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    Ellern

    Schäden an Rotorblättern: Drei Hunsrücker Energiegiganten haben Zwangspause

    Schon von Weitem ist es zu erkennen. Seit mehreren Wochen drehen sich die Rotoren bei drei Windkraftanlagen auf dem Hochsteinchen nicht mehr. Technische Probleme sind der Grund für den Stopp.

    Die Rotorteile werden mit dem Kranseil verschraubt.
    Die Rotorteile werden mit dem Kranseil verschraubt.
    Foto: Werner Dupuis

    Von unserem Reporter Werner Dupuis

     An einer Windenergieanlage (WEA) des Modells Enercon E-126 löste sich Anfang Dezember ein Teil der äußeren Blattspitze. Mit einer Leistung von 7,5 Megawatt sind die E 126-Anlagen weltweit die größten Windräder im Binnenland.

    Präventiv und aus Sicherheitsgründen stoppte Enercon zwei weitere der fünf Anlagen dieses Typs im Ellerner Windpark. Zwei baugleiche Anlagen sind hier weiterhin in Betrieb, da hier keinerlei Auffälligkeiten festgestellt wurden. Als Vorsichtsmaßnahme befinden sich diese beiden WEA weiterhin in einem eng vorgegebenen Inspektionsintervall, um eine etwaige Schadensbildung sofort erkennen zu können.

    Ursache des Stopps sind Schäden an den Rotorblättern. An einer Anlage müssen daher die drei Rotorblätter demontiert und ausgetauscht werden. Zur Überarbeitung werden sie in das Enercon-Werk nach Magdeburg gebracht. Bei den beiden anderen Windrädern kann die Reparatur am Turm erfolgen.

    Eine detaillierte Inspektion und Ursachenanalyse unter Beteiligung externer Gutachter und Zertifizierungspartner hat – so ein Enercon-Sprecher – inzwischen ergeben, dass Fertigungsabweichungen wesentlich zum Schaden beigetragen hatten. Nachdem die Ursachen gefunden sind, könnten die Anlagen instand gesetzt und danach wieder in Betrieb genommen werden.

    Stillstandszeiten minimieren

    Da die vollständige Instandsetzung der Blattspitzen ein Arbeiten unter stabilen, sommerlichen Wetterbedingungen erfordert, wird zur Überbrückung der Wartezeit und zur Minimierung der Stillstandszeiten aktuell eine provisorische Lösung praktiziert. Hierzu werden die Blattspitzen, im Fachjargon Winglets genannt, an beiden Anlagen eingekürzt. Die Funktionsweise der Rotorblätter sowie der sichere Anlagenbetrieb sind laut Enercon durch diese Maßnahme nicht beeinträchtigt. Auch die Laufgeräusche der WEA würden dadurch nicht negativ beeinflusst.

    Alle Maßnahmen erfolgen in Absprache mit den zuständigen Behörden, unabhängigen Gutachtern und Zertifizierungspartnern. Nach Freigabe durch einen Sachverständigen sollen die Anlagen umgehend gestartet werden. Zunächst ist tagsüber ein kurzzeitiger kontrollierter Probebetrieb geplant.

    Reparaturen an den gigantischen Windrädern sind immer mit großem Aufwand verbunden. Unübersehbar reckt sich ein riesiger Kran auf dem Plateau des Hochsteinchens direkt neben dem Windrads in den Himmel. Die WEA des Typs Enercon 126 sind Anlagen der Superlative. Sie sind 198 Meter hoch. Die Rotorblätter haben einen Durchmesser von 127 Metern. Allein 347 Tonnen wiegt die Rotornabe, die in 135 Meter Höhe montiert ist. Wenn der Wind kräftig bläst, erzeugt solch ein Windrad 7,5 Megawatt Strom. Das genügt, um 5000 Haushalte mit Strom zu versorgen.

    Rund 15 Million Euro kostet ein Super-Windrad. Betreiber des gesamten Windparks Hochsteinchen ist das Energieunternehmen „Verbund“, Österreichs führendes Stromunternehmen und einer der größten Stromerzeuger regenerativer Energie in Europa. Die aktuell betroffenen Windräder wurden im Herbst 2012 gebaut. 16 Windkraftanlagen im Bereich der Gemeinden Ellern, Seibersbach, und Dörrebach stehen rund um das 643 Meter hoch gelegene Hochsteinchen. Mit einer Leistung von rund 70 Megawatt zählt dieser Windpark zu den größten in Südwestdeutschland. Rund 70 Millionen Euro wurden hier – ohne Infrastruktur – nach Schätzung von Experten investiert.

    Wind und Wetter verzögern Arbeit

    Seit rund zwei Wochen sind holländische Monteure von Enercon auf dem Hochsteinchen in Aktion. Mehrere Tage dauerte es auch, um den Spezialkran, der zu den größten seiner Art gehört, auf dem Soonwaldkamm zu montieren. Immer wieder müssen die Arbeiten wegen Wind und Wetter unterbrochen werden. Der Winter ist eigentlich völlig ungeeignet für solche Aktivitäten.

    Eine Besonderheit der E 126 Anlagen sind die zweigeteilten Rotorblätter. Diese Konstruktion ist notwendig, da einteilige Rotorblätter wegen ihrer Länge auf dem Landweg per Tieflader nicht zu transportieren sind. Der innere Teil des Rotorblattes besteht aus Stahlblech, ist rund 24 Meter lang und direkt mit der Nabe am Windrad verbunden. Der äußere Teil misst 35 Meter und ist wie die meisten Rotorblätter aus glasfaserverstärktem Kunststoff hergestellt. Ausgestattet sind sie mit den für Enercon typischen abgeschrägten Aluminiumblattspitzen in Winglet-Ausführung, wie man sie auch in der Luftfahrt kennt. Nach ihrer Überarbeitung im Enercon-Werk in Magdeburg kommen sie so schnell wie möglich wieder zurück in den Hunsrück.

    Windkraftanlagen machen Schlagzeilen

    In die Schlagzeilen geriet ein Mega-Windrad des Typs Enercon 126 am 30. Dezember 2013, als bei dieser Anlage auf dem Schneebergerhof im Donnersbergkreis ein Rotorblatt abbrach zu Boden stürzte. Ursache waren mehrere gerissene Bolzen an der Rotorblattbefestigung. Daraufhin vorgenommene Untersuchungen der fünf E 126-Anlagen bei Ellern ergaben keinerlei Auffälligkeiten. Im Mai 2014 wurde die Anlage auf dem Schneebergerhof nach erfolgter Reparatur wieder in Betrieb genommen. Im November 2015 verursachten offensichtlich massive Sturmböen an einem Windrad bei Ober Kostenz massive Schäden. Ein Flügel der 1,5 Megawatt-Anlage ist dabei komplett zerborsten, Einzelteile waren im weiten Umkreis auf umliegenden Äckern verstreut.

    Grafik zum Windradtyp Enercon E101 (mit der Maus über die Symbol-Kreise fahren)

     

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