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Bad Kreuznach

Wochenendinterview mit Hans-E. Lorenz: Ein Richter, der Fußballprofis das Fürchten lehrt

Er ist Jurist durch und durch. Als Vorsitzender Richter der Großen Strafkammer am Landgericht Mainz kümmert sich Hans-E. Lorenz um die ganz harten Fälle: Mord und Totschlag, Raub und Vergewaltigung. Kein leichter Job. Trotzdem findet der aus Langenlonsheim stammende dreifache Vater, der seit vielen Jahren in Wöllstein lebt, noch Zeit für ein mehr oder weniger aufwendiges Ehrenamt. Er ist Vorsitzender des DFB-Sportgerichts, des höchsten Kontrollorgans des Deutschen Fußball-Bundes. Wie er all das unter einen Hut bringt, sogar noch Zeit für andere Dinge findet, das verriet der 60-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

Im Wochenendinterview: Richter Hans-E. Lorenz.
Im Wochenendinterview: Richter Hans-E. Lorenz.

Bad Kreuznach – Er ist Jurist durch und durch. Als Vorsitzender Richter der Großen Strafkammer am Landgericht Mainz kümmert sich Hans-E. Lorenz um die ganz harten Fälle: Mord und Totschlag, Raub und Vergewaltigung. Kein leichter Job. Trotzdem findet der aus Langenlonsheim stammende dreifache Vater, der seit vielen Jahren in Wöllstein lebt, noch Zeit für ein mehr oder weniger aufwendiges Ehrenamt. Er ist Vorsitzender des DFB-Sportgerichts, des höchsten Kontrollorgans des Deutschen Fußball-Bundes. Wie er all das unter einen Hut bringt, sogar noch Zeit für andere Dinge findet, das verriet der 60-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

Herr Lorenz, Sie urteilen über die Sünder im Profifußball. Wie verschaffen Sie sich den dazu notwendigen Überblick?
Ich muss nahezu alle Spiele der Ersten und Zweiten Liga sehen. Wobei ich mich meistens auf die Fernsehsendungen beschränke, die Zusammenfassungen anbieten. Vorher lese ich im Videotext, wo was los war, damit ich Sonntagsabends, wenn ich mit dem Vorsitzenden des Kontrollausschusses telefoniere, weiß, worüber wir reden. Und dann muss der arbeiten, nicht ich. In 90 Prozent der Fälle stimmen die Vereine standardisierten Urteilen zu. Wenn nicht, ergeht ein individuell begründetes Einzelrichterurteil. Das mache ich Montagsabends.

Was passiert, wenn Vereine Einzelrichterurteile nicht akzeptieren?
Sie können Einspruch einlegen. Dann gibt es eine Sportgerichtsverhandlung. Drei hatten wir in dieser Saison schon, mehr als sechs werden es aber kaum. Die zeitliche Belastung lässt sich überschauen.

Wie sind Sie überhaupt zum Fußballfunktionär geworden?
Angesprochen wurde ich 1984 auf Südwestebene von Willi Heß aus Simmertal, der im Übrigen ein Onkel von Jürgen Klopp ist. Der also hat mich in die Sportgerichtsbarkeit beim SWFV geholt. Und das habe ich ja über 20 Jahre gemacht. In den 90ern bin ich dann als Beisitzer zum DFB gekommen und schließlich als Nachfolger von Rainer Koch Vorsitzender geworden.

Woher kommt die Begeisterung für Fußball, ohne selbst ein begnadeter Fußballer gewesen zu sein?
Ich war ein hoch begnadeter Fußballer. Das hat nur keiner erkannt. Das Beste, was ich konnte, war Einwurf. Da habe ich sogar mal ein Tor geworfen. Bei einem Prominentspiel. Ich war der Vorgänger von Matthias de Zordo, nur, dass der doppelt so weit wirft.

Muss an Langenlonsheim liegen …
Genau. Nein, das Tor hat sogar gezählt, weil der Torwart noch mit der Faust dran war. Aber ich glaube, wir haben 9:1 verloren.

Nun kennen viele Hans E. Lorenz auch noch als SWR-Fernsehmoderator. Wie kam es dazu?
Ich habe schon als Schüler Artikel geschrieben, auch für den Oeffentlichen. Als Freier Mitarbeiter. Und ich habe als 19-Jähriger beim Südwestfunk angefangen, bei Fritz Danco. Habe dann meinen ersten Film gemacht über den Langenlonsheimer Hochspringer Karl-Otto Mörsch. Der kam ganz gut an. Da bin ich so reingerutscht und war annähernd 30 Jahre dabei.

Alles parallel zum Richterjob?
Ja und immer als Wochenendtätigkeit.

Gab es keine weiteren reizvollen Angebote der Fernsehmacher?
Gab es, aber es hat aus irgendwelchen Gründen nicht funktioniert, oder ich wollte nicht.

Nun sorgen Krawalle in deutschen Fußballstadien für Zündstoff. Wie beurteilen Sie die Lage?
Das ist besorgniserregend. Ein großes Problem, und in Deutschland ist es krasser als in anderen Ländern. In England zum Beispiel ist es relativ ruhig geworden. Es gibt also Möglichkeiten, das in den Griff zu kriegen. Von daher ist es begrüßenswert, dass sich Politik, Polizei, Innenministerium, DFB und DFL jetzt an einen Tisch setzen und ein Programm erarbeiten. Das ist im Interesse der meisten Fans, angstfrei zu einem Spiel gehen zu können. Ich habe in letzter Zeit viele getroffen, die gesagt haben, ich hatte nackte Angst.

Haben Sie einen Lieblingsverein?
Nein, aber als Mann der Region freut es mich, wenn der FCK und Mainz 05 Erfolg haben.

Was machen Sie am Wochenende, wenn der Ball nicht rollt?
Ich versuche, mir selbst ein bisschen Bewegung zu verschaffen und mache den Sport, den man in diesem Alter üblicherweise macht wie Radfahren, Joggen oder Skilanglauf im Winter. Ich schwimme auch gerne im Salinental. Wobei ich feststelle, dass das Becken dort von Jahr zu Jahr langsamer wird.

Das Gespräch führte Gustl Stumpf

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