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    Geisterfahrer auf der B50: Und plötzlich fährt jemand auf dich zu

    Montag, 9.15 Uhr. Anna Ginz und ihr Mann sind auf der B50 Richtung Simmern unterwegs. Sie wollen ins Kreishaus, um ihr Auto anzumelden. Es droht zu regnen, Ginz hat das Licht angeschaltet. Sie unterhält sich mit ihrem Mann, als es plötzlich passiert: Mit vollem Tempo kommt ihnen ein Auto entgegen. Ein Geisterfahrer. Einer von zweien, die an einem einzigen Tag schwere Unfälle verursachen.

    Hunsrück - Montag, 9.15 Uhr. Anna Ginz und ihr Mann sind auf der B50 Richtung Simmern unterwegs. Sie wollen ins Kreishaus, um ihr Auto anzumelden. Es droht zu regnen, Ginz hat das Licht angeschaltet. Sie unterhält sich mit ihrem Mann, als es plötzlich passiert: Mit vollem Tempo kommt ihnen ein Auto entgegen. Ein Geisterfahrer. Einer von zweien, die an einem einzigen Tag schwere Unfälle verursachen.

    Anna Ginz und ihr Mann haben Glück, können rechtzeitig ausweichen: „Ich habe das Auto im ersten Moment gar nicht gesehen, weil es kein Licht anhatte“, erzählt Ginz. Der 72-jährige Falschfahrer fährt auf der Überholspur der insgesamt vierspurigen Bundesstraße. Anna Ginz überholt gerade einen Lkw, als ihr Mann den Wagen sieht, ins Lenkrad greift und das Auto auf die rechte Spur rettet. „Der ist mit mindestens 120 Kilometern in der Stunde an uns vorbeigefahren, ohne zu bremsen“, sagt Ginz. „Da haben nur Sekunden gefehlt. Wir hatten einen Schutzengel.“ Andere haben nicht so viel Glück.

    Der Geisterfahrer kollidiert um 10.05 Uhr frontal mit einem entgegenkommenden Auto. Neben einem schwarzen BMW-Geländewagen und einem schwarzen Porsche-Sportwagen ist auch ein dunkelblauer VW-Kombi aus dem Kreis Cochem-Zell in den Unfall verwickelt. Der genaue Unfallhergang muss noch rekonstruiert werden.

    Die Fahrer dieser drei Autos werden alle leicht verletzt. Ihre Fahrzeuge haben nur noch Schrottwert. Der Unfallverursacher wird durch die heftige Kollision in seinem grünen Golf eingeklemmt.

    Die Feuerwehr Kirchberg befreit ihn aus seiner Notlage. Zwar hat der Mann schwere Verletzungen erlitten, schwebt jedoch nicht in Lebensgefahr. Er wird in ein Krankenhaus gebracht. Weitere Informationen zum Verkehrsunfall auf der B50 gibt es hier.

    Kinder noch immer in Lebensgefahr

    Für eine Familie aus Bad Ems wird die Geisterfahrt einer 60-Jährigen zum Horrorszenario. Auf der A 1 bei Hetzerath (Kreis Bernkastel-Wittlich) rast die Frau gegen 15.45 Uhr in das Auto eines 31-jährigen Vaters, in dem auch seine vier Kinder sitzen. Der Mann und seine neunjährige Tochter sterben noch an der Unfallstelle. Der siebenjährige Sohn erliegt kurze Zeit später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Die Geisterfahrerin und die zwei weiteren Kinder schweben noch in Lebensgefahr.

    Trauer um Opfer in Bad Ems

    In Bad Ems ist die Trauer groß. „Das ist ein gigantischer Schock. Eine Familie ist fast ausgelöscht worden. Ich bin selbst Familienvater“, sagt Stadtbürgermeister Berny Abt. Er verspricht, die Familie zu unterstützen und einen Raum für die Trauerfeier zur Verfügung zu stellen.

    Ein Rezept, mit einem solchen Schicksalsschlag umzugehen, gebe es nicht, wie Pfarrerin Ulrike Braun-Steinebach von der Notfallseelsorge des Rhein-Lahn-Kreises berichtet. Aber: „Es ist am besten, wenn es von Anfang an eine Begleitung gibt. Einfach jemanden, der da ist und zuhört. Es gilt, der Klage Raum zu lassen.“ Besonders viel Aufmerksamkeit brauchen ihrer Erfahrung nach Kinder: „Sie verarbeiten das noch mal ganz anders als Erwachsene. In viel kleineren Dosen.“

    ADAC Mittelrhein sieht Handlungsbedarf

    Doch wie kommt es immer wieder zu solch folgenschweren Geisterfahrten? Da ist auch Herbert Fuss, Verkehrsexperte vom ADAC Mittelrhein, ratlos: „Das Phänomen ist eigentlich unerklärbar.“ Schlechte Sichtverhältnisse können seiner Einschätzung nach unter Umständen dazu beitragen, dass so etwas häufiger vorkommt. Aber genaue Zahlen, die das bestätigen, kennt er nicht. „Es gibt auch keine markanten Stellen, an denen man sagen würde, da passiert das häufiger“, sagt Fuss.

    Seiner Erfahrung nach gibt es drei Kategorien von Falschfahrern: „Es gibt Verwirrte, die die Beschilderung nicht zur Kenntnis nehmen. Dann gibt es Betrunkene, wobei da besonders häufig junge Leute dabei sind. Und es gibt Menschen mit Selbsttötungsabsicht.“ Wobei versuchter Suizid vermutlich nicht der häufigste Grund sei.

    Bayerische Studie sieht Schwerpunkt bei Geisterfahrern über 70

    Dass ältere Autofahrer öfter zu Geisterfahrern werden, das glaubt Fuss nicht. Eine Studie aus Bayern legt diesen Schluss allerdings nahe. Das bayerische Innenministerium hat dazu alle Falschfahrer auf bayerischen Autobahnen im Zeitraum von Anfang 2008 bis Ende 2011 ausgewertet. 39 Prozent der Geisterfahrer waren demnach älter als 70 Jahre. Die Altersgruppe war damit fast dreimal stärker vertreten als es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht.

    2800 Falschfahrer gemeldet

    Abgesehen davon, sieht Herbert Fuss Handlungsbedarf: „In Bayern wird seit Dezember erprobt, ob auffällige Warnschilder an den Abfahrten helfen. Über so etwas muss man nachdenken.“ Ganz lösen werde man aber auch damit das Problem nicht. Wie häufig es zu Falschfahrten kommt, dazu gibt es laut Mainzer Landesinnenministerium keine Zahlen. Der ADAC gibt für 2009 in Deutschland 2800 Falschfahrer an, die im Radio gemeldet wurden.

    Wenn's passiert auf keinen Fall wenden

    Und was tun, wenn man selbst zum Falschfahrer geworden ist? „Auf keinen Fall wenden! Man muss versuchen, möglichst auf den Seitenstreifen zu kommen, um dann die Polizei zu rufen“, sagt Fuss. Wenn einem ein Geisterfahrer entgegenkommt, rät der Experte, keinesfalls zu überholen und äußerst rechts zu fahren, eventuell sogar auf den Standstreifen auszuweichen und dann die nächste Abfahrt zu nehmen.  Johannes Bebermeier und Nina Borowski

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