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    Pflege: Mehr als Bettpfannen wechseln

    Altenpflege ist anstrengend, physisch wie psychisch. Arbeit im Schichtdienst. Den Tod sehen. Ein Knochenjob. Dennoch hat sich Jenny Laska für diesen Beruf entschieden. Die 39-Jährige ist eine von insgesamt 165 Auszubildenden in diesem Gesundheitsberuf, der an der Berufsbildenden Schule (BBS) in Bad Neuenahr-Ahrweiler mit je zwei Klassen pro Lehrjahr vertreten ist.

    Schüler der BBS diskutierten mit Politikern über das Thema Demografie.  Foto: Vollrath
    Schüler der BBS diskutierten mit Politikern über das Thema Demografie.
    Foto: Vollrath

    Insgesamt sind es 165 Schüler in einer Branche, die dringend Nachwuchs braucht und gegen ein schlechtes Image kämpft. „Wir sind keine Bettpfannenträger“, sagt Jenny Laska am Rande der BBS-Veranstaltung World-Café. Ein Forum, bei dem sich junge Menschen innerhalb der dritten Demografie-Woche des Landes Rheinland-Pfalz am Montagmorgen mit Themen wie Leben im Alter, Gesundheit und Pflege auseinandersetzten.

    Die damit verbundenen Probleme sind bei der jungen Generation heute präsenter als früher. Das erlebten bei der Diskussion auch die externen Gäste, darunter Marcel Hürter (Präsident des Statistischen Landesamtes), die Landtagsabgeordneten Horst Gies (CDU) und Andreas Hartenfels (Bündnis 90/Grüne) sowie Elmar Schmitz, Vorstand der Volksbank Rhein-Ahr-Eifel. Anja Weischedel ist der Motor für das World-Café, das in der Schule das Bewusstsein für den demografischen Wandel schärft.

    „Geredet wird viel, gehandelt wird nicht“, so der Eindruck, den mit Jenny Laska viele junge Menschen teilen. Angst macht ihnen ein Generationenvertrag, der ohne hinzukommende Generationen nicht mehr funktionieren wird, sowohl bei der Rente, vor allem bei der Pflege. Da lobt Jenny Laska beispielsweise das skandinavische Modell, wo die Pflege als zentrale Aufgabe des Staates verstanden wird. „So könnten die Menschen angstfrei alt werden“, findet sie.

    Die BBS fördert den Blick über den Tellerrand. Anja Weischedel und Fachbereichsleiter Gerhard Lügger boten den Schülern innerhalb eines Studienausflugs in diesem Jahr die Möglichkeit, eine vorbildliche Pflegeeinrichtung in Luxemburg zu besuchen, in der über 300, oft sehr hochbetagte Menschen professionell umsorgt werden. In Luxemburg wird der Pflegebedarf individuell für jeden zu pflegenden Bewohner auf Minutenbasis ermittelt, und daraus wird der Mindestbedarf an qualifiziertem Pflegepersonal abgeleitet. Weischedel und Lügger wollen das Ansehen der Pflegeberufe weiter stärken. Schnupperpraktika und Informationsfahrten ins Ausland sind geplant. „Wir möchten, dass die Schüler ihren Horizont erweitern und mit Ideen zurückkommen“, so Weischedel.

    Was Jenny Laska oder ihr Mitschüler Florian Gromes in Deutschland erleben, ist der schwer zu kompensierende Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal. Auch mit Zuwanderung sei das nicht so einfach auszugleichen, wenn Sprachkenntnisse fehlen. „Die Menschen, vor allem wenn sie unter Demenz leiden, müssen in ihrer Muttersprache angesprochen werden“, weiß Weischedel.

    Familienfreundlichere Arbeitszeiten, mehr Anerkennung, gerechtere Bezahlung – das ist es, was sich die angehenden Altenpfleger für die Zukunft wünschen. Für einen Beruf, den sie anders wahrnehmen als das Image, das er in der Öffentlichkeit hat. Altenpflege zieht sehr unterschiedlichen Menschen an. Ihnen allen gemeinsam ist eine soziale Ader oder eine Biografie, die sie auf diesen Weg geführt hat. Anja, erst 16, hat sich nach einem freiwilligen sozialen Jahr dafür entschieden. „Ich wurde bereits in der ersten Woche mit dem Tod konfrontiert. Aber ich habe gemerkt: Damit komme ich zurecht“, sagt sie und kennt auch die Reaktionen von Gleichaltrigen: Ich könnte das nie! Dagmar Huskamp-Felcmann stieg mit über 50 Jahren in die Altenpflege ein. Sie hatte gemerkt, dass sie einen Draht zu älteren Menschen hat. Für Jenny Laska hat es etwas „Erhabenes, Menschen in allen Phasen ihres Lebens würdig zu begleiten.“ Motivationen von Menschen, die um mehr Wertschätzung für ihre Arbeit ringen, und denen es nicht reicht zu hören: Ihr werdet mal nicht arbeitslos.

    Von unserem Redakteurin Beate Au

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