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Emmelshausen

Bluttat in Emmelshausen: Staatsanwaltschaft fordert mehrjährige Haftstrafe

Im Prozess um den versuchten Mord an einem 50-jährigen Emmelshausener wurden am Freitagvormittag vor dem Landgericht Koblenz die Plädoyers gehalten. Die Staatsanwaltschaft forderte für den 19-jährigen Angeklagten eine siebeneinhalbjährige Haftstrafe.

Von unserer Redakteurin Martina Koch

Da die Beratungen des Gerichts laut der Vorsitzenden Richterin Helga Diedenhofen viel Zeit in Anspruch nehmen werden, wurde die Urteilsverkündung auf kommenden Freitag vertagt. Zuvor hatte der als Sachverständige bestellte Kinder- und Jugendpsychiater, Dr. Helmut Remschmidt, sein Gutachten vorgestellt. Demnach leidet der Angeklagte an keiner psychischen Erkrankung oder Persönlichkeitsstörung, die seine Schuldfähigkeit mindern würde.

Der junge Mann weise laut Gutachten aber klare Defizite im emotionalen Bereich auf, die sich durch unverarbeitete belastende Situationen, wie den frühen Tod seiner Mutter, erklären ließen. Demnach falle es ihm schwer, über seine Gefühle zu sprechen, seine latenten aggressiven Impulse könne er zudem kaum steuern.

Wut über Außenseiterdasein

Warum der 19-Jährige in der Tatnacht ausrastete und auf den 50-jährigen Emmelshausener einstach, der den Obdachlosen zuvor bei sich aufgenommen hatte, konnte sich auch der psychiatrische Sachverständige nicht in Gänze erklären. Die Aussage des Angeklagten selbst, dass sich in ihm Wut angestaut habe, weil er sich aus der Gesellschaft ausgeschlossen fühlte, ließe sich laut Sachverständigem "als Erklärung nicht ganz abweisen".

Dass sich Wahrnehmung des Angeklagten in diesem Punkt nicht mit den Tatsachen deckt, darauf kam Staatsanwältin Nina Krewel in ihrem Plädoyer zu sprechen: "Er hat in seiner Situation immer wieder von entfernten Bekannten immense Hilfe erhalten – und zwar von Menschen, die selbst nichts zu verschenken haben", führte sie aus. Mehrere dieser Unterstützer hatten zuvor im Prozess als Zeugen ausgesagt.

Ein 50-Jähriger aus Halsenbach, der den Angeklagten über seine Tochter kannte, ließ ihn etwa auf seiner Couch übernachten und bot Unterstützung bei Behördengängen an. Ein 23-jähriger Familienvater, der derzeit arbeitssuchend ist, nahm den Wohnungslosen ebenfalls nächtelang bei sich auf, half ihm Formulare auszufüllen und schenkte ihm Kleidung. "Diese großzügigen Hilfen haben ihn nicht erreicht", resümierte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer.

Täter handelte heimtückisch

Der Angeklagte habe bei der Tat heimtückisch gehandelt, als er sein wehrloses Opfer von hinten angriff. Dass sein Motiv für die Tat Habgier war, sieht die Staatsanwaltschaft ebenfalls als erwiesen an. Die Tötungsabsicht hatte der Angeklagte in seiner Vernehmung selbst gestanden. Damit seien die Merkmale eines versuchten Mordes in Tateinheit mit schwerem Raub und gefährlicher Körperverletzung erfüllt. Nach Forderung der Staatsanwaltschaft soll der 19-Jährige eine Einheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren Haft verbüßen.

Sowohl der Anwalt des Nebenklägers als auch der Anwalt des Angeklagten schlossen sich den Ausführungen der Staatsanwältin an. "Das Opfer wird noch lange an den Folgen der Tat zu leiden haben", redete der Anwalt des Emmelshauseners dem Angeklagten ins Gewissen. Der 50-Jährige leidet an Angstzuständen und muss sich in psychiatrische Behandlung begeben.

"So gefühlskalt kann man nicht durchs Leben gehen", sagte selbst der Anwalt des Angeklagten über seinen Mandanten. Die schädliche Neigung und die Schwere der Schuld seien zweifelsfrei erwiesen, ein Fehlverhalten des Opfers gegenüber dem Angeklagten habe nicht vorgelegen. Der Verteidiger bat das Gericht um eine angemessene Strafe – ohne ein konkretes Maß zu nennen.

Das Urteil fällt am Freitag, 29. August, um 10.30 Uhr.

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