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Hahnstätten/Diez

Bad Schwalbach als Umsteigepunkt: Auf Aartalstrecke sollen zwei Bahnen verkehren

Katrin Maue-Klaeser

Würde eine Citybahn zwischen Wiesbaden und Bad Schwalbach die Aartalbahn schwächen – oder könnte sie sogar den Ausschlag für eine Reaktivierung der Strecke auch auf rheinland-pfälzischer Seite geben? Jedenfalls können Citybahn und Züge des Bahnverkehrs wegen unterschiedlicher Spurbreiten nicht dieselben Gleise nutzen, ein durchgehender Personennahverkehr von Wiesbaden bis Diez/Limburg ist mit der Festlegung Hessens auf die Citybahn also faktisch vom Tisch.

Der Bahnhof Bad Schwalbach – hier in früheren Zeiten mit einem Akkutriebwagen der Baureihe 515 zu sehen – wäre nach den aktuellen Planungen auf hessischer Seite der neue Endhaltepunkt der Aartalbahn und Umsteigebahnhof zur Citybahn, die von dort nach Wiesbaden und Mainz fahren soll. Für Berufspendler eine interessante Lösung – geht Rheinland-Pfalz mit?  Foto: Joachim Seyferth
Der Bahnhof Bad Schwalbach – hier in früheren Zeiten mit einem Akkutriebwagen der Baureihe 515 zu sehen – wäre nach den aktuellen Planungen auf hessischer Seite der neue Endhaltepunkt der Aartalbahn und Umsteigebahnhof zur Citybahn, die von dort nach Wiesbaden und Mainz fahren soll. Für Berufspendler eine interessante Lösung – geht Rheinland-Pfalz mit?
Foto: Joachim Seyferth

„Wir gehen von einem Umsteigepunkt in Bad Schwalbach aus“, erklärt Aarbergens Bürgermeister Udo Scheliga. In Abstimmung mit dem Rheingau-Taunus-Kreis hätten die hessischen Anliegerkommunen der Aartalbahn – Taunusstein, Bad Schwalbach, Hohenstein und Aarbergen – in ihre Haushalte für 2018 Geld für den Ankauf der Strecke eingestellt, berichtet Scheliga. Ziel ist es, den Verkehr der Citybahn von Wiesbaden nach Bad Schwalbach und einen anknüpfenden Bahnverkehr auf der Aartalstrecke zu realisieren. Da die Aartalbahn als Ganzes unter Denkmalschutz steht, ist ein Verkehr der Citybahn nur durch Verlegung einer dritten Schiene auf der bestehenden Trasse denkbar.

„Die Anbindung über die Citybahn an Wiesbaden würde die Attraktivität der Aartalbahn steigern“, ist Hahnstättens Verbandsgemeindebürgermeister Volker Satony überzeugt. Ob oder wie sich die Entwicklung in Hessen auf die Entscheidung diesseits der Landesgrenze auswirkt, ist für ihn allerdings reine Spekulation. Im Hinblick auf eine Minderung des Individualverkehrs meint er: „In einen Zug oder eine S-Bahn steigen die Leute leichter ein als in einen Bus, in dem sie dann auch wieder im Stau stehen.“

Nun hat, während in Rheinland-Pfalz der Landesrechnungshof die Karten in der Hand und noch verdeckt hält, die geplante Citybahn zwischen Mainz, Wiesbaden und Bad Schwalbach eine weitere Hürde genommen: In der hessischen Landeshauptstadt ist mittlerweile die Vorplanung abgeschlossen. Als wirtschaftlichste Variante wurde nun eine Linie vom Kasteler Brückenkopf am Rhein über die Stadtteile Amöneburg und Biebrich bis zum Wiesbadener Hauptbahnhof vorgestellt. Anschließend führt die Linie zur Hochschule RheinMain. Wie die Strecke in Richtung Bad Schwalbach weiter verläuft, stehe hingegen noch nicht fest.

Die Nassauische Touristikbahn äußerte sich allerdings per Durchsage in ihrem „Nikolauszug“ zur Reaktivierung der Aartalbahn: „Die Nassauische Touristikbahn (NTB) und ihre Tochter Aartalbahn Infrastruktur GmbH (ATB) wurden von der Landeshauptstadt Wiesbaden damit betraut, die aufgrund eines Schadens an der Brücke Flachstraße stillgelegte Aartalbahn zu reaktivieren. (…) Die Vorbereitungen für die Wiederinbetriebnahme bis Bad Schwalbach wurden weitgehend abschließend geplant.“ Klaus Wagner, Geschäftsführer der ATB, ergänzt: „Es wird für die Aartalbahn ein Stufenplan mit folgenden Schritten vorgeschlagen: Zunächst geht es darum, die Strecke wieder befahrbar zumachen, damit sie nicht weiter verfällt. Dazu sollten kurzfristig die durch Ausschreibung bereits vergabereif vorbereiteten Brückenreparaturen von Wiesbaden-Ost bis Bad Schwalbach beauftragt werden. Die Gleise sind überprüft und in einem meist guten, auch schnell befahrbaren Zustand, sodass auch der Reparaturaufwand überschaubar ist. Aufwendiger, aber möglich und vorbereitet ist die Reparatur der Bahnübergänge in Taunusstein. Neben der Verwendung der von der Landeshauptstadt Wiesbaden mit dem Betrauungsbescheid bereitgestellten Mittel ist es erforderlich, dass der Rheingau-Taunus-Kreis die vom früheren Landrat Albers vorgelegte und vom Kreistag in der Euphorie der Citybahn abgelehnte Vorlage wieder aufleben lässt.“

Nach einer Untersuchung übersteigt, heißt es aus Wiesbaden, der wirtschaftliche Nutzen der Citybahn die Kosten des Projekts um gut 50 Prozent, das Ergebnis der Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) liegt demnach bei 1,5. Die Berechnung läuft nach einem standardisierten, bundesweit einheitlichen Verfahren ab und berücksichtigt unter anderem Kriterien wie Reisezeiten und Umwelteinwirkungen. Derzeit werden die Kosten für die gesamte Strecke von Bad Schwalbach bis Mainz auf rund 305 Millionen Euro geschätzt. Die ersten Bahnen werden jedoch nicht vor 2022 fahren.

Die NTB ihrerseits „ist zuversichtlich, dass eine gute Lösung gefunden wird, die es gestattet, die angestrebte Mischnutzung für den Personenverkehr der Citybahn als auch den touristischen Verkehr der NTB auf der Strecke der Aartalbahn zu realisieren. Damit würde die landschaftlich reizvolle und unter Denkmalschutz stehende Strecke einer zeitgemäßen Nutzung zugeführt, wie es bei vergleichbaren Strecken bereits gelungen ist“.

„Ich sehe in der ÖPNV-Anbindung eine hohe Wichtigkeit. Ob auf der B 260, B 54 oder B 417 bilden sich im Berufsverkehr immense Staus am Stadteingang von Wiesbaden, in denen die Pendler aus unserer Region jeden Morgen feststecken“, sagt Udo Scheliga. Allein wegen der CO2-Belastung sei ein Umstieg auf die Schiene erstrebenswert. Auch gebe es derzeit Pendler, die mit dem Wagen zum Limburger ICE-Halt fahren, um von dort mit dem Schnellzug weiterzufahren. Für sie wäre die Reaktivierung auf rheinland-pfälzischer Seite wichtig. Wie es jenseits der Landesgrenze weitergeht, bleibt Sache der Rheinland-Pfälzer. Allerdings gibt Aarbergens Bürgermeister noch zu bedenken: „Als der Personenverkehr der Aartalbahn eingestellt wurde, fuhr sie noch im selben Takt wie bei ihrer Eröffnung vor mehr als 100 Jahren – von Aarbergen-Michelbach nach Wiesbaden-Hauptbahnhof brauchte man eineinviertel Stunden. Die Verbindung könnte heute viel attraktiver gestaltet werden.“

Von unserer Redakteurin Katrin Maue-Klaeser

So sieht es der Diezer VG-Bürgermeister

Michael Schnatz antwortet auf unsere Anfrage: „Wenn zwei im Kontext stehende Projekte ernsthaft diskutiert und zielorientiert Entscheidungen getroffen werden sollen, dann sollten aus meiner Sicht auch die gegenseitigen Wechselwirkungen der Projekte in die Entscheidungsfindungsprozesse eingebunden werden. Ihre Frage nach einer Anbindung mit Umsteigepunkt in Bad Schwalbach als Alternative zum Pendeln per Pkw wird jeder Pendler für sich selbst beantworten müssen. Ich selbst bin für fast zwei Jahre täglich mit der Bahn zwischen Darmstadt und Wiesbaden gependelt.

Das war für mich auch und besonders deshalb attraktiv, weil die Straßen zwischen den Städten am frühen Morgen und am Abend voll waren, ich nicht umsteigen musste und ein verlässliches‚Tür-zu-Tür-Angebot‘ vorhanden war.“

Diez
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