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    Neustart: Gläubiger stimmen Insolvenzplan zu

    Das vorläufig letzte Kapitel der Insolvenz der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr (AGBN) ist geschrieben.

    Das Steigenberger Hotel, das Kurhaus und weitere Immobilen der AG Bad Neuenahr gehören künftig dem Unternehmer Brogsitter.  Foto: Vollrath
    Das Steigenberger Hotel, das Kurhaus und weitere Immobilen der AG Bad Neuenahr gehören künftig dem Unternehmer Brogsitter.
    Foto: Vollrath

    Der vom Insolvenzverwalter Jens Lieser beim Amtsgericht Bad Neuenahr eingereichte Insolvenzplan ist am Donnerstag beim Erörterungs- und Abstimmungstermin von allen Gläubigergruppen sowie den Aktionärsvertretern angenommen worden. Neuer Eigentümer der AG wird der von Bad Neuenahr-Ahrweiler und der Grafschaft aus agierende Kaufmann Hans-Joachim Brogsitter mit seiner Firmengruppe. 20 Millionen Euro ist ihm das Geschäft wert.

    Alle Gläubigergruppen stimmten zwischen 90 bis 100 Prozent ihrer Stimmen für die Umsetzung des Insolvenzplans. Der Insolvenzplan ist vom Gericht bestätigt. Allerdings ist noch keine Rechtskräftigkeit eingetreten, weil die Rechtsmittelfrist noch läuft. Dies vorausgesetzt, wird die 1860 gegründete Aktiengesellschaft mit 25 unbebauten, 23 bebauten sowie zehn Erbbaugrundstücken in den Besitz von Hans-Joachim Brogsitter übergehen. Brogsitter kommt so unter anderem in den Besitz des Steigenberger Hotels, des Kurhaussaales und des historischen Badehauses. Verkauft wurden im Rahmen der Insolvenzverfahrens unter anderem die Seniorenresidenz „Villa Sibilla“ und das ebenfalls zum AG-Besitz gehörende Gebäude der Privatschule „Carpe Diem“. Zu den 20 Millionen Euro kommen auf Brogsitter noch Millioneninvestitionen zu, um die jetzt erworbenen Immobilien zu erhalten und profitabel zu betreiben. Allein im Steigenberger Hotel sind die neuen Besitzer aus einem Vertrag der „AGBN alt“ verpflichtet, rund sechs Millionen Euro in das Gebäude zu investieren.

    Zum Prozedere: Bei dem Verkauf wird bei der AGBN, die in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft geführt wird, das Grundkapital im Zuge einer Kapitalherabsetzung von zwei Millionen Euro auf Null gesetzt. Unmittelbar danach findet durch die neuen Investoren eine Kapitalerhöhung auf wiederum zwei Millionen Euro mit zwei Millionen Aktien für je einen Euro statt.

    Die bisherigen Aktionäre der AGBN gehen bei diesem Verfahren leer aus. Die Gläubiger der AG, 340 Firmen und Einzelpersonen vom Eigentümer eines 50-Euro-Gutscheins bis hin zum Pensionssicherungsverein mit Ansprüchen von rund 3,8 Millionen Euro, geben sich vorerst mit 41,4 Prozent ihrer Forderungen zufrieden. Sollten die vom Insolvenzverwalter erhofften „weiteren Massezuflüsse“ (unter anderem Erträge aus Steuervorteilen) tatsächlich kommen, könnte die Quote auf 60 bis zu sehr optimistischen 80 Prozent steigen.

    „Die hohe Zustimmung zum Insolvenzplan spricht dafür, dass die Gläubigerversammlung unser Angebot als fair angesehen hat“, sagte Dieter Sturm, stellvertretender Geschäftsführer der Brogsitter Unternehmensgruppe, auf Anfrage der RZ. Die Rechtskräftigkeit des Insolvenzplans vorausgesetzt, geht er davon aus, dass man sich künftig auf die Verwaltung der übernommenen Immobilien beschränken wird. „Ein wie auch immer geartetes operatives Geschäft ist damit nicht verbunden.“ Man habe jedoch Wert darauf gelegt, die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr zu erhalten. „Es ist ein Markenname“, bestätigt Sturm. Hans-Joachim Brogsitter habe sich nicht zuletzt aus Verantwortung für die Region mit der Übernahme der AGBN befasst: „Er fühlt sich der Region verpflichtet.“

    Sehr glücklich über das Ergebnis der Gläubigerversammlung zeigte sich Bürgermeister Guido Orthen: „Der Weg für einen Neuanfang der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr ist nun frei“, sagte Or-then. Dass es sich dabei um einen überregional tätigen Unternehmer aus dem Kreis Ahrweiler handele, der dem Landkreis und der Stadt verbunden sei, sei für die weitere städtebauliche Entwicklung von Bad Neuenahr-Ahrweiler von besonderer Bedeutung.

    „Wir sind guten Mutes, hier jetzt einen Partner zu erhalten, der für eine dauerhafte und nachhaltig wirtschaftliche Nutzung der Gebäude steht – und auf dem man sich bei weiteren Planungen verlassen kann“, so der Bürgermeister. Auch vor dem Hintergrund der Landesgartenschau und der damit verbundenen Herausforderungen biete der Investor Gewähr dafür, dass notwendige Investitionen in die AG-Liegenschaften getätigt werden und ein partnerschaftliches Miteinander zwischen AG und Stadt möglich ist.

    Von unseren Redakteuren Uli Adams und Frieder Bluhm

    Warum die Gläubiger nicht mehr bekommen

    Ein Grund dafür, dass die Gläubiger nicht deutlich mehr Geld aus der Insolvenzmasse erhalten, ist der seit mehr als einem Jahr wegen Baumängeln geschlossenen Bademantelgang zwischen dem Steigenberger Hotel und den Ahr-Thermen. Der wird für viel Geld zurückgebaut, weil weder Investor Brogsitter noch die Stadt als Besitzer der Ahr-Thermen den Bademantelgang mit seinen erheblichen baulichen Risiken betreiben wollen. Auf 2,3 Millionen Euro schätzt Insolvenzverwalter Lieser die Gesamtkosten.

    Eine Million werden die Baukosten ausmachen, 1,3 Millionen müssen ans Land Rheinland-Pfalz zurückgezahlt werden, das den knapp drei Millionen Euro Bau seinerzeit mit 2,2 Millionen Euro bezuschusst hatte.

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