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Kirchberg

Hunsrückbahn: Bürger sind am Zug (Juli 2012)

In der Verbandsgemeinde Kirchberg startet am 3. August das Planfeststellungsverfahren für die Hunsrückbahn.

Bis einschließlich 3. September liegen bei der Verbandsgemeindeverwaltung im Kirchberger Rathaus, Zimmer 202, die Planunterlagen zur Reaktivierung der Bahntrasse aus. Betroffen davon sind die Stadt Kirchberg und die Ortsgemeinden Unzenberg, Dillendorf, Nieder Kostenz, Niedersohren, Sohren, Büchenbeuren und Lautzenhausen.

Jeder Anlieger oder sonstige Betroffene kann die Unterlagen einsehen und bis zwei Wochen nach Offenlage (also bis zum 17. September) entweder bei der Verbandsgemeindeverwaltung oder beim Landesbetrieb Mobilität (LBM) Einwendungen gegen den Plan erheben oder sich zu Umweltauswirkungen äußern. Das genau Prozedere ist im Rathaus einzusehen. Ursprünglich war ein Planfeststellungsverfahren nur für die Streckenabschnitte Simmern und Guldental vorgesehen, weil dort jeweils eine zweite Spur als Ausweichmöglichkeit zur bestehenden Trasse gebaut werden soll. Anfang 2010 beschlossen das Mainzer Verkehrsministerium und das Eisenbahnbundesamt dann doch die Planfeststellung für die rund 63 Kilometer lange Strecke zwischen Flughafen Hahn und Langenlonsheim. Laut Ministerium sollte das Verfahren im Bereich der VG Kirchberg „im Herbst 2010“ und für die restliche Strecke „bis Ende 2010“ durchgeführt werden.

In den Stadträten von Rheinböllen, Kirchberg und Simmern wurden entsprechende Planungen auf den Weg gebracht, Experten der Bahn hielten Vorträge und informierten Stadt- und Verbandsgemeinderäte. Denn 2009 hatte Verkehrsminister Hendrik Hering (SPD) die Reaktivierung der Bahn für 2014 angekündigt. 104 Millionen Euro sollten investiert werden.

2011 wurde dann heftig zurückgerudert – nicht nur was den Zeitplan angeht: Herings Nachfolger Roger Lewentz (SPD) räumte Verzögerungen ein, die Bahn könne frühestens 2018 fahren. Und Landtagspräsident Joachim Mertes (SPD) zweifelte gar öffentlich an der Wirtschaftlichkeit der Strecke, da sich der Flughafen Hahn nicht wie erwartet entwickelt habe. Er verweist auf die gut ausgebaute B 50. Bei weniger als sechs Millionen Passagieren im Jahr würde sich die Bahn nicht rechnen – derzeit sind es 2,7 Millionen.
Die Vorarbeiten sollten zwar abgeschlossen, dann jedoch die Nachfragesituation überprüft werden. Dem Vernehmen nach werden die mehr als 7 Millionen Euro teuren Planungen nur deshalb noch vom Land vorangetrieben, weil sonst die Kostenübernahme durch den Bund gefährdet sei.

Kirchbergs VG-Bürgermeister Harald Rosenbaum (CDU) ist noch immer optimistisch. „Ich würde mich sehr freuen, wenn der Hunsrück wieder ans Bahnnetz angeschlossen wäre. Das wäre eine regionale Verkehrsaufwertung und außerdem gehört zu einem internationalen Flughafen auch ein Bahnanschluss. Die Reaktivierung halte ich heute wie damals infrastrukturpolitisch für richtig.“
Jetzt sind erst einmal die Bürger und Kommunen am Zug. Sie können Bedenken und Einwendungen bald vorbringen.

Kommentar von Markus Lorenz

Der Worte sind genug gewechselt

Mal ehrlich: Worauf würden Sie eher einen Zehner wetten? Darauf, dass 2018 tatsächlich die Bahn über die Hunsrückhöhe rollt, oder eher darauf, dass die deutsche Nationalelf in Russland Weltmeister wird? Was ist nicht alles in Sachen Hunsrückbahn schon geredet und geschrieben worden. 2003 hat Kurt Beck auf dem Hunsrückairport lauthals verkündet: „2006 fährt die Bahn zum Hahn!“ Der Ministerpräsident hat derzeit ganz andere Probleme. Verkehrsminister Roger Lewentz stellte dann für 2014 Bahnverkehr in Aussicht – sein Nachfolger verschob das Vorhaben auf 2018. Wer es glaubt. Der Worte sind genug gewechselt. Wenn selbst Landtagspräsident Joachim Mertes durch die Blume an der Wirtschaftlichkeit des Verkehrsprojektes zweifelt, weiß man, wie es um die Hunsrückbahn tatsächlich bestellt ist. Dennoch sollten Anlieger und Betroffene ihre Einwendungen vortragen. Schließlich geht es um ihre Interessen. Nichtsdestotrotz setze ich meine 10 Euro lieber auf Jogi und seine Jungs!

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