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Limburg/Frankfurt

Anklage gegen Kinderpornoring im Darknet: Drahtzieher aus der Region Limburg

Im vergangenen Sommer sind die Behörden einer weltweiten Kinderpornoplattform auf die Spur gekommen – gesteuert aus dem ländlichen Raum bei Limburg. Jetzt soll die Führungsriege vor Gericht. Anderswo sind bereits Urteile ergangen.

Ein Screenshot einer Login-Seite der Kinderpornografieplattform Elysium wird am Rande einer Pressekonferenz von Bundeskriminalamt (BKA) und Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt in Wiesbaden auf einem Monitor präsentiert. Foto:  dpa
Ein Screenshot einer Login-Seite der Kinderpornografieplattform Elysium wird am Rande einer Pressekonferenz von Bundeskriminalamt (BKA) und Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt in Wiesbaden auf einem Monitor präsentiert.
Foto: dpa

Zehn Monate nach dem Zerschlagen der internationalen kinderpornografischen Plattform Elysium hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt Anklage gegen die mutmaßlichen Hauptverantwortlichen erhoben. Den vier Männern im Alter von 40 bis 62 Jahren wird die bandenmäßige Verbreitung einschlägiger Schriften im Darknet – dem verborgenen Teil des Internets – vorgeworfen.

Darunter waren Bild- und Videodaten mit Aufnahmen schwersten sexuellen Missbrauchs, auch von Kleinkindern. Diese waren von Nutzern der Plattform teils selbst für entsprechende Aufnahmen missbraucht worden. Den Angeschuldigten, die weiterhin in Untersuchungshaft sitzen, soll jetzt vor dem Landgericht Limburg der Prozess gemacht werden. Dieser könnte im Spätsommer/Frühherbst beginnen, sagte am Dienstag der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Georg Ungefuk. Zunächst müsse aber das Gericht die Anklageschrift zur Hauptverhandlung zulassen.

Als die beiden zentralen Figuren beim Aufbau der Plattform sieht die Anklagebehörde einen 40 Jahre alten Mann aus dem Kreis Limburg-Weilburg sowie einen 58-Jährigen aus dem Landkreis Tübingen (Baden-Württemberg). Der 40-Jährige soll für den Betrieb des Servers verantwortlich gewesen sein und allein Zugriff darauf gehabt haben. Dafür habe er in seinem Unternehmen eine Computeranlage und Internetanschluss zur Verfügung gestellt.

Der 58-Jährige soll die Programme für die Plattform geschrieben und auf der Webseite eingerichtet haben. Er hat laut Anklagebehörde bereits eine führende Rolle beim amerikanischen „Elysium“-Vorgänger „Giftbox Exchange“ gespielt. Dessen Betreiber wurden inzwischen in den USA verurteilt.

Zwei Männern im Alter von 47 Jahren und 62 Jahren aus dem Main-Tauber-Kreis (Baden-Württemberg) und aus Landsberg/Lech (Bayern) wird vorgeworfen, die Funktion von Moderatoren und Chat-Administratoren bei „Elysium“ übernommen zu haben. Der 62-Jährige soll nach Kontaktanbahnung auf der Plattform mit einem Österreicher dessen zwei Kinder im Alter von vier und sechs Jahren mehrfach sexuell missbraucht und dies für Aufnahmen benutzt haben.

Insgesamt haben die Ermittler inzwischen mehr als 111 000 Mitgliederkonten bei „Elysium“ gefunden. Da es aber Mehrfachkonten gegeben habe, schätzt Ungefuk die Nutzer auf eine hohe „fünfstellige Zahl“. Im vergangenen Juli hatte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, die bei der Internetkriminalität bundesweit führend ermittelt, von 87 000 Nutzern gesprochen. Damals wurden insgesamt 14 Verdächtige festgenommen – auch in Österreich. Inzwischen sind im Fall von „Elysium“ bereits einige Verfahren vor Gericht beendet worden. Das Landgericht Dresden verurteilte Anfang des Jahres einen Ingenieur wegen Missbrauchs zwei Kinder zu fünfeinhalb Jahren. Der Mann, der auch in einer Pfarrgemeinde aktiv war, hatte Fotos und Videoaufnahmen von den Kindern angefertigt.

Erst vor wenigen Tagen endete ein Prozess vor dem Landgericht Wien mit drei Schuldsprüchen und hohen Haftstrafen von bis zu 14 Jahren. Ein Mann hatte sich jahrelang an seinen Kindern vergangen und die Aufnahmen dann auf eine Chatplattform gestellt. Später filmte er auch Kinder von Bekannten und Verwandten, die man ihm zur Aufsicht überlassen hatte.

Hohe Haftstrafen drohen auch den vier Männern der mutmaßlichen Führungsriege. Im Darknet sollen sich sie nur über digitale Identitäten, sogenannte Nicknames, gekannt haben. „Im Falle einer Hauptverhandlung würden sich die Angeschuldigten zum ersten Mal persönlich begegnen“, sagte Ungefuk am Dienstag.

Diez
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