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    Bernd Stelter im Interview: "Heiraten ist 'ne geile Nummer"

    Er war lange Jahre im Fernsehen präsent, tingelt als Musiker, Sänger, Kabarettist und Comedian über die Bühnen Deutschlands, gehört beim kölschen Karneval zum festen Bestandteil der Sitzungen und schreibt nebenbei noch Krimis: Bernd Stelter ist ein Tausendsassa in Sachen Unterhaltung. Am kommenden Freitag, 6. Oktober, gastiert er um 20 Uhr mit seinem Programm „Wer heiratet, teilt sich die Sorgen, die er vorher nicht hatte“ in der Simmerner Hunsrückhalle.

    Seit 26 Jahren ist Bernd Stelter verheiratet und das immer noch glücklich. Wie das geht? Auch davon erzählt der Tausendsassa in Sachen Unterhaltung bei seinem Bühnenprogramm in Simmern.  Foto: Manfred Esser
    Seit 26 Jahren ist Bernd Stelter verheiratet und das immer noch glücklich. Wie das geht? Auch davon erzählt der Tausendsassa in Sachen Unterhaltung bei seinem Bühnenprogramm in Simmern.
    Foto: Manfred Esser

    Herr Stelter, viele Zuschauer kennen Sie aus der Fernsehsendung „7 Tage, 7 Köpfe“ und als Moderator des NRW-Duells. Das Programm, das sie auf der Bühne zeigen, ist aber völlig anders.

    7 Tage, 7 Köpfe habe ich zehn Jahre gemacht, dann zehn Jahre das NRW-Duell. Beides hat eine große Spanne meines Lebens bestimmt. Ich habe das schon sehr häufig, dass Leute sagen: So etwas wie dieses Bühnenprogramm hab' ich nicht von Dir erwartet. 7 Tage, 7 Köpfe und Karneval – das sind so die beiden Stempel, die ich schon auf der Stirn habe. Und wenn man das hört, kommt man natürlich nicht auf den Abend, den ich da mache.

    Wird man so einen Stempel ganz schwer wieder los?

    Ja, sicher, Stempelfarbe hält ja ewig. 7 Tage, 7 Köpfe wurde 2006 eingestellt, elf Jahre ist das her. Aber es ist in allen Köpfen noch vorhanden.

    Sie sind nun seit 26 Jahren verheiratet. Ist Ihre Ehe im Programm Vorbild für viele Episoden?

    Ja klar, natürlich. Es ist nicht so, dass ich das Familienleben der Stelters mit sechs Kameras auf die Bühne übertrage. Aber es ist natürlich schon so, dass man über sein Leben schreibt. Aber ich glaube, ich bin auch ein sehr guter Beobachter. Ich schaue mir auch an, was in der Nachbarschaft passiert und bei Freunden. Ich habe zum Beispiel eine Geschichte, in der ich erkläre, dass man nicht heiraten sollte, wenn man verliebt ist. Da steckt dann natürlich auch viel Recherche drin. Was ich auf der Bühne erzähle, das stimmt auch. Verliebtsein wird von vielen Psychologen mit einer Zwangsneurose verglichen. Man kann sagen, wer verliebt ist, ist bekloppt. Und deswegen sollte man nicht heiraten, wenn man verliebt ist. Verliebtsein, das ist dieses Hormonchaos. Der Brustkorb zieht sich immer zusammen – das ist alles toll, aber keine Voraussetzung für eine Hochzeit. Das heißt, nur mit bisschen Verliebtsein kommt man mit dem langfristigen Projekt Ehe nicht hin.

    Wie kommen Sie mit dem langfristigen Projekt Ehe hin?

    Der erste Punkt ist Kommunikation. Ich habe Umfragen gelesen, in denen stand, dass Paare, die länger als 15 Jahre zusammen sind, im Schnitt dreieinhalb Minuten miteinander reden pro Tag. Das darf nicht passieren. Ich hab' so eine kleine Lederkladde, wo ich alles eintrage, was ich so an Ideen habe. Da hatte ich einen Satz drin, der lautete: Ich glaube, ich bleibe immer neugierig auf Dich. Und dann habe ich mich hingesetzt und den Text geschrieben. Das wurde dann das Liebeslied für meine Frau. Und das ist heute im Programm für mich das Wichtigste. Was wirklich halten muss in einer Ehe, das ist die Neugier. Ich kenne meine Frau ziemlich gut, aber was sie denkt? Keine Ahnung. Ich glaube, dem anderen zuzugestehen, dass er seine eigenen Gedanken hat, und immer wissen zu wollen, was er denkt und wie er fühlt, ist Voraussetzung zur Kommunikation und für lange Gespräche.

    Wie hält eine Ehefrau einen Mann aus, der – wahrscheinlich – fast nie zu Hause ist?

    Fast nie zu Hause stimmt nicht. Ich mache so 60 bis 70 Übernachtungen im Jahr, wo meine Frau selten dabei ist. Das finden wir beide sehr positiv. Wir sind sehr unterschiedliche Menschen. Ich bin so ein Typ, ich ziehe gern mal mit den Jungs um die Häuser. Und meine Frau wohnt gerne. Sie setzt sich bei uns ins Wohnzimmer, und dann wohnt die da. Und das kann ich nicht. Ich springe dann nach zehn Minuten auf, renne ans Fenster, gucke, ob wir einen neuen Vogel im Garten haben oder irgendwas. Ich kann nicht so ruhig dasitzen und wohnen. Meine Frau kann das. Deswegen ist es sehr gut, dass ich zwischendurch immer wieder auf kleine Tourneen gehe. Denn dann machen wir beide wieder das, was uns wichtig ist. Und nach drei Tagen reicht dann schon das Handy nicht mehr, dann will man sich mal wieder in den Arm nehmen. Solch kleine Tourneen führen dazu, dass auch nach 26 Jahren Ehe die Sehnsucht noch eine Chance hat.

    Ihre Eltern hatten auch ein sehr glückliches Eheleben. Waren die Vorbild für Sie und Ihr Programm?

    Ja, die waren sicher Vorbild. Meine Eltern sind kurz nacheinander gestorben, weil der eine ohne den anderen gar nicht leben konnte. Ich finde das nicht erstrebenswert. Aber es ist eine Geschichte, und ich bin von Beruf Geschichtenerzähler. Ich spiele das Stück über meine Eltern immer am Schluss des Programms, denn das Problem dabei ist: Der halbe Saal weint. Nicht, weil ihnen meine Eltern so leidtun, sondern ich erzähle meine Geschichte, und jeder ist bei seiner eigenen Geschichte. Und das ist natürlich eine ganz große Emotion.

    Große Emotionen im Programm sind Ihnen wichtig?

    Das ist mir sehr wichtig. Ich hab immer gesagt: Einen ganzen Abend lachen ist langweilig. Es gibt so viele andere Emotionen. Es gibt die Gänsehaut, es gibt das Lachen, das im Hals stecken bleibt, und es gibt auch die Tränen. Und wenn ich einen Abend in ein Kabarett gehe oder mir ein Konzert anhöre, dann möchte ich von demjenigen etwas erfahren. Und ich möchte, dass meine Gefühle angesprochen werden. Nur das eine Gefühl, laut zu lachen, das ist mir zu wenig.

    Wie sieht es aus mit Politik? Sie haben früher ja auch politisch-kritische Lieder gespielt.

    Ja, das mache ich heute immer noch. Einige Lieder sind immer noch politisch-kritisch, und was ich an Karneval mache zum Beispiel ist hochpolitisch. Speziell bei diesem Programm sind einige Aspekte in der Richtung enthalten. Da geht es auch um Ehe für alle, aber eigentlich ist das ein gesellschaftliches Programm. Ich hatte Silberhochzeit und ich habe mich darauf vorbereitet, indem ich ein Programm über Heiraten, über Ehe, über Silberhochzeit geschrieben habe. Und das ist ein ganz spannendes Thema, weil sich scheinbar alle Comedians in Deutschland einig sind, dass Männer und Frauen nicht zusammenpassen. Ich stelle mich hin und sage: Doch, passt wohl. Passt nicht nur, macht sogar Spaß. Und es macht nicht nur Spaß, ist sogar gesund. Da hat die Politik weniger Platz. Aber ich bin sicher ein politischer Mensch.

    Haben Sie das Gefühl, gerade nach der Wahl, dass es vielleicht an der Zeit wäre, wieder politischer zu werden?

    Ich hatte das Gefühl schon im letzten Jahr, dass man politischer werden muss. Ich hab mir da auch Ärger eingehandelt. In der letzten Session habe ich sehr deutlich etwas über die AfD gesagt, sehr deutlich über Herrn Erdogan gesprochen, und dann kriegt man Ärger. Dann holt man sich die Shitstorms rein, aber die muss man dann auch aushalten. Es kann durchaus sein, dass das nächste Programm politischer wird. In diesem Programm ging es mir wirklich um dieses Thema Heiraten, was für viele ja immer so ein bisschen spießig ist. Ich wollte einfach sagen: Das ist nicht spießig, das ist 'ne geile Nummer. Das ist eine tolle Sache, die einen persönlich weiterbringt.

    Das Gespräch führte Charlotte Krämer-Schick

    Karten gibt es bei der Tourist-Information im Neuen Schloss unter Telefon 06761/837296, beim Wochenspiegel Simmern und unter www.ticket-regional.de

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