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    Ahrweiler

    Wirt in Klinik: Kneipe von Thekenteam weitergeführt

    Eine regelrechte Institution ist für viele Gäste seit über 25 Jahren die Ahrweiler Musikkneipe „Pumpe“. Das Besondere an ihr ist nicht nur, dass hier Menschen vom Teenager- bis ins Rentenalter und aller Gesellschaftsschichten ein und aus gehen. Sondern auch die Solidarität der Thekenmannschaft, die nach der urplötzlichen, schweren Erkrankung des Pumpenwirts Ralf Krogull im Frühjahr den Laden am Laufen hält. Und das, obwohl sie alle auch noch hauptberuflichen Tätigkeiten nachgehen.

    Ein Bild aus glücklicheren Tagen – Pumpenwirt Ralf Krogull (links) mitMario Pahl (Suppenhilde) von der Thekenmannschaft. Foto: privat
    Ein Bild aus glücklicheren Tagen – Pumpenwirt Ralf Krogull (links) mitMario Pahl (Suppenhilde) von der Thekenmannschaft.
    Foto: privat

    An einem Stehtisch genießt ein vornehm gekleideter älterer Herr seinen Feierabendwein. Die ersten Gäste trudeln ein. Einer kommt an den Tisch und sagt: „Ich weiß zwar nicht, worum es hier geht, aber der Ralf, das ist ein Supertyp.“

    Helge Dörr, Markus Schulz und Franzi Hildebrandt, die die Thekenmannschaft bilden, erinnern sich nur zu gut an den Tag im März, als sich die Welt für Ralf Krogull und seine Lebensgefährtin Peggy dramatisch veränderte. „Ich kam in den Laden und fand Peggy in Tränen aufgelöst vor – ich dachte, das sei noch wegen der Beerdigung eines Stammkunden und Freundes, den wir einen Tag zuvor zu Grabe getragen hatten“, erzählt Markus Schulz. Die Nachricht, dass Ralf Krogull wegen eines geplatzten Aneurysmas auf der Intensivstation der Bonner Uni-Neurologie liegt, war für alle wie ein Schlag in die Magengrube. „Er war am Abend vorher schon so merkwürdig still“, erinnert sich Helge Dörr. „Wir haben dann nicht auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht, was wir nun machen – ich habe die Thekendienste eingeteilt, und seitdem halten wir hier die Fahne hoch“, erzählt Dörr, der im Hauptberuf am Universitätsklinikum Bonn arbeitet.

    „Wir“, das sind neben Krogulls Lebensgefährtin Peggy Zwickert er selbst, Markus Schulz, Franzi Hildebrandt, Sandy Röder und Mario Pahl, der von allen nur „Suppenhilde“ genannt wird, weil er mehrfach schon als Benefizveranstaltung für das Hospiz ein großes Suppenessen veranstaltet hat. Für die Thekenmannschaft war es selbstverständlich, dass sie den Betrieb der Pumpe als einzige Einnahmequelle von Krogull und Peggy Zwickert aufrechterhalten wollen. „Der Laden hier basiert auf Freundschaft, er ist unser aller Wohnzimmer“, erklärt Markus Schulz.

    Ralf Krogull liegt derzeit immer noch in der Bonner Klinik. „Es geht ihm nach wie vor nicht gut und die Zukunft ist ungewiss“, sagt Helge Dörr leise. Einige hätten Ralf viel zu verdanken, in der Pumpe wurde schon so manch schicksalhafte Weiche gestellt. „Ihr seid alle meine Mütter und Väter“, hatte mal ein junger Mann der Thekenmannschaft attestiert, nachdem diese ihn unter ihre Fittiche genommen und ihm einen anderen Berufsweg empfohlen hatten.

    Ein Erlebnis, das Helge Dörr mit Ralf Krogull hatte, beschreibt für ihn am besten dessen Charakter. „Der Laden war gerammelt voll, und er hörte nur, wie einer sagte: ,Ich lasse mein ganzes Geld bei euch, ich kann mir noch nicht mal ein paar neue Schuhe leisten.‘“ Einige Tage später stand ein Paketbote vor der Tür des Gastes, in der Hand ein Paket von einem Online-Schuhhändler. Krogull hatte an dem Abend irgendwie sogar die Schuhgröße des Gastes herausgefunden.

    Wer in die Pumpe geht, weiß am besten, dass hier Ehrlichkeit, Freundlichkeit und Respekt oberste Priorität haben. „Hier kann man als Frau auch alleine hinkommen, und Eltern müssen sich keine Sorgen um ihre Sprösslinge machen – wir achten hier aufeinander“, umschreibt Dörr die Regeln. Man habe auch nichts dagegen, wenn Gäste den Laden mit einem freundlichen „Hallo“ betreten und auch sonst einen höflichen Umgang pflegen. Andernfalls müsse der Gast eben damit rechnen „eingenordet“ zu werden.

    Wie groß die Solidarität der Gäste ist, zeigte sich schon mehrfach an spontanen Hilfseinsätzen. Etwa, als es darum ging, ein Stromproblem zu lösen oder eine herabgestürzte Decke zu erneuern. An Heiligabend und Silvester treffen sich in der Pumpe alte Freunde, die ihre Eltern oder Großeltern in Ahrweiler besuchen. Als wahrer Kommunikations-Schmelztiegel werden in der Musikkneipe Handwerker, Ausbildungen, Autos oder Traubenleser vermittelt. Oder Ehemänner. „Ich habe hier meinen Mann kennengelernt“, sagt Franzi Hildebrandt schmunzelnd. „Kommt uns besuchen, und helft so mit, dass wir den Laden weiter rocken können“, spricht Helge Dörr eine herzliche Einladung aus. Die Pumpe hat täglich von 18 Uhr geöffnet. Und zwar so lange, bis der Diensthabende beschließt, wann Feierabend ist.

    Von unserer Mitarbeiterin
    Judith Schumacher

    Bad Neuenahr-Ahrweiler
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