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Mainz

Mit Spott und Biss: Mainzer Narren setzen auch auf Motive aus der Region

Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) wird fast vom Bibelturm erschlagen, derweil Bürgermeister Günter Beck (Grüne) das Taubertsbergbad zusammenhalten muss – mit beißendem Spott nehmen die Mainzer Narren wieder die Politik der Landeshauptstadt aufs Korn. 13 närrische Motivwagen stellte der Mainzer Carnevals-Verein (MCV) am Dienstag vor, drei davon widmen sich der Mainzer Stadtpolitik – die übrigen zehn Motive drehen sich um Bundes- oder gar Weltpolitik.

Lokale Kalamitäten wie die Vorgänge um das Taubertsbergbad werden im Rosenmontagszug genüsslich ausgeschlachtet.  Fotos: Gisela Kirschstein
Lokale Kalamitäten wie die Vorgänge um das Taubertsbergbad werden im Rosenmontagszug genüsslich ausgeschlachtet. Fotos: Gisela Kirschstein
Foto: gik

Die lokalen Themen sind damit in der Zahl deutlich geschrumpft, dafür sind die Mainzer Narren richtig bissig: Bürgermeister Beck muss etwa mit dem Hintern das Loch in der Badewanne schließen und gleichzeitig mit dem Pümpel die Fliesen an der Wand festhalten – das völlig marode Mainzer Schwimmbad inspiriert die Narren zu einer ganzen Menge Spott.

Kübelweise Spott ist garantiert

„Die Stadt war einst besonders schlau, verpachtete den Schwimmbad-Bau“, reimen die Macher vom MCV dazu: „Der Pächter, ein gewiefter Hase, sparte sich 'ne goldne Nase./ Der ist nun weg und voller Schreck, macht den Dreck weg Günter Beck!“ Wer den Schaden hat, bekommt bekanntlich in der Fastnacht den Spott gleich kübelweise dazu ...

Der umstrittene Bibelturm fällt der Baudezernentin Marianne Grosse fast auf den Kopf.
Der umstrittene Bibelturm fällt der Baudezernentin Marianne Grosse fast auf den Kopf.
Foto: gik

Das trifft auch den Finther Kardinal Gerhard Ludwig Müller: Mit einem Grinsen schießt diesen Papst Franziskus per Rakete aus dem Vatikan zurück nach Mainz, war doch der Präfekt der Glaubenskongregation dem neuen Papst viel zu reaktionär. Baudezernentin Grosse wiederum hätte gern den Erweiterungsbau am Mainzer Gutenbergmuseum – bekannt als „Bibelturm“ – ohne Aufsehen realisiert. Doch stapelweise Unterschriften für ein Bürgerbegehren drohen nun den Turm zu kippen, auf die wackelnde Dezernentin ...

Es sei „die Pflicht des Narren, den Finger in die Wunde zu legen“, betonte Wagenbauer Dieter Wenger bei der Vorstellung der Motivwagen in der Wagenhalle des Mainzer Carnevals-Vereins. Seit 7. November werkeln Wenger und sein Team an den dreidimensionalen Karikaturen, es wird wie immer ein Wettlauf gegen die Zeit. In diesem Jahr kam noch ein besonderes Hindernis dazu: Am Nikolausabend 2017 bedrohte ein Großbrand in einer Nachbarhalle die MCV-Wagenhalle, nur dem intensiven Einsatz der Mainzer Feuerwehr war es zu danken, dass Wagenhalle und närrische Motive gerettet wurden.

„Das war ein Inferno, wie ich es noch nie erlebt habe“, erzählte Wenger geschockt. Und es sei nur einem glücklichen Zufall zu danken gewesen, dass das Feuer überhaupt rechtzeitig entdeckt worden sei: Nur weil ein Wagenmotiv erst verspätet abgeholt werden konnte, waren Helfer um die fragliche Uhrzeit am Ort. „Das Wasser stand zentimeterhoch in der Halle, der Teer tropfte aus dem Dach und beschädigte Wagen“, berichtete Wenger – es war richtig knapp

Start am Montag um 11.11 Uhr

Mit vereinten Kräften schaffte das Team aus Experten, darunter auch Bildhauer, Bühnenmaler und Schlosser, die Fertigstellung der Wagen; bis zum Rosenmontag wird nun der letzte Schliff angebracht. Pünktlich um 11.11 Uhr startet dann der Mainzer Rosenmontagszug von der Neustadt aus auf seinen 7,2 Kilometer langen Weg durch die Mainzer Innenstadt. Der Zugweg bleib auch in diesem Jahr unverändert, die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch: Erneut gilt ein Lkw-Fahrverbot an Rosenmontag, die Mainzer Innenstadt wird großräumig für jeglichen Verkehr gesperrt.

Bis etwa 16.30 Uhr zieht der närrische Lindwurm durch die Straßen, in diesem Jahr mit 139 Zugnummern und rund 8800 Teilnehmern. Das sind rund 800 weniger als 2017, man habe den Zug ein wenig straffen wollen, sagte der Zugmarschall Markus Perabo am Dienstag in Mainz. Absagen habe es vor allem für reine Partyfußgruppen gegeben, aber auch Hexengruppen aus der alemannischen Fastnacht werden erstmals nicht dabei sein.

So wird es insgesamt im Mainzer Rosenmontagszug in diesem Jahr 70 Musikgruppen mit 2124 Musikern geben, dazu 161 närrische Wagen, gezogen von 113 Traktoren oder Zugmaschinen. Der 67. Zug nach dem Zweiten Weltkrieg und der 116. Zug seit Gründung des austragenden Mainzer Carnevals-Vereins steht 2018 unter dem Motto „So wie der Mond die Nacht erhellt, strahlt Mainzer Fastnacht in die Welt“.

Von Gisela Kirschstein

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