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Sinzig

Sinziger Zugpendler bangen: Behördenposse verzögert Bahnhofsumbau

Ab Juni 2019 wird der Rhein-Ruhr-Express (RRX) zur wichtigsten Regionalzug-Verbindung am Mittelrhein. Damit der Zug auch in Sinzig halten kann, müssen die Bahnsteige angehoben werden. Doch der insgesamt 11 Millionen Euro teure Umbau des Bahnhofs ist arg ins Stocken geraten. Schauen also künftig 1100 Pendler in die Röhre? Und das alles wegen einer peinlichen Behördenposse?

Endlich: Der Umbau des Sinziger Bahnhofs geht bald weiter.
Endlich: Der Umbau des Sinziger Bahnhofs geht bald weiter.
Foto: Jan Lindner

Klar ist: Die Zeit drängt enorm. Es ist fünf vor zwölf. Bis zum 8. Juni 2019 müssen die Bahnsteige 1, 2 und 3 erhöht werden. Dies jeweils auf einer Länge von 180 Metern und um eine Höhe von 76 Zentimetern (Bahnsteig 1/2) und 55 Zentimetern (3). Werden die Arbeiten bis dahin nicht fertig, rauscht der RRX ohne Zwischenstopp durch den Sinziger Bahnhof.

Die Arbeiten haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder und aus verschiedenen Gründen verzögert. Der erste Auftrag der Stadt Sinzig an ein Bopparder Planungsbüro datiert von Juli 1999. In drei Abschnitten wollte die Stadt das Bahnhofsumfeld sanieren, einen Park-and-Ride-Parkplatz bauen sowie drittens das Areal barrierefrei erschließen: Dazu sind zwei Aufzüge notwendig, dazu muss die Personenunterführung verbreitert und verlängert werden.

Die Arbeiten des dritten Abschnitts stehen noch aus (Kosten: 1,63 Millionen Euro). Erst wenn diese fast fertig respektive abgeschlossen sind, kann die Bahn die Bahnsteige erhöhen. Die Erhöhung soll eigentlich am 6. Juli 2018 beginnen.

Allerdings hat sich die Maßnahme dritter Bauabschnitt um einige Monate verzögert. Schuld daran ist, so legt es ein Schriftverkehr nahe, der der RZ vorliegt, nicht die Stadt Sinzig, sondern verschiedene Behörden. So haben Landesrechnungshof (LRH), Landesbetrieb für Mobilität (LBM) und das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium Monate gebraucht, um ihre Zuständigkeiten zu klären – besonders der LBM hat wertvolle Zeit vergeudet.

Am 11. Juli 2017 haben die Sinziger den dritten Bauabschnitt beim LBM vorgestellt und besprochen. Neun Tage später reichte das städtische Bauamt den Antrag auf Förderung und Zustimmung zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn beim LBM ein. Bevor die Bewilligung nicht erteilt ist, können die einzelnen Gewerke nicht ausgeschrieben werden.

Am 31. August, fast sechs Wochen später, stellt man beim LBM fest, dass die Stadtverwaltung den Antrag auch an die Fachabteilung des rheinland-pfälzischen Verkehrsministeriums schicken muss. Zugleich erklärt der LBM der Stadt jetzt, dass er für den Antrag auf vorzeitigen Maßnahmenbeginn doch nicht zuständig sei. Dabei hatte ein Mitarbeiter der Behörde zuvor ausdrücklich das Gegenteil behauptet.

Dieser Anregung kommt die Stadtverwaltung recht schnell nach. Am 5. September richtet sie ein gleichlautendes Antragsschreiben an die Fachabteilung von Verkehrsminister Volker Wissing (FDP). Genau drei Wochen später, also am 26. September, erhält die Stadt eine E-Mail des LBM. Obwohl die Behörde zuvor bekanntlich die Zuständigkeit abgestritten hatte. Jedenfalls wird die Stadt Sinzig in dieser Mail aufgefordert, den Antrag auf vorzeitigen Maßnahmenbeginn nun auch noch direkt an den Landesrechnungshof zu richten.

Am 28. September kommt die Stadt dieser Aufforderung nach und schickt den Antrag nach Speyer. Dazu muss man wissen: Schon vor sechs Jahren hat die Stadt das Millionen-Projekt dem Landesrechnungshof vorgestellt – der damals keine Bedenken an der Umsetzung hatte.

Nun dauert es bis zum 20. November, ehe in der Sinziger Verwaltung ein Dreizeiler zur Kenntnisnahme eingeht, den der Landesrechnungshof an den LBM geschickt hat. Darin heißt es: „Der Rechnungshof sieht von einer Prüfung der oben genannten Maßnahme ab. Die nachgängige Prüfung behalten wir uns vor. Bitte senden Sie uns den Bewilligungsbescheid mit dem Prüfvermerk zu.“

Dieser Bewilligungsbescheid ist bis heute nicht in Sinzig eingetroffen. Der Stadt rennt die Zeit davon. Ihren Pendlern droht, dass sie von dieser für sie so wichtigen Bahnlinie abgehängt werden.

Von unserem Redakteur Jan Lindner

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