinek

Die geplante Erweiterung der Zentraldeponie Eiterköpfe bei Ochtendung sorgt in der Region weiterhin für Diskussionen. Die Menschen der umliegenden Gemeinden befürchten mehr Lkw-Verkehr, mehr Hausmüll und die damit verbundene Geruchsbelästigung sowie mehr belastete mineralische Abfälle wie frei gemessenen Müll aus dem ehemaligen Kernkraftwerk (KKW) Mülheim-Kärlich. Kritik hagelt es vor allem aus Ochtendung, Plaidt und Saffig. Doch wie steht Bassenheim zur Erweiterung? Immerhin liegt die Gemeinde gerade einmal vier Kilometer Luftlinie von der Deponie entfernt, ihre Gemarkungsgrenze sogar noch 1,5 Kilometer weniger. Und wie reagiert der Abfallzweckverband (AZV) Rhein-Mosel-Eifel auf die Kritik und die Sorgen der Menschen? Die RZ hat sich umgehört.

Mit der geplanten Erweiterung der Zentraldeponie Eiterköpfe bei Ochtendung können sich viele Bürger nicht anfreunden.  Foto: Katrin Steinert
Mit der geplanten Erweiterung der Zentraldeponie Eiterköpfe bei Ochtendung können sich viele Bürger nicht anfreunden.
Foto: Katrin Steinert

Rund 150 Lkw fahren die Zen-traldeponie Eiterköpfe im Schnitt täglich an. Nach Angaben des AZV – der sich wie zuletzt in Saffig den Fragen besorgter Bürger auch in Einwohnerversammlungen stellt – gelangen auf diesem Weg rund 395.000 Tonnen Müll pro Jahr auf die Anlage – ein Drittel davon verlässt die Deponie aber wieder. An diesem Verkehrsaufkommen soll sich nichts ändern, auch wenn die Anlage erweitert wird. Das bekräftigte Frank Diederichs, Geschäftsführer des Abfallzweckverbands Rhein-Mosel-Eifel, auch in der Einwohnerfragestunde. Jedoch räumte er ein, dass in ein paar Jahren, wenn die bisherigen Gruben verfüllt sind, eine Zeit lang mehr Lkw verkehren werden, um zusätzliches Material für eine notwendige Oberflächenabdichtung anzuliefern. Grundsätzlich, so hat laut AZV eine Umfrage aus diesem Jahr ergeben, wird der Großteil des Mülls – etwa 120.000 Tonnen – über die Autobahn transportiert. Nur knapp 20.000 Tonnen werden über Umgehungsstraßen angeliefert. Für die umliegenden Orte sei das keine große Belastung.

Sorgen bereitet vielen Bürgern aber auch die Lagerung mineralischer Abfälle. Zwar werden auf der Zentraldeponie auch Bio-, Rest- und Sperrmüll und sogar Papier angeliefert, doch werden sie dort nur umgeschlagen. Eingelagert werden nur mineralische Abfälle. Dieser Schritt sei notwendig gewesen, nachdem die Deponie ab 2005 keine Hausabfälle mehr aufnehmen durfte. Nur so hätte der AZV wirtschaftlich bleiben können. Zu diesen Abfällen gehören neben altem Bahngleisschotter oder Straßenresten eben auch für die Entsorgung frei gemessenes und dokumentiertes Material aus dem KKW. Eingelagert wird es laut Frank Diederichs mit anderen mineralischen Abfällen im sogenannten Monobereich, der für höher belastete Abfälle vorgesehen ist. Eines ist aber sicher, so betonte der AZV-Geschäftsführer gegenüber der RZ: „Radioaktiv belasteter Müll darf auf der Zentraldeponie Eiterköpfe nicht abgelagert werden!“

Aber warum überhaupt muss auch der Müll aus Koblenz und dem Kreis Cochem-Zell zur Deponie transportiert werden? Warum haben diese Kommunen keine eigene, fragen sich manche Bürger. „Die anderen Regionen haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht, konnten sie aber auch nicht machen.“ Für so eine Deponie wäre eine Grube nötig, in der in den meisten Fällen früher Bodenschätze abgebaut wurden. Diese hätten nun mal nicht alle Kreise“, erläuterte Diederichs. Zudem verwies er nochmals darauf, dass die Deponie Eiterköpfe nicht auf Hausmüll ausgelegt ist. Deshalb werden die Abfälle momentan in die Landkreise Neuwied und Rhein-Lahn gebracht. So sei es ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Nur die Hälfte des Hausmülls kommt behandelt aus den anderen Kreisen wieder zurück.

Die Verbandsgemeinde (VG) Weißenthurm, so heißt es auf RZ-Anfrage aus der Verwaltung, steht dem geplanten Ausbau der Deponie Eiterköpfe offen gegenüber. „Wir erwarten keine Beeinträchtigungen für unsere Städte und Ortsgemeinden. Ob dies der Fall sein wird, werden wir erst beurteilen können, wenn die angekündigten Planfeststellungsverfahren auf den Weg gebracht werden und wir die genauen Planungen kennen“, teilt VG-Sprecher Thomas Höfer mit. Dann erst wolle man Stellung nehmen. Auch Bassenheims Ortsbürgermeister Arno Schmitz macht sich persönlich keine Sorgen hinsichtlich einer Deponieerweiterung. Bislang sind bei ihm auch keine Beschwerden hinsichtlich einer Geruchsbelästigung oder dergleichen aufgeschlagen. Zudem geht er nicht davon aus, dass künftig mehr Lkw über die L 98 durch Bassenheim zur Deponie fahren werden. Dass die unmittelbar betroffenen Gemeinden, zu denen er Bassenheim eben nicht zählt, nicht froh über die geplante Erweiterung sind, kann der Ortschef durchaus nachvollziehen. Aber: „Wir brauchen nun mal eine Deponie“, sagt Arno Schmitz.

Das von der AZV angestrebte Genehmigungsverfahren soll jetzt viele Fragen klären. Damit reagiert das Unternehmen auch auf das in diesem Jahr verfeinerte Umweltverträglichkeitsgesetz.

Von Damian Morcinek und Patrick van Schewick
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