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Emmelshausen

Emmelshausen will Luftkurort bleiben – und lässt sich Titel 8000 Euro kosten

Die Stadt Emmelshausen will Luftkurort bleiben. Das hat der Stadtrat am Montag bei vier Gegenstimmen und einer Enthaltung beschlossen und damit einen Schlussstrich unter eine langwierige Debatte gezogen.

Der Emmelshausener Park mit Teich, Odeon und Fontäne hat durchaus das Zeug dazu, dem Besucher zu suggerieren, er befinde sich in einem Kurort. Allerdings hat die Kleinstadt im Vorderhunsrück dem Tagesgast ansonsten nicht allzu viel zu bieten. Archivfoto:  Wolfgang Wendling
Der Emmelshausener Park mit Teich, Odeon und Fontäne hat durchaus das Zeug dazu, dem Besucher zu suggerieren, er befinde sich in einem Kurort. Allerdings hat die Kleinstadt im Vorderhunsrück dem Tagesgast ansonsten nicht allzu viel zu bieten. Archiv
Foto: Wolfgang Wendling

Gäbe es nicht die Nachbarstadt Boppard, hätte Emmelshausen ein Alleinstellungsmerkmal im Kreis. Die Kleinstadt „ganz vorne im Hunsrück“, wie sie sich werbewirksam nennt, ist staatlich anerkannter Luftkurort. Nur noch Boppard führt im Rhein-Hunsrück-Kreis dieses touristische Prädikat.

Aber das Herz des gemeinen Emmelshausener Kommunalpolitikers hängt nicht an diesem Prädikat. Es wirkt wie eine „Titel ohne Mittel“. Was sollen wir bloß damit anfangen?, fragt sich so mancher Mandatsträger jetzt, da die Entscheidung ansteht, ob die Stadt 8000 Euro hinblättert, damit Experten vom Deutschen Wetterdienst messen, ob die Luft in der Stadt noch so gut ist, dass von einem Luftkurort überhaupt noch die Rede sein kann. Alle zehn Jahre muss in einem solchen „Kurort“ die Qualität der Luft aufs Neue festgestellt werden.

Es gibt auch Kommunalpolitiker quer durch alle Parteien, die das Prädikat „Luftkurort“ für heiße Luft ansehen. Selbst wenn die Luft optimal ist, welchen Mehrwert soll sie der Stadt, ihren Geschäftsleuten und Bürgern bescheren?

Touristiker: Leute erwarten etwas von so einem Titel

Diese Frage wird auch von einem Experten wie dem Leiter der Emmelshausener Tourist-Information, Thomas Biersch, negativ beantwortet. „Wir haben bereits vor zehn Jahren dazu geraten, auf den Titel zu verzichten“, sagte Biersch und ergänzte: „Er bringt nichts mehr.“ Der TI-Leiter machte gegenüber dem Stadtrat deutlich, dass die Touristen, die nach Emmelshausen kommen, etwas vom Prädikat „Luftkurort“ erwarten. „Aber wir haben keine Kureinrichtungen.“ Biersch ging noch einen Schritt weiter und stellte heraus, dass Emmelshausen viel zu bieten hat – bloß nicht für Tagestouristen. „Was sollen die Leute denn in Emmelshausen machen?“

Maurer (SPD): Neues touristisches Konzept erarbeiten

Als Möglichkeit, Tagesgästen etwas anzubieten, sieht Biersch die Einrichtung von Spazierwegen. „Traumschleifchen – so der neue Marketingbegriff – von drei bis sieben Kilometer Länge wären eine echte Innovation für Emmelshausen. Bierschs Einschätzung, das Prädikat Luftkurort sei veraltet, teilte SPD-Fraktionssprecher Michael Maurer. „Wir sollten ein völlig neues touristisches Konzept für Emmelshausen erarbeiten“, so Maurer.

Muders (CDU): "Wir können wuchern ohne Ende“

Dagegen möchte CDU-Fraktionssprecher Alfred Muders am Prädikat „Luftkurort“ festhalten. „Wir haben sehr viele Einrichtungen, Ärzte, Apotheken, wir erhalten einen neu gestalteten Park mit einem neuen Spielplatz – wir können wuchern ohne Ende.“ Muders kritisierte, dass es in der Tourist-Information so gut wie keine Informationen über Emmelshausen gibt.

Auch Thomas Franz von der FWG findet nicht, das Prädikat Luftkurort sei antiquiert. Wenn Emmelshausen für 8000 Euro weitere zehn Jahre damit werben kann, solle die Stadt das tun. So dachte am Ende auch die Mehrheit des Stadtrates.

Von unserem Redakteur Wolfgang Wendling

Der Titel Luftkurort ist an vier Voraussetzungen gebunden

Vier Voraussetzungen müssen laut rheinland-pfälzischem Kurortegesetz für die staatliche Anerkennung als Kurort mit der Artbezeichnung Luftkurort vorliegen:

1 Ein für die Gesundheitsförderung geeignetes therapeutisches Klima, ausreichende Luftqualität und eine landschaftlich bevorzugte Lage,

2 Einrichtungen, die zur therapeutischen Anwendung des Klimas geeignet sind,

3 leistungsfähige Betriebe des Hotel- und Gaststättengewerbes und

4 ein dem Kurbetrieb entsprechender Ortscharakter, der auch durch die Bauleitplanung gesichert sein muss.

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