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Rhein-Hunsrück

Schnee und Eis: Zahlreiche Autofahrer wurden kalt erwischt

Silke Bauer, Suzanne Breitbach

Es war für zahlreiche Autofahrer der bisher unangenehmste Tag im Winter 2017/18. Als gegen 6 Uhr in der Frühe der Schneefall einsetzte, waren die gefrorenen Straßen im Nu spiegelglatt. Es bestand erhebliche Rutschgefahr. Doch die Autofahrer waren äußerst vorsichtig unterwegs.

Im Gebiet der Polizei Simmern gab es gerade mal einen schneebedingten Unfall: Ein Fahrer war auf der K 41 zwischen Budenbach und Riegenroth gegen eine Leitplanke gefahren. Dabei kam zum Glück niemand zu Schaden. Die Polizei teilt außerdem mit, dass mehrere Autos auf schneeglatten Straßen liegen blieben und diverse Lkw stehen bleiben mussten, weil sie an Steigungen scheiterten.

Auch die Bopparder Polizei registrierte keine größeren Unfälle. Kleinere Unfälle gab es laut Polizei auf der B 9 und an mehreren Straßen auf den Hunsrück hinauf. Zwischen Weiler und Rheinbay kam ein Autofahrer ins Rutschen und fuhr gegen ein Verkehrsschild. Verletzt wurde niemand. Auf der Simmerner Straße stand ein Lkw quer. Die L 210 als wichtigste Verbindung vom Vorderhunsrück an den Mittelrhein war deshalb kurzfristig blockiert. Auch auf der L 220 zwischen Oberwesel und Wiebelsheim stand ein Lkw quer.

Pkw blieben zwischen Rheinbay und Karbach stecken

Die Steigung zwischen Rheinbay und Karbach war für so manchen Autofahrer in der Frühe ein unüberwindbares Hindernis. Gegen 8 Uhr blieben etwa acht Fahrzeuge am Anstieg stecken.

Viele Pendler, die zur Arbeit in den Raum Koblenz über die Hunsrückhöhenstraße fahren, mussten viel Geduld aufbringen oder kehrtmachen. Musste doch die B 327 stundenlang gesperrt werden, weil ein Lastwagenfahrer gegen 10.25 Uhr, aus Richtung Remstecken kommend, kurz vor der Ausfahrt Koblenz auf der schneeglatten Fahrbahn die Gewalt über sein Fahrzeug verlor. Er prallte in die Mittelleitplanke, der Anhänger knickte ab und klemmte das Führerhaus ein. Der Fahrer blieb unverletzt. Mit einem Schwerlastkran wurde der Lkw geborgen, die Straße wurde beidseitig gesperrt. Die Arbeiten zogen sich bis in den Nachmittag.

Auch auf der schneebedeckten Autobahn hatten die Autofahrer ihre liebe Not mit dem unsanft hereinbrechenden Winterwetter. Doch war die Autobahnmeisterei Emmelshausen schnell zur Stelle. So registrierte die Autobahnpolizei weder Unfälle noch Staus. Allein in der Auffahrt zur Autobahn Richtung Süden in Pfalzfeld stellte sich ein Lkw quer.

Auch im innerörtlichen Verkehr kam es zu Störungen. In Boppard-Buchenau blieb kurz vor 7.30 Uhr ein Bus, voll beladen mit Schulkindern, beim Wenden an der Einmündung Buchenauer Straße/Hasenacker stecken. Nach einer halben Stunde vergeblicher Mühe des Busfahrers, die Fahrt aufzunehmen, war für die Schüler der Tag gelaufen. Sie durften nach Hause gehen. So gab es an der Bopparder Michael-Thonet-Grundschule und der Fritz-Straßmann-Realschule plus erhebliche Lücken. Dagegen hatte die Grundschule Bad Salzig keine lange Fehlliste. Schulfrei hatte eine Handvoll Schüler von der Fleckertshöhe. Aus Sicherheitsgründen fuhr der Bus das „Dach von Boppard“ erst gar nicht an. An der Buchholzer Grundschule gab es Probleme beim Schülertransport aus Nörtershausen und Udenhausen. „Der Bus aus Nörtershausen ist im Graben gelandet, Oppenhausen wurde nicht gefahren, einige Hunsrücker Schüler blieben dem Unterricht fern“, verlautete aus dem Sekretariat des Bopparder Kant-Gymnasiums.

Der Schulleiter der Elfenley-Grundschule Oberwesel Tobias Rouette meldete einige Ausfälle. Die steilen Abfahrten ins Rheintal konnten nicht alle Busunternehmen gewährleisten. „Bis zu 75 Prozent der Klassen fehlten“, sagte der neue Schulleiter. Anders die Situation im Vorderhunsrück: Die Busse kamen zwar mit etwas Verspätung, aber keine Verbindung fiel zur Grundschule Emmelshausen aus. „Alle sind gefahren, und die Schulkinder sind sicher angekommen“, hieß es von der Grundschule Halsenbach, die von etlichen Bussen angefahren wird.

Schulbusse konnten manche Orte nicht anfahren

Peter Bach von Omnibus Becker aus Ehr bestätigte Probleme beim Schülertransport. „Bei uns sind alle Busse pünktlich weggefahren. Lamscheid und Mühlpfad konnten wegen der heftigen Schneefälle nicht angefahren werden. Sicherheit geht auf jeden Fall vor. Wir haben unsere Fahrer angewiesen, im Notfall stehen zu bleiben und auf das nächste Streufahrzeug zu warten“, sagt Bach. Der Bus auf der Strecke Thörlingen-Bickenbach musste wegen eines quer stehenden Lkw zwischen Bickenbach und Niedert rückwärts zurück nach Bickenbach fahren, drehen und über Thörlingen seine Fahrt fortsetzen. Ohne Probleme konnte dagegen die Hunsrückbahn zwischen Boppard und Emmelshausen den Schülertransport gewährleisten.

In aller Herrgottsfrühe hieß es für die Mitarbeiter der Masterstraßenmeistereien Simmern, Kastellaun und Kirchberg: rein in die Arbeitskleidung und raus ins Kalte. Bereits zwischen 2 und 3 Uhr in der Nacht zum Donnerstag waren insgesamt 22 Räum- und Streufahrzeuge auf den Straßen des Kreises unterwegs, erzählt Heiko Martin, Leiter der Masterstraßenmeisterei Simmern. In deren Zuständigkeitsbereich fällt ein Streckennetz von 1100 Kilometern.

Acht Fahrzeuge starteten von Simmern aus zu ihren Einsatzorten auf Kreis-, Klassen- und Bundesstraßen. Um die Gemeindestraßen kümmert sich der Maschinenring. Betriebsleiter Horst Ulrich und seine Leute fingen gegen 3.30 Uhr mit der Arbeit an und machten sich mit Lkw, Schleppern und Kleintraktoren in Simmern und den umliegenden Ortschaften an die Arbeit – insgesamt verstreuten sie rund 20 Tonnen Salz.

Die Straßenmeisterei Kastellaun war ab 2 Uhr zunächst mit fünf Fahrzeugen im Einsatz, um das 320 Kilometer lange Straßennetz prophylaktisch zu streuen. „Gegen 5.30 Uhr hat dann der Schnee eingesetzt“, berichtet Kolonnenführer Ewald Brück. „Ab da haben wir unseren Einsatz auf insgesamt neun Fahrzeuge vergrößert und sind den ganzen Morgen über mehrere Runden gefahren.“ Gegen Donnerstagmittag lautet das Echo seiner Fahrer: „Alles im Griff.“ Wenn nun Eisregen einsetze, bestehe keine Gefahr mehr, sagt Brück, da die Straßen mit mehreren Schichten Salz versehen worden seien. Seit Donnerstagnacht haben seine Mitarbeiter rund 80 Tonnen Salz gestreut. Da könne erst mal nichts passieren. Der Experte weiß: „Es ist immer gut, wenn zuerst Schnee fällt und danach Regen. So ist mehr Grip da.“ Wenn Eisregen hingegen auf eine schneelose Fahrbahn falle, entstehe Spiegeleis, was sehr gefährlich werden könne.

Brück und seine Leute handeln nach dem Motto „Doppelt hält besser“: Nach dem Schichtwechsel am Donnerstagvormittag geht es wieder zu Kontrollfahrten raus auf die Straßen. Besonderes Augenmerk legen sie auf Streckenabschnitte, die schon bei Sommerregen gefährlich sind, beispielsweise die kurvige Simmerner Straße hinunter nach Boppard, diverse Brücken, die Autobahnzubringer oder die Straßen im Mittelrheintal, die aufgrund der niedrigen Lage länger kalt bleiben.

Auch wenn es so manchem Autofahrer nicht so erscheinen mag: „Es gab schon schlimmere Winter“, sagt Brück und fügt hinzu: „Es macht schon viel aus, wenn die Leute vernünftig fahren.“

Auch die Mitarbeiter der Kirchberger Straßenmeisterei waren ab 2 Uhr auf dem 320 Kilometer langen Straßennetz im Einsatz – mit neun Fahrzeugen. In ihr Gebiet fällt die B 50, die von besonders vielen Pendlern benutzt wird, sowie Teile der Verbandsgemeinde Rhaunen im Kreis Birkenfeld.

Jürgen Schmidt, Diplom-Meteorologe und Geschäftsführer von Wetter Kontor in Ingelheim, bescheinigt dem Februar, immer einer der kältesten Monate des Jahres, dies im bisherigen Winterverlauf auch eindeutig zu sein. Nach den frostigen Nächten und den gestrigen Schneefällen und Glatteis wird es, so der Experte, erst einmal wieder milder und wolkiger. „Nächste Woche kann es dann wieder deutlich kälter werden, das ist sicher: Der Februar endet kalt.“ Vom Frühling jedenfalls ist laut Jürgen Schmidt auch in der kommenden Woche noch nicht viel zu spüren.

Von Silke Bauer, Suzanne Breitbach und Wolfgang Wendling

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