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    Oberwesel/Zürich

    Mehr Güterzüge durchs Mittelrheintal befürchtet: Region blickt Richtung Gotthard-Tunnel

    Am Sonntag begann um 6.09 Uhr für das Mittelrheintal ein neues Kapitel. Um diese Uhrzeit ging am Hauptbahnhof in Zürich der Eurocity EC 11 aufs Gleis, um die erste Fahrt im Regelbetrieb durch den neuen Gotthard-Basistunnel aufzunehmen.

    Die Wagen der Mittelrhein-Bahn sind leise Vertreter auf den Schienen im Mittelrheintal. Peter Bleser und Jürgen Port (rechts) befürchten durch die Öffnung des Gotthard-Tunnels aber vor allem mehr Güterverkehr.
    Die Wagen der Mittelrhein-Bahn sind leise Vertreter auf den Schienen im Mittelrheintal. Peter Bleser und Jürgen Port (rechts) befürchten durch die Öffnung des Gotthard-Tunnels aber vor allem mehr Güterverkehr.
    Foto: Werner Dupuis

    Der EC 11 war der erste Personenzug im Fahrplanbetrieb, der die nun auf gut zwei Stunden verkürzte Reise nach Lugano im Tessin antrat. Gerade in Oberwesel war dies ein Grund, mit Blick auf den geplanten Tunnelneubau am Mittelrhein über die Verkehrsentwicklung zu sprechen.

    Eigentlich ist es ganz logisch, dass der neue Gotthard-Basistunnel deutliche Auswirkungen auch fürs Rheintal haben muss. Für Personenzüge soll auf der neuen Alpen-Transversale Tempo 200, später im 57 Kilometer langen Tunnel sogar 250 km/h erlaubt sein. Der neue Tunnel soll aber vor allem auch neue Kapazitäten für den Güterverkehr ermöglichen. Die Verbindung der Güter-Großhäfen Genua an der italienischen Riviera und Rotterdam in den Niederlanden ist das Fernziel des Projekts. Noch sind auf beiden Seiten des neuen Großtunnels die Verbindungen nicht so ertüchtigt, dass die Verbindung mit voller Effizienz belegt werden kann, aber dies wird mit dem Laufe der Zeit kommen. Gerade die Bürgerinitiativen links und rechts des Rheines erwarten durch den Tunnel deutlich längere und schwerere Züge.

    Bahn: Instandsetzungsarbeiten haben mit Gotthard nichts zu tun

    Seit einigen Wochen ist die Bahn dabei, die Strecke linksrheinisch zu ertüchtigen. Anwohner vermuteten den neuen Gotthard-Basistunnel als Grund für diese Maßnahmen. Hier widerspricht die Bahn allerdings. "Diese aktuellen baulichen Arbeiten sind normale Arbeiten und haben mit der Öffnung des Gotthards nichts zu tun", sagt die Lärmschutzbeauftragte der Deutschen Bahn, Ines Jahnel, zu den Sanierungen an der Strecke zwischen Bingen und Koblenz. "Wir haben eine Verpflichtung, das Netz in einem verkehrssicheren Zustand zu halten. Dafür ist es notwendig, bestimmte Strecken zu warten und instandzusetzen." Dringend sanierungsbedürftig sind auch die drei Tunnel zwischen St. Goar und Oberwesel, wie Jahnel erklärt. Voraussichtlich im Jahr 2019 sollen hier konkrete Maßnahmen beginnen, derzeit werden zudem die verschiedenen Neubauvarianten geprüft.

    "Mit der Gotthard-Öffnung ist der Tunnel am Mittelrhein noch notwendiger", sagt Peter Bleser, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, der am Mittwoch im Beirat "Leiseres Mittelrheintal" in Lahnstein über die Belastung des Mittelrheintals mitdiskutiert hat. Aus dem Gremium heraus wurde einmal mehr der Ruf laut nach einer Alternativtrasse zum Mittelrhein, die allerdings ein überaus langfristiges Projekt sein dürfte. Konkreter ist die Drucksituation zwischen St. Goar und Oberwesel. Hier muss erneuert werden, wie Jahnel im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigt.

    Für Bleser steht fest, dass es bei der konkreten Prüfung um die Umfahrung von St. Goar und Oberwesel gehen muss. "Man kann eine Tunnelöffnung nicht in eine Stadt hineinlegen, hier haben wir einfach eine besondere Berücksichtigung des Lärmschutzes der Bürger zu treffen." Gemeinsam mit Oberwesels Stadtbürgermeister Jürgen Port weist er darauf hin, dass der neue Gotthard "den Wunsch verstärkt, die neue Strecke auch stärker zu nutzen".

    Auch Auswirkungen auf Straßenverkehr befürchtet

    Port befürchtet auch für den Straßenverkehr im Mittelrheintal Auswirkungen durch die Gotthard-Öffnung, denn längere Züge würden die Wartezeiten für Verkehrsteilnehmer nicht nur an den beiden Bahnübergängen in Oberwesel sehr deutlich erhöhen.

    Kommt der Tunnel, der Oberwesel und St. Goar umfährt, sehen Bleser und Port enormes, insbesondere touristisches Potenzial für die Region. "Die weichen Standortfaktoren müssen stimmen, und die stimmen gerade in Oberwesel", sagt Bleser, "die Strukturen sind da, dass hier etwas Gutes wachsen kann." Port erinnert daran, dass in der Stadt in den nächsten fünf Jahren 40 Millionen Euro durch Dritte investiert werden. "Wir müssen hier in der Region dafür kämpfen, dass wir ein touristisches Zentrum zwischen Mainz und Koblenz sind", erklärt Port.

    Für die beiden CDU-Politiker gehört dazu neben dem Tunnel die Mittelrheinbrücke. Diese wollen sie vor allem unter dem touristischen Aspekt betrachten und forcieren deshalb den Bau eines schönen und filigranen Bauwerks, das beide Rheinseiten verbindet. "Wenn man die Brücke schick macht, kann sie ein richtiger Anziehungspunkt sein", sagt Bleser.

    Volker Boch

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