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    Weilburg

    Schlosskonzerte: Verhandlungen gehen weiter

    Alle wollen die Weilburger Schlosskonzerte erhalten - das haben der Verein und die evangelische Kirchengemeinde Weilburg am Dienstagabend betont. In den nächsten Wochen soll über die Nutzung der Schlosskirche für Konzerte wieder verhandelt werden.

    Die Weilburger Schlosskonzerte begeistern zahlreiche Besucher aus Nah und Fern. Zwischen dem Verein und der Kirchengemeinde ist jedoch ein heftiger Streit über die Nutzung des sakralen Gebäudes entbrannt, der die Weiterführung der Reihe gefährden könnte.
    Die Weilburger Schlosskonzerte begeistern zahlreiche Besucher aus Nah und Fern. Zwischen dem Verein und der Kirchengemeinde ist jedoch ein heftiger Streit über die Nutzung des sakralen Gebäudes entbrannt, der die Weiterführung der Reihe gefährden könnte.
    Foto: wnz

    Von Andreas Müller

    Die Musikfestspiele sind eines der Aushängeschilder der Stadt Weilburg weit über die Oberlahnregion hinaus. Nun ist ein Streit zwischen dem Verein und der Kirchengemeinde über die Nutzung der Kirche entbrannt. Es geht dabei sowohl um Geld, als auch um die Nutzungszeiten. Die Veranstalter sehen die Konzertreihe ab 2017 in Gefahr. Zu einem Informationsabend hatte deshalb der Vorsitzende des Vereins, Alexander Hofmann, Mitglieder sowie die Weilburger Politik eingeladen. Das Interesse war groß, der Rittersaal des Schlosshotels fast bis auf den letzten Platz gefüllt.

    Der Nutzungsvertrag war im vergangenen Sommer von der Kirchengemeinde erneut gekündigt worden, nachdem bereits 2008 eine Kündigung ausgesprochen wurde, ein neuer Vertrag war damals aber nicht verhandelt worden. "Eine solche Kündigung ohne Vorankündigung konnte der Verein nicht akzeptieren", sagte Hofmann. Die Künstlerverträge würden ein bis zwei Jahre im Voraus abgeschlossen. Deshalb habe der Verein Klage gegen die Kündigung eingereicht. Im Kern des Streits geht es einerseits um eine Anhebung der Miete, einen neuen Bestuhlungsplan und eine Vereinbarung über Nutzungszeiten.

    Hofmann bezeichnete die Kombination von Renaissancehof und Schlosskirche als großes Pfund: Beide Spielstätten seien hochwertig und die Schlosskirche als Ausweichort bei schlechtem Wetter wertvoll. Er machte deutlich, dass die Schlosskonzerte nur weiter stattfinden könnten, wenn alle an einem Strang ziehen.

    Für Gläubige und Touristen soll die Schlosskirche zu festen Zeiten geöffnet sein, so der Wunsch der Kirchengemeinde. Für die Organisatoren der Schlosskonzerte bedeute dies eine Gratwanderung, sagte Hofmann. Denn bei den Schlosskonzerten treten weltbekannte Musiker und Orchester auf, die sich auf ihre Auftritte vorbereiten müssten. Intendant Stephan Schreckenberger führte als Beispiel an, dass die Zeit für das Stimmen des Flügels für den Weltstar Martin Stadtfeld vier Stunden betrug. Der Klavierstimmer benötige dafür "absolute Ruhe". Hofmann betonte, dass man Verlässlichkeit brauche, damit keine Konzerte abgesagt werden müssten.

    Mieteinnahmen bleiben strittig

    Der zweite Streitpunkt sind die Mieteinnahmen. Bisher wurden 2500 Euro Miete pro Saison an die Kirchengemeinde gezahlt. Weil dies laut Kirchengemeinde nicht kostendeckend ist und Rückstellungen für künftige Brandschutzmaßnahmen gebildet werden müssten, soll die Miete erhöht werden. Zunächst standen 30 000 Euro im Raum, aber bereits im Herbst des vergangenen Jahres hatten sich beide Parteien auf einen jährlichen Anstieg der Miete auf 14 000, 17 000 und 20 000 Euro bis 2018 geeinigt. Zudem werden Land und Stadt den Zuschuss an den Verein "Weilburger Schlosskonzerte" erhöhen. Laut Verein kommen dennoch Mindereinnahmen von 35 000 Euro pro Saison hinzu, weil durch das neue Brandschutzkonzept Sitzplätze wegfallen.

    Schreckenberger verwies darauf, dass die Schlosskonzerte seit 20 Jahren mit dem gleichen Budget auskämen. Trotzdem sei die Zahl der Konzerte von 30 auf 50 gesteigert worden. "Die Schlosskonzerte sind kerngesund und die jetzigen Probleme hausgemacht", betonte Intendant Stephan Schreckenberger. In Weilburg würden mit einem Budget von 800 000 Euro 50 Konzerte realisiert. Die Zuschüsse seien gering. Das Rheingau-Musik-Festival habe im Vergleich dazu ein Budget von acht Millionen Euro für gut 150 Konzerte. Die Qualität der Veranstaltungen sei aber vergleichbar.

    Sowohl Hofmann als auch Schreckenberger nannten Mai dieses Jahres als Ende für einen Verhandlungszeitraum. Dann müssten die Verträge für 2017 unterschrieben werden. Niemand im Vorstand werde aber Verträge mit den genannten Deckungslücken unterzeichnen, sagte Hofmann. Dann wäre der Spielort Weilburg für die Schlosskonzerte möglicherweise nicht mehr zu halten.

    Sowohl Dekan Ulrich Reichard als auch Pfarrer Guido Hepke meldeten sich bei dem Informationsabend ebenfalls zu Wort. Dekan Reichard, der Fördermitglied des Vereins "Weilburger Schlosskonzerte" ist, räumte Kommunikationsprobleme ein. Er wünsche sich eine Moderation der weiteren Gespräche. Ziel müsse es sein, "die tollen Schlosskonzerte zu erhalten", sagte der Dekan. Mit Hinblick auf die Kündigung im Jahr 2008 sagte er, dass sich beide Seiten an die Nase packen müssten, dass seitdem nichts gelöst wurde. Es gebe aber klare Signale seitens des Kirchenvorstands und auch der Kirchenleitung.

    Pfarrer Hepke verwies darauf, dass es keine plötzliche Kündigung im vergangenen Jahr gegeben habe. Er sprach von großen Mühen, Konsens in den Verhandlungen zu erzielen. Der Verein hätte sich seit der Kündigung 2008 um stabile Bedingungen kümmern müssen.

    Kirche ist keine Konzerthalle

    Pfarrer Guido Hepke sagte aber auch deutlich, dass die Schlosskirche keine Konzerthalle sei, sondern Gläubigen und auch Touristen zur Verfügung stehen müsse. Ein Sicherheitskonzept, um den Konzertbetrieb in der Kirche zu ermöglichen, sei 2014 von den Behörden bewilligt worden und die Kirche hätte dieses auch mitgetragen. Hepke sprach sich wie Reichard für eine Moderation der weiteren Gespräche aus.

    Miriam Kunz, Geschäftsführerin der Schlosskonzerte, richtete sich in einem emotionalen Statement gegen die Wortwahl und die Art der Vorwürfe an diesem Abend. Sehr deutlich sagte sie: "Wir ziehen während der Schlosskonzerte für zwei Monate mit Sack und Pack in die Kirche ein. Das geht nur, wenn Sie uns haben wollen." Sie räumte aber auch ein, dass der Verein den bisher ausgehandelten Kompromiss hätte unterschreiben sollen. Das hätte zumindest ein Jahr Sicherheit bedeutet. "Viele Engagierte dienen diesem Verein, es hängen aber auch Existenzen daran", sagte Kunz.

    Diez
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