40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Rhein-Hunsrück-Zeitung
  • » Boch's Road to Kona
  • » Wenn Alpinkatzen durch hohe Berge fauchen
  • Aus unserem Archiv
    Rhein-Hunsrück

    Wenn Alpinkatzen durch hohe Berge fauchen

    Anbremsen, einlenken, antreten, Vollgas. 65, 70, 75, 80. Links, rechts, links, rechts. So geht es mit Druck durch die Parallelwelten – Serpentinen führen hinunter ins Tal, in den Alpen liegt dem Radfahrer die Welt zu Füßen. Was für eine schöne Vorstellung!

    Noch lächeln Ewald Nick und der Rad-Akteur – und das soll auch in den kommenden Tagen so bleiben. Am Wochenende steuern sie gemeinsam in das Abenteuer Transalp.
    Noch lächeln Ewald Nick und der Rad-Akteur – und das soll auch in den kommenden Tagen so bleiben. Am Wochenende steuern sie gemeinsam in das Abenteuer Transalp.
    Foto: Petra Boch

    Keine Sorge: Alle Tassen im Schrank!

    Wenn Sie nun denken, der Rad-Akteur hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank, nach dem Training in der Hitze einen Sonnenstich oder gar einen chronischen Schatten, liegen Sie: völlig falsch! Der Rad-Akteur ist einfach nur voller Vorfreude. So hart das Training für den Ironman Switzerland manchmal neben dem normalen Leben sein mag, so groß ist die Lust auf einen der absoluten Höhepunkte dieser Vorbereitung: die Tour Transalp.

    Am Sonntag beginnt in Sonthofen die 15. Auflage dieses Rennradrennens für Amateure. 1000 ambitionierte Freizeitfahrer treten dabei in Zweierteams ihre Reise aus dem Allgäu an den Gardasee an. Mit dabei: das Team Hunsrücker Alpinkatzen. Mit katzenartiger Geschmeidigkeit werden sich Ewald Nick und der Rad-Akteur durch die Alpen kurbeln und dem Namen ihres Teams damit alle Ehre erweisen. Alpin wird es dabei ganz gewiss, denn es lauern einige Giganten der Alpen auf dem langen Weg nach Arco.

    867,24 Kilometer und 18.233 Höhenmeter umfassen die sieben Etappen der Transalp exakt, wie der Veranstalter alle Teilnehmer diese Woche hat wissen lassen. In einem ausführlichen Infobrief ist auf gut zwei Dutzend Seiten detailliert beschrieben, was die Hobbyfahrer alles erwartet. Der Gesamteindruck der Veranstaltung ist extrem professionell und entsprechend groß ist auch die Vorfreude.

    Um an dieser Stelle sozusagen live einen Eindruck vom Zustand der Alpinkatzen vermitteln zu können, haben sich die beiden Teamfahrer am Dienstagmorgen eigens zu einem schnellen Formcheck begeben, einer Art Quicktest mit Sofortergebnis. 60 Kilometer mit einem gewissen Druck an ausgewählten, zahlreichen Hügeln im heimischen Trainingsrevier bestimmten diese Überprüfung, die zur allgemeinen Zufriedenheit ausfiel. Fazit: Die Alpinkatzen sind unterschiedliche Fahrertypen und haben ihre Stärken in verschiedenen Bereichen, sind fit und passen hervorragend zusammen. Das harte kleine Ründchen mit gut 1000 Höhenmetern war rasch beendet, sozusagen als Appetithappen vor dem großen Leckerbissen.

    Wenn die beiden Kätzchen am Samstag ins Auto steigen und nach Sonthofen fahren, wird sich schon einmal jene Nervosität einstellen, die vor großen Aufgaben immer lauert. Es ist nicht schlecht, dieses Gefühl schon einmal zu durchleben, bevor es am 30. Juli in Zürich an die Startlinie geht. Diese Mischung aus Freude, Skepsis und Respekt ist eine extreme Emotion, die sich erst mit dem Startschuss löst und in Erlebnislust verändert.

    Glanz und Sorge in den Augen

    Zu erleben gibt es unterwegs jede Menge. Die Etappen sind mit einer jeweiligen Distanz von 100 bis 140 Kilometern zwar nicht so lang wie der Radkurs im Ironman, aber angereichert mit einigen Pässen, die Radfahrern Glanz und Sorge zugleich in den Blick treiben. Am ersten Tag wartet auf dem Weg von Sonthofen ins österreichische Imst unter anderem das Hahntenjoch, auf der zweiten Etappe nach Naturns in Italien das Timmelsjoch, am dritten Tag auf dem Weg nach Bormio das Stilfser Joch, auf Etappe vier nach Livigno Umbrail-, Ofen- und Berninapass, auf dem fünften Abschnitt nach Aprica die heftigen Pässe Eira und Mortirolo, am sechsten Tag Richtung Pieve di Ledro der Passo Croce Domini sowie auf dem siebten und finalen Stück nach Arco der Passo San Rocco. Insbesondere der dritte Abschnitt von Naturns nach Bormio hat es in sich: Auf weniger als 100 Kilometern werden mehr als 3000 Höhenmeter absolviert, allein auf dem Weg zu dem in 2757 Meter Höhe liegenden Scheitelpunkt der Passstraße am Stilfser Joch als Dach der Tour sind mehr als 1800 Höhenmeter am Stück zu meistern. Hier dürften die Hunsrücker Alpinkatzen sehr wohl ein bisschen fauchen und kratzen.

    Auf jeden Fall freuen sie sich und wirken gut vorbereitet auf das Abenteuer. Gemeinsam nehmen sie als sogenannte Grand Masters das Rennen in der Alterskategorie 100 Jahre plus in Angriff. Keine Frage, dass sie den besten Akteuren unterwegs hinterher hecheln werden, immerhin sind einige wirkliche Ausnahmekönner und auch frühere Profis am Start.

    Für die beiden Hunsrücker geht es ums Gesamterlebnis statt -ergebnis und um den Spaß an den Alpen – der Rad-Akteur will außerdem entscheidende Kilometer für den Ironman sammeln. Allerdings wissen die Alpinkatzen auch, dass in den Bergen nicht nur die Steigungen zur Herausforderung werden können. Gerade die Witterungsbedingungen können hier extrem und wechselhaft sein. Bis hin zu Gewitter, Regen und Schneefall ist in den Alpen vieles möglich. Das Wichtigste ist neben dem Wetter also eine sturz- und verletzungsfreie Fahrt nach Arco.

    Die beiden Alpinkatzen wollen am Gardasee schließlich auch ihr neues „Sportfell“ würdig präsentieren. Sie haben sich eigens für den Ausflug in die Berge ein Teamtrikot zugelegt, genauer gesagt zwei zum Wechseln, damit sie immer schön frisch aussehen.

    Seriös abseits des Windschattens

    Der neue Dress der beiden Hunsrücker ist eine Erfindung von zwei alten Bekannten des Rad-Akteurs. Vor vielen Jahren ist er den beiden Kölnern Mario und Markus Konrad, die im Triathlon als „die Konrad-Brüder“ einige Furore gemacht haben, erstmals bei Rennen begegnet. Auf der Kurzstrecke bei Liga-Wettkämpfen, aber genauso bei ihrem heimischen Lieblingsrennen, dem Bonn-Triathlon, und bei Ironman-Starts sind sie sich über die Jahre immer wieder begegnet. Ihre Denk- und Sichtweise auf den Sport ist ähnlich und ihre Begeisterungsfähigkeit gerade auch für die Berge ebenso. Was dem Rad-Akteur immer besonders imponiert hat: ihre Geradlinigkeit. Wo andere im Ironman trotz offiziellen Windschattenverbots am Hinterrad des Vordermanns klebten, setzten sie auf Fairness und erzielten damit gute Ergebnisse. Diese sportliche Philosophie, dass sich mit bodenständiger, seriöser Arbeit etwas erreichen lässt, haben die beiden auf eine kleine Start-up-Firma übertragen, die Sportbekleidung produziert.

    Die Hunsrücker Alpinkatzen wollen nun zusehen, dass sie in ihrem Teamtrikot in den Bergen gut aussehen. Ob sie bei der Transalp am Ende auch sportlich einen flotten Eindruck machen, wird sich ab Sonntag zeigen. Wenn Sie möchten: Die Kätzchen werden Sie darüber auf dem Laufenden halten.

    Von unserem Chefreporter Volker Boch

    Boch's Road to Kona
    Meistgelesene Artikel
    Online regional

    Bettina TollkampBettina Tollkamp
    Chefin v. Dienst
    E-Mail

    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter
    Montag

    8°C - 10°C
    Dienstag

    11°C - 13°C
    Mittwoch

    9°C - 15°C
    Donnerstag

    9°C - 15°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Jahresrückblick 2016 der RHZ
    Anzeige