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    Koblenz

    Prozess wegen schweren Bandendiebstahls: Täter hatten es auf Autos im Rhein-Hunsrück-Kreis abgesehen

    Zu regelrechten Diebestouren reisten fünf junge Männer von Juni vergangenen Jahres bis Mitte Januar regelmäßig von Bonn aus ins nördliche Rheinland-Pfalz. Abgesehen hatten sie es auf Autos: Sie brachen Fahrzeuge auf, entwendeten im Innenraum zurückgelassene Handtaschen und Portemonnaies und bauten Kleinelektronikteile aus, um sie hinterher zu verkaufen.

    Im Rhein-Hunsrück-Kreis schlugen sie gleich an mehreren Orten zu: in Oberwesel, Dörth, Halsenbach, Argenthal, Boppard-Weiler und Badenhard. Ein Mitglied der Gruppe muss sich jetzt wegen schweren Bandendiebstahls in 23 Fällen vor der neunten Strafkammer des Koblenzer Landgerichts verantworten.

    Der 22-jährige Rumäne, der als Jugendlicher mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen war, legte am ersten Verhandlungstag ein umfassendes Geständnis ab und schilderte dem Gericht unter der Vorsitzenden Richterin Monika Fay-Thiemann detailliert, wie die Ausflüge des Quintetts abliefen: Telefonisch habe man sich tagsüber zu den Touren verabredet, gegen halb zwölf Uhr abends sei man dann zu zweit oder dritt losgezogen, zu Beginn mit der Bahn, später dann mit gestohlenen Autos. Dabei sei auch Alkohol im Spiel gewesen: "Ich habe getrunken, bis ich keine Angst mehr hatte", erklärte der Angeklagte.

    Auf den Touren durch die Landkreise Ahrweiler, Mayen-Koblenz und Rhein-Hunsrück legte man dann laut seiner Aussage Zwischenstopps ein und begab sich auf die Suche nach Autos, die nicht abgeschlossen waren, um daraus Wertgegenstände zu entwenden: "In etwa 10 Prozent der Fälle lassen die Leute ihr Auto offen", schätzte der Angeklagte nach seinen Erfahrungen. In Oberwesel kam der 22-Jährige in der Nacht auf den 2. Oktober vergangenen Jahres auf diese Weise an eine EC-Karte, mit der er später eine geringe Geldsumme abhob, den Besitzer einer in der Nacht auf den 24. November aus einem Auto in Dörth entwendeten EC-Karte erleichterte er gar um 1000 Euro.

    Das Geld teilten die an den Diebestouren beteiligten Männer untereinander auf, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Er habe die Schule ohne Abschluss verlassen und sich später, ohne eine Ausbildung absolviert zu haben, mit Minijobs durchgeschlagen, gab der Angeklagte an. Seinen letzten Job bei einer Fastfoodkette habe er aufgegeben, nachdem er gehört hatte, dass sich Polizisten bei einem Verwandten nach ihm erkundigt hatten.

    Für seine "Karriere" als Autoeinbrecher habe er sich keine besonderen Fähigkeiten angeeignet, sondern sich darauf verlassen, in unverschlossenen Autos fündig zu werden. Lediglich, wenn von außen Geldbörsen und Handtaschen in einem abgeschlossenen Fahrzeug sichtbar waren, habe er einen Hammer eingesetzt, um die Beifahrerscheibe zu zertrümmern und an die Wertgegenstände zu gelangen.

    Der Nachlässigkeit einiger Autobesitzer sei es auch zu verdanken, dass der Angeklagte und seine Komplizen in einigen Fällen Pkw entwenden konnten, um diese als Transportmittel für weitere Diebestouren zu nutzen: Immer wieder habe man in unverschlossenen Fahrzeugen auch den Zündschlüssel vorgefunden. Auf diese Weise sei man etwa in der Nacht auf den 7. Oktober vergangenen Jahres in Argenthal an einen Audi gelangt, der einige Wochen später mit Unfallschäden wieder aufgefunden wurde. In einem anderen Fall zeigte sich eine Zeugin laut Protokoll ob der Nachfragen durch die Polizei überrascht: "Ich habe meinen Wagen nie abgeschlossen. Ich dachte nicht, dass der sich als Diebesgut eignet!"

    Aufgrund des umfangreichen Geständnisses des Angeklagten verzichtete das Gericht darauf, Zeugen zu den angeklagten Fällen zu befragen. Anstatt der geplanten neun Fortsetzungstermine wird es nun lediglich einen weiteren Verhandlungstermin am Donnerstag, 3. November, geben. Dann soll auch das Urteil fallen.

    Martina Koch

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