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    Vier Pferde fast verhungert: Tierschützer klagen Ignoranz in Altenahr an

    Die Vorwürfe des Pferdeschutzvereins Vier Hufe aus Trittau (Schleswig-Holstein) wiegen schwer: Auf einer Wiese in Kreuzberg verhungern vier Pferde unter nicht verantwortbaren Haltungsbedingungen, und der Amtstierarzt in der Kreisverwaltung Ahrweiler unternimmt nichts.

    Dieser abgemagerte Fuchs ist eines der vier Pferde in Kreuzberg, die Tierschützer im Fokus haben. Inzwischen ist er woanders untergebracht.
    Dieser abgemagerte Fuchs ist eines der vier Pferde in Kreuzberg, die Tierschützer im Fokus haben. Inzwischen ist er woanders untergebracht.
    Foto: honorarfrei

    Von unserer Redakteurin Beate Au

    Mit dem befreundeten Verein Silencio aus Kretz haben die Tierschützer am Wochenende alle Hebel in Bewegung gesetzt und massiven öffentlichen Druck gegen Untätigkeit erzeugt, nachdem sie am Freitag zu der Koppel in Kreuzberg vorgedrungen waren und die abgemagerten Pferde fotografiert hatten. Inzwischen hat die Behörde reagiert: Seit Samstag sind die Tiere in einem anderen Stall untergebracht. Dort kontrolliert der Amtstierarzt des Veterinäramtes die Haltung und Fütterung der Tiere wöchentlich.

    Die entsetzten Tierschützer haben die Staatsanwaltschaft Koblenz eingeschaltet. Formelle Strafanzeigen gegen den Halter und gegen den Amtstierarzt werden gestellt, sagt Roger Hufnagel vom Vorstand des Pferdeschutzvereins Vier Hufe, der ebenso wie Silencio einen Gnadenhof für Pferde unterhält. Außerdem hat Hufnagel eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Amtstierarzt bei der rheinland-pfälzischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken eingereicht und den Tierschutzbeirat des Landes informiert. Im Internet ruft Vier Hufe dazu auf, sich der Kampagne anzuschließen.

    Auf RZ-Anfrage bestätigte am Montag die Staatsanwaltschaft Koblenz für diesen Fall ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Nun soll ermittelt werden, ob die Pferde mangelhaft gehalten wurden. Eine Anzeige gegen den Leiter des Veterinäramts liege nicht vor, das Verfahren richte sich auch nicht gegen ihn, heißt es aus der Pressestelle der Staatsanwaltschaft.

    Der Halter, ein 51-jähriger Frührentner, sieht sich zu Unrecht beschuldigt. "Das sind Gnadenbrotpferde, 20 Jahre alt", erklärt er gegenüber der RZ, die ihn am Montag in Kreuzberg aufsuchte. Er habe die Tiere "aus Barmherzigkeit" aufgenommen. Was ihn das kostet, könne er mit Futterrechnungen belegen. Im Keller präsentiert er Vorräte an Zuckerschnitzel, Altersmüsli und Pferdeergänzungsfutter, die er an die Tiere verfüttert habe.

    Auf dem Grundstück lagern nun reihenweise Heuballen, die er jetzt verschenken will. Eine Erweiterung des Unterstandes sei in Planung gewesen. "Ich hätte ihn nächste Woche neu und winterfest gemacht", erzählt er und dass er damit eine der Auflagen, die ihm der Amtstierarzt neben einem veränderten Ernährungsplan aufgeben habe, erfüllt hätte. "Mit mir hat keiner der Tierschützer geredet", meint er. Ihren Anschuldigungen entgegnet er: "Ich lebe sparsam. Ehe ich mir eine Jeans leiste, kaufe ich liebe Futter."

    Das Veterinäramt der Kreisverwaltung gibt an, am 18. November auf die Pferdehaltung in Kreuzberg hingewiesen worden zu sein. Und weiter: "Der Amtstierarzt war am selben Tag am Ort, um den Gesundheitszustand und die Haltungsbedingungen der Pferde zu überprüfen. Ergebnis: Futter und Wasser waren hinreichend vorhanden. Der Ernährungszustand der Pferde war mäßig bis schlecht. Dem Halter war sofort auferlegt worden, die Mängel unverzüglich zu beseitigen. Dies betraf auch die Herrichtung des Unterstandes und der Weide." Nachdem sich am Freitag und Samstag nichts verändert hatte, übergab das Veterinäramt die Tiere in eine geeignete Pflege.

    "Das hätte die Behörde früher tun sollen", findet Barbara Töpfer, Vorsitzende des Bonner Tierschutzvereins und verantwortlich für den Eifelhof in Frankenau, wo 16 Gnadenbrotpferde untergebracht sind. Sie ist seit 30 Jahren im Tierschutz engagiert und kennt viele Fälle, in denen Menschen aus falsch verstandener Tierliebe Pferde, Katzen oder Hunde aufnehmen und anschließend organisatorisch und finanziell überfordert sind. "Die Pferde überleben den Winter nicht, wenn sie so geschwächt sind", weiß sie aus Erfahrung. Außerdem müsse man die Tiere beim Fressen beaufsichtigen und dafür sorgen, dass die Stärkeren den Schwachen nicht alles wegfressen. Bei älteren Tieren könnten auch Zahnprobleme oder Krankheiten zu einer schlechteren Nahrungsaufnahme führen. "Ein paar Heuballen befreien diesen Halter nicht von der Schuld, die Tiere völlig vernachlässigt zu haben." Auch dieser Fall sei eine Mahnung: "Tiere zu sich zu nehmen, bedeutet eine ständige Verantwortung."

     

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