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Limburg

Streit um 23 Liter: Grüne wollen Glyphosat in Limburg stoppen

23 Liter sorgen für Streit: Diese Menge des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat verwendet Limburg bislang im Jahr. Die Umweltpolitiker der Stadt sollen nun diskutieren, ob der Einsatz von Glyphosat grundsätzlich in der Stadt verboten werden soll.

Die Stadt Limburg hat laut Grünen ein Alleinstellungsmerkmal: den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. Die Fraktion im Stadtparlament will das nun ändern.   Foto:  Büttner/dpa
Die Stadt Limburg hat laut Grünen ein Alleinstellungsmerkmal: den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. Die Fraktion im Stadtparlament will das nun ändern.
Foto: Büttner/dpa

Die Stadtverordneten haben in ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr am Montagabend einen entsprechenden Antrag der Grünen einstimmig in den Umweltausschuss des Parlaments verwiesen. Die Fachpolitiker werden nun darüber beraten.

Hintergrund ist, dass die Stadt Limburg bislang über eine Ausnahmegenehmigung verfügt, das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel zu verwenden. Diese Genehmigung aus dem Jahr 2015 läuft nun im Sommer aus. Glyphosat steht laut Kritikern im Verdacht, unter anderem Krebs zu verursachen. Befürworter hingegen sehen bei korrektem Einsatz des Mittels keine Gefahr für den Menschen. Beide Seiten haben für ihren Standpunkt bislang Studien vorgelegt.

Der Betriebshof der Stadt hat das Unkrautvernichtungsmittel bislang vor allem auf den Friedhöfen eingesetzt, aber auch an Sportplätzen und am Bahnhofsvorplatz sowie auf allen Flächen, die landwirtschaftlich genutzt werden. Nach Angaben der Stadt habe man sich bemüht, den Einsatz auf ein Minium zu beschränken. Alternativen seien bereits ausprobiert worden. Diese seien zwar auch effektiv, müssten aber öfter angewendet werden. Wie der Sprecher der Stadt, Johannes Laubach auf Nachfrage sagte, werden im Jahr etwa 23 Liter des Unkrautvernichters verwendet.

Der Fraktion der Grünen im Stadtparlament ist dieser Glyphosat-Einsatz ein Dorn im Auge. In der Sitzung am Montagabend begründete Grünen-Politiker Sebastian Schaub den Antrag seiner Fraktion, die Stadt möge den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels verbieten.

„Es ist ein Antrag, der uns schon lange am Herzen liegt“, sagte Schaub. „Limburg hat ein Alleinstellungsmerkmal“, sagte Schaub – es sei die einzige Stadt im weiten Umkreis, die beantrage, das umstrittene Glyphosat noch einmal verwenden zu dürfen. Am liebsten, so machte es der Grünen-Politiker deutlich, wäre es seiner Fraktion gewesen, wenn das Parlament auf der Stelle in einer Abstimmung im Plenum den Einsatz von Glyphosat gestoppt hätte. Aber, „wenn es wirklich notwendig ist“, stimme die Grünen-Fraktion auch einer Verweisung in den Umweltausschuss zu, um so die Fachpolitiker über den Antrag beraten zu lassen. „Es geht darum, ein klares Signal zu setzten, von diesem Herbizid (Unkrautvernichtungsmittel, Anm. d. Red) Abstand zu nehmen“, fuhr Schaub fort. Der Sprecher des zuständigen hessischen Umweltministeriums, Mischa Brüssel de Laskay, sagte auf Nachfrage, dass durch einen Erlass seines Hauses aus dem Jahr 2015 prinzipiell der Einsatz im öffentlichen Raum nicht genehmigt werde. Eine Ausnahme seien allerdings die gewerbliche Nutzung und eine Nutzung zur Verkehrswegesicherung. Die Stadt müsste einen entsprechenden Antrag zunächst beim Regierungspräsidium einreichen, das Umweltministerium müsste dann prüfen, ob Ausnahmegründe zum Erlass von 2015 vorliegen. Zum konkreten Fall in Limburg konnte Sprecher Brüssel de Laskay keine Angaben machen.

Der Grünen-Antrag verlangt zum einen den sofortigen Stopp des Einsatzes von Glyphosat durch die Stadt und ihre Dienstleister im Bereich der Stadt, zum anderen wollen die Grünen, dass keine weitere Ausnahmegenehmigung mehr beantragt wird. Wie Stadtsprecher Laubach auf Nachfrage erklärte, hat die Stadt bis Dienstag noch keine Verlängerung der Ausnahmegenehmigung eingereicht.

Von Mika Beuster

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist ein Pflanzenschutzmittelwirkstoff des US-amerikanischen Konzerns Monsanto, der zur Bekämpfung von Unkraut verwendet wird. Der Wirkstoff ist auf EU-Ebene genehmigt und in Deutschland seit 1974 als Pflanzenschutzmittel zugelassen, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium mitteilt. Glyphosat wird nach Ministeriumsangaben durch alle grünen Pflanzenteile (etwa Blätter und Stängel) aufgenommen. Glyphosat verteile sich in der ganzen Pflanze und führe zu einem vollständigen Verwelken.

Der Wirkstoff sei nicht selektiv, das heißt er wirke nicht nur im Unkraut, sondern auch in jeder getroffenen Kulturpflanze. Laut dem Landwirtschaftsministerium bestehen bei bestimmungsgemäßer und sachgerechter Anwendung des Wirkstoffs Glyphosat keine Zweifel an der gesundheitlichen Unbedenklichkeit. Unter anderem das Umweltinstitut München sieht das anders. Aktuelle Studien belegen laut dem Institut gravierende gesundheitliche Risiken von Glyphosat. So gebe es Hinweise auf eine hormonelle Wirkung. Auch Krebs, Zelltod, Fruchtbarkeitsstörungen, Schädigung des Erbguts, der Embryonalentwicklung, der Leber und der Niere zählen laut Umweltinstitut zu den Folgen des Glyphosateinsatzes.

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