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Gondershausen

Sensationsfund: 20.000 Jahre alte Felszeichnungen in Gondershausen entdeckt

Einen außergewöhnlichen archäologischen Fund aus der Altsteinzeit hat die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) in Gondershausen vorgestellt. Die Tiergravuren, die unter anderem drei Pferde zeigen, sind die ersten Funde, die jemals in Nordeuropa gemacht wurden.

Ein Fund, der die Fachwelt und auch die Geschichtsschreibung der Hunsrück-Region nachhaltig beeinflussen und verändern dürfte: Archäologe Wolfgang Welker erläutert in Gondershausen die Felsgravuren, die unter anderem drei Pferde gut erkennen lassen.
Ein Fund, der die Fachwelt und auch die Geschichtsschreibung der Hunsrück-Region nachhaltig beeinflussen und verändern dürfte: Archäologe Wolfgang Welker erläutert in Gondershausen die Felsgravuren, die unter anderem drei Pferde gut erkennen lassen.
Foto: Werner Dupuis

Von unserem Chefreporter Volker Boch

"Diese Entdeckung ist – ohne Übertreibung – eine Sensation", erklärte Kulturministerin Doris Ahnen bei der Präsentation des Fundes. "Als ich von den Felsgravuren vor einigen Wochen erstmals erfahren habe, war ich sehr überrascht." Bislang ist paläolithische Felskunst dieser Art in Europa nur in Portugal, Spanien und in Frankreich bekannt. In Deutschland wurde sie nicht vermutet.

Ganz ähnlich wie Ministerin Ahnen erging es den Experten der Landesarchäologie um Dr. Dr. Axel von Berg, als sie vor zwei Jahren erstmals davon erfuhren, dass es im Hunsrück einen vermeintlichen Schatz aus längst vergangenen Zeiten geben soll, den niemand in Nordeuropa für möglich gehalten hätte. "Diese Gravuren zählen zu den wichtigsten archäologischen Entdeckungen der letzten Jahre in Rheinland-Pfalz", sagte von Berg beim Vor-Ort-Termin, "zuerst dachte ich, das darf einfach nicht wahr sein."

Zwei Jahre lang haben sich Experten wie der Norather Archäologie Wolfgang Welker vom regionalen Archäologieverein Arrata und andere Fachleute intensiv mit der etwa 1,2 Quadratmeter großen Schieferplatte auseinandergesetzt, um herauszufinden, ob die bis zu zwei Zentimeter tiefen Gravuren wirklich Steinpickelbearbeitungen aus einer Zeit sein könnten, aus der kaum Zeugnisse erhalten sind. "Es besteht für uns kein Zweifel, dass die Gravuren 20.000 bis 25.000 Jahre alt sind", sagte Berg.

Gravuren sind auch für Laien gut erkennbar

Aufgrund der Stilistik, die sich beispielsweise mit Funden in Frankreich vergleichen lässt, aber auch aufgrund der Verwitterungssituation sind für die Landesarchäologie alle möglichen Zweifel ausgeräumt. Aufgrund einer überaus günstigen Lage der Schieferformation blieb die Gravur über die Jahrtausende relativ gut vor Witterungseinflüssen geschützt, sodass beim Einsatz eines etwas seitlichen Lichtstrahls die drei Pferde auf der Platte heute auch für Laien sehr gut erkennbar sind.

"Dies sind typische Darstellungsformen der Altsteinzeit", erklärte Welker hinsichtlich der rechteckig gravierten Köpfe der Pferde und der V-förmig dargestellten Ohren. Möglich ist aus seiner Sicht, dass der Künstler eine Art Schablone verwandte, da sich die – bis zu 50 Zentimeter großen – Pferde in ihrer Form ähneln.

Gemeinsam mit dem Entdecker der einzigartigen Gravur, Jürgen Weinheimer aus Gondershausen, sowie Archäologen und Bürgern wurde das Kunstwerk nun erstmals öffentlich in Augenschein genommen. "Für uns in Gondershausen ist das eine absolute Sensation, die wir gar nicht fassen können", sagte Ortsbürgermeister Markus Landsrath.

Felszeichnung bei einer Wanderung entdeckt

Bereits vor 22 Jahren war Weinheimer die Felsformation bei einer Wanderung aufgefallen, auf der er die Gravuren entdeckte. "Es war ein Sommertag wie heute", erinnert sich der 53-Jährige, der seine Kenntnis von der jahrtausendealte Arbeit lange für sich behielt. Weinheimer erkannte die drei Pferde und informierte nach einigen Jahren Fachleute wie Welker über seinen Fund.

Möglicherweise war die Gravur einst sogar noch deutlich größer. Aber laut von Berg war der Fundort einst wohl ein römischer Steinbruch, an dem die Platte letztlich vom Abbruch verschont blieb. Entsprechend groß ist das Anliegen aller Beteiligten, das einzigartige Kunstwerk und Zeitdokument zu schützen und zu bewahren.

Das Land Rheinland-Pfalz will in der kommenden Zeit gemeinsam mit der GDKE ein Konzept entwickeln, wie die Felsgravur gleichermaßen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht als auch erhalten werden kann. Laut von Berg ist denkbar – ähnlich der Igeler Säule – einen Abdruck der Gravur zu erstellen, der beispielsweise in Gondershausen stehen könnte.

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