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Hunsrück

Wann kommt die Hunsrückbahn? (August 2011)

Die Hunsrückquerbahn ist noch nicht auf die Schiene gesetzt, hat aber bereits Verspätung. Zumindest was die ursprünglichen Pläne der Deutschen Bahn und des zuständigen Mainzer Ministeriums angeht.

Im vergangenen März noch hieß es vonseiten des damaligen Verkehrsministeriums, dass die Pläne voraussichtlich noch im ersten Halbjahr dieses Jahres offen gelegt werden. Doch das erste Halbjahr ist bereits lautlos verstrichen.

Wann das öffentliche Planfeststellungsverfahren beginnt, vermögen die zuständigen Stellen der rot-grünen Landesregierung auch jetzt noch nicht zu sagen. Und während die ersten Städte und Gemeinden aus der Region schon Pläne für die neuen Bahnhöfe schmieden und sich die Windesheimer „Interessengemeinschaft (IG) Hunsrückbahn – so nicht“ darauf einstellt, ihre Argumente und Bedenken vorzutragen, lassen das zuständige Landesministerium und die Deutsche Bahn die betroffenen Bürger weiter warten. Aus dem zuständigen Infrastrukturministerium heißt es lediglich: „Wir haben unsere Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren der Hunsrückbahn beim Eisenbahnbundesamt eingereicht. Eine Stellungnahme von dort steht noch aus. Daher gibt es auch noch keinen Termin für die entsprechende Offenlegung. Die Dauer lässt sich ebenfalls nicht abschätzen, das weitere Verfahren bleibt abzuwarten.“

Auf vonseiten der Deutschen Bahn AG ist nicht mehr zu erfahren. Wann die Bürger die Pläne einsehen dürfen, bleibt weiter unklar: „Aktueller Stand ist, dass wir im Moment die Unterlagen erstellen“, sagt Bahnsprecher Hans-Georg Zimmermann. Beim Eisenbahnbundesamt hat der Konzern nach eigenen Angaben bereits die Pläne für den Abschnitt II (VG Kirchberg im Rhein-Hunsrück-Kreis) eingereicht. „Die anderen werden in den kommenden Wochen folgen“, sagt Zimmermann. Erst wenn das Eisenbahnbundesamt die Unterlagen vollständig geprüft und für gut befunden hat, reicht das Amt sie weiter an den Landesbetrieb Mobilität (LBM). Und diese wiederum entscheidet, wann sie offengelegt werden.

Die vor drei Jahren in Windesheim gegründete „IG Hunsrückbahn – so nicht“ hingegen kritisiert, dass die Bevölkerung weiter in der Luft hängen gelassen wird. „Die Informationspolitik von Bahn und Landesministerien ist mangelhaft“, sagt der IG-Vorsitzende Rolf Nonnenmacher. Auch die einzelnen Ortsgemeinden mit ihren Bürgermeistern und Gemeinderäten seien nicht informiert. Nonnenmacher: „Derzeit kennt niemand den aktuellen Stand der Planungen.“ Die IG ist trotzdem dabei, sich auf das Planfeststellungsverfahren einzustimmen. „Wir bereiten derzeit Standardtexte für Einsprüche vor“, so Nonnenmacher. Er betont: „Nur wer im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens rechtzeitig einen Einspruch einreicht, kann diesen gegebenenfalls später auch gerichtlich einklagen.“

Warum aber betreibt die IG aus Windesheim so einen Aufwand. Und mit ihr noch eine weitere Interessengemeinschaft aus Guldental? Vor allem geht den Aktivisten um den Lärmschutz für die Ortsgemeinden entlang der Strecke. Die „IG Hunsrückbahn – so nicht“ befürchtet, dass der Lärmschutz unzureichend sein wird, die Bahnübergänge nicht ausreichend gesichert sind, der innerörtliche Verkehr an Schranken ins Stocken gerät und Grundstücke und Immobilien an Wert verlieren. Die Windesheimer Interessengemeinschaft fordert deshalb unter anderem ein Nachtfahrverbot von 21 bis 7 Uhr, Lärmschutz für alle Gemeinden entlang der Strecke, denn nicht alle Anwohner haben darauf einen gesetzlichen Anspruch, und den Einsatz von Flüsterzügen. Zwischen Langenlonsheim vorbei an Guldental bis vor Windesheim ist geplant, die Strecke zweigleisig auszubauen. Der weitere Verlauf durch das Guldenbachtal soll unverändert bleiben. Zwischen Simmern und Guldental sowie in Langenlonsheim ist derzeit ein Lärmschutz vorgesehen.

Die Hunsrückbahn soll ab 2014 die Bahnhöfe Langenlonsheim, Stromberg, Rheinböllen, Simmern, Kirchberg und den Flughafen Hahn verbinden. Im Personenverkehr ist nach Angaben des Mainzer Infrastrukturministeriums ein Stundentakt in etwa zwischen 5 und 1 Uhr vorgesehen, mit Anschluss ab Langenlonsheim an die bestehende Strecke Bingen, Mainz, Frankfurt Flughafen und Frankfurt Hauptbahnhof. Einzelne Züge beginnen und enden in Bingen Hauptbahnhof mit Anschluss an Mainz/Frankfurt. Auf Basis der prognostizierten Flugzeiten am Hahn werden rund 40 Züge pro Tag die Strecke befahren, für bis zu 100 Züge ist sie maximal ausgelegt. Der Güterverkehr wird allerdings nicht wie der Schienenpersonennahverkehr von der öffentlichen Hand bestellt. Zurzeit gibt es nach Angaben des Ministeriums keine konkreten Planungen für Güterverkehr auf der Strecke – obwohl die Infrastruktur dafür geeignet wäre. Die reinen Investitions- ohne Planungskosten und sonstige Gebühren betragen 104 Millionen Euro, von denen das Land rund 1,6 Millionen Euro trägt. Die wesentlichen Finanzmittel für das Projekt erhält die Deutsche Bahn vom Bund aus der für 2009 bis 2013 abgeschlossenen Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung. Hinzu kommen rund 17,5 Millionen Euro Fremdmittel aus Eisenbahnkreuzungsmaßnahmen. Auf die Kommunen, in denen die Züge halten, kommen weitere Kosten zu, wenn sie das Bahnhofsumfelds verbessern wollen, beispielsweise mit zusätzlichen Pendlerparkplätzen. bed

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