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Sinzigs neuer Bürgermeister Geron: Dienstwagenaffäre ist Sache der Politik

Eine neue Stehlampe, ein Stehpult, ein Computerbildschirm: Mehr hat Andreas Geron nicht verändert in seinem neuen Büro im ersten Stock des Sinziger Rathauses. Als neuer Bürgermeister bewohnt er seit einem Monat den Raum, in dem in den 16 Jahren zuvor Wolfgang Kroeger gewirkt hat.

Sinzigs neuer Bürgermeister Andreas Geron an seinem Schreibtisch im ersten Stock des Rathauses.
Sinzigs neuer Bürgermeister Andreas Geron an seinem Schreibtisch im ersten Stock des Rathauses.
Foto: Jan Lindner

Zu seinem Vorgänger Kroeger hatte Geron seit seinem Amtsantritt keinen Kontakt, wie er sagt. Es gab nur Anfang Dezember ein kurzes Gespräch. Wie er Kroegers Dienstwagenaffäre behandelt und wie es bei Nahversorgungszentrum und Bahnhof weitergeht, darüber spricht Geron im RZ-Interview.

Herr Geron, wie hat der neue Sinziger Bürgermeister den ersten Monat erlebt? Ist sehr viel Neues auf Sie eingeprasselt?

Ja, das Amt ist sehr vielgestaltig. Es reicht von der Frage, wie man eine Urkunde für Altersjubilare gestaltet bis zu der Frage, bei welcher Orkanstärke eine Bestattung abgesagt werden muss. Es ist ein bunter Strauß an Aufgaben, die ich vorher so nicht hatte. Aber es macht mir großen Spaß. Es kommt mir zugute, dass ich aus Sinzig bin, hier wohne und mich hier auskenne. Und, dass ich mich durch die Bürgerinitiative auch seit mehreren Jahren mit der Stadtpolitik befasst habe.

Welche Termine haben Sie in den ersten Wochen wahrgenommen?

Es gab viele Menschen, die sich vorgestellt haben, etwa von Vereinen, Institutionen und Interessenverbänden. Nächste Woche gibt es ein Gespräch mit den Fraktionssprechern des Stadtrats. Und ich habe viele Personalgespräche mit meinen neuen Mitarbeitern in der Verwaltung geführt. Da hat ein Gespräch teilweise zwei bis drei Stunden gedauert.

Wie sind Sie von Ihren neuen Mitarbeitern in der Verwaltung aufgenommen worden?

Sehr freundlich. Ich bin auf sehr viel Kompetenz, Motivation, Erfahrung und auf viele Ideen gestoßen. Grade auch unterhalb der Fachleiterebene gibt es einige, die mir schon Vorschläge zu Organisation und Strukturen gemacht haben. Das finde ich gut und höre es mir gerne an.

In den vergangenen Wochen und Monaten war immer wieder von einem angespannten Klima in der Verwaltung die Rede, von Verunsicherung und Angst.

Es gibt Spannungen, da stehe ich weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Die Ursachen mögen teilweise in der Vergangenheit liegen. Ich möchte eine vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre schaffen und dadurch versuchen, diese Spannungen zu lösen.

Ernst Straatman wird ab März wieder Büroleiter. Sicher auch, weil Hans-Joachim Weiß in Pension geht. Stehen demnächst weitere Personalia an?

Um das beurteilen zu können, dafür ist es noch zu früh. Ich habe aber schon konkrete Ideen für Umstrukturierungen, unabhängig von Personen. Einige Strukturen sind über die Zeit festgefahren, da sind etwa drei, vier Mitarbeiter für einen Prozess zuständig. Das möchte ich schnell ändern.

Die Dienstwagenaffäre, die Ihr Vorgänger Kroeger ausgelöst hat, liegt jetzt auf Ihrem Schreibtisch. Die Fragen des Landesrechnungshofs richten sich an Sie. Hatten Sie schon Kontakt nach Speyer?

Bislang nicht.

Auf der politischen Ebene arbeitet der Rechnungsprüfungsausschuss die Vorwürfe der Kontrollbehörde auf ...

... und das ist auch richtig so. Da halte ich mich raus und habe auch die Sitzung des Ausschusses am Dienstag nicht besucht, weil ich den Blick nach vorne richten will. Aber klar ist: Wenn es notwendig ist, werde ich mich um die Angelegenheit kümmern.

Am ehemaligen Rick-Gelände gab es kürzlich Rodungsarbeiten. Ein Indiz dafür, dass es beim Nahversorgungszentrum vorangeht?

Rodungsarbeiten sind zwischen November und Februar zulässig und Sache des Eigentümers. Das heißt aber nicht, dass etwa der Spatenstich unmittelbar bevorsteht.

Wie ist der aktuelle Stand in Sachen NVZ, wie geht es weiter?

Derzeit gibt es bei der Kreisverwaltung ein raumordnerisches Verfahren. Die maßgebliche und entscheidende Willensbildung steht noch bevor. Es müssen noch viele Gutachten eingeholt werden zu Wasser- und Denkmalschutz, von Energieversorgern und Nachbargemeinden. Und auch die umfangreiche Öffentlichkeitsbeteiligung steht noch bevor. Dann werden alle Einwendungen – Pro und Contra – umfangreich abgewogen. Und erst dann stimmt der Stadtrat über den Bebauungsplan ab.

Wann rechnen Sie mit der endgültigen Entscheidung des Stadtrats?

Das ist schwer zu sagen, es werden noch viele Monate vergehen ...

... also nach den Sommerferien?

Wie gesagt: Das kann ich derzeit nicht seriös abschätzen.

Hatten Sie schon Kontakt zum Investor, dem Neuwieder Bauunternehmer Klaus Alsdorf?

Nein. Es ist aber ein Gespräch mit dem zuständigen Projektentwickler geplant.

Ein weiteres Sinziger Topthema ist der Bahnhofsumbau. Hier hat es ganz schön gehakt. Können Sie sagen, dass die Arbeiten rechtzeitig fertig sind, damit der Rhein-Ruhr-Express im Juni 2019 in Sinzig hält?

Ich bin zuversichtlich, dass wir es rechtzeitig schaffen, ja. Vorausgesetzt, es passiert nichts Überraschendes. Ein Problem ist, dass an dem Umbau sehr viele Behörden beteiligt sind. Ich hätte mich jedenfalls gefreut, wenn Sinzig dieses Großprojekt früher angegangen wäre.

Jetzt ist 2018 schon einen Monat alt, aber der Haushalt noch nicht beraten.

Mein Vorgänger Wolfgang Kroeger hat vorgeschlagen, dass ich die Beratungen leiten soll. Das war auch vernünftig so. Ende Februar finden die Haushaltsberatungen im Haupt- und Finanzausschuss statt. Am 22. März berät der Stadtrat über den Entwurf.

Welche größeren Themen beschäftigen Sie derzeit noch?

Ich möchte, wie schon im Stadtrat gesagt, dass sich Sinzig seinen Zugang zum Rhein besser erschließt. Im Rahmen der Kanalsanierung der Panzerstraße könnten hier 2019 Parkplätze im deutlich zweistelligen Bereich entstehen. Dann hätte die Bezeichnung Sinzig am Rhein auch wieder einen Sinn.

Ein Thema, das die Sinziger seit langem beschäftigt, ist der Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses. Wann ist es so weit?

Da möchte ich mich derzeit nicht auf eine konkrete Jahreszahl festlegen.

Das Interview führten Judith Schumacher und Jan Lindner

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