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Bad Kreuznach

Mehr Datenschutz: Auch Vereine im Kreis Bad Kreuznach sind verunsichert

Christine Jäckel

Die am 25. Mai in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verunsichert viele – auch die Vereine. Manche von ihnen so sehr, dass sie zu Radikalmaßnahmen griffen: „Wir haben unsere Homepage an dem Tag geschlossen“, berichtet etwa Herbert Drumm, Vorsitzender des Kreischorverbands. Der Grund: Der Vorstand ist unsicher, was man darf und was nicht, und beschloss deshalb, die Seite bis auf weiteres abzuschalten.

Datenschutz
Die neue europäische Datenschutz-Verordnung sorgt bei Firmen, Privatleuten und Datenschutz-Behörden für viel Arbeit und Verunsicherung.
Foto: Patrick Pleul – dpa

Für den Kreisverband habe derzeit die Vorbereitung der Nacht der Chöre in Kirn am 8. September Vorrang, betont der Vorsitzende. Er will abwarten, wie die Verordnung in der Praxis von den Vereinen umgesetzt wird. „Wenn man nach den Buchstaben geht, ist fast nichts mehr möglich“, bedauert er.

Andererseits sieht er die Vereine durchaus in der Verantwortung. „Der Kreischorverband hat viele Daten über die Vereine, und wir haben auch bisher schon auf sicheren Umgang geachtet, beispielsweise bei den Verteilern“, bekräftigt er. Solange es aber noch Rechtsunsicherheiten gibt, wolle man die Homepage nicht wieder aktivieren. Drumm begrüßt das Vorhaben der Stadtverwaltung, die eine Informationsveranstaltung zur DSGVO anbieten will. Vertreter der Vereine können sich noch bis 27. Juli bei Lukas Wirz in der Stadtverwaltung melden.

Rund 2500 Mitglieder hat der VfL 1848 Bad Kreuznach. Die DSGVO hat den Verein, der in 16 Abteilungen 40 Sportarten anbietet, nicht unvorbereitet getroffen. „Wir haben schon seit 2016 einen Datenschutzbeauftragten, das war bis März Rudi Schwarzmann, im April hat Olaf Budde die Aufgabe übernommen“, erklärt VfL-Geschäftsführer Fabian Neumann. Budde und sein Vorgänger hatten sich im Vorfeld mit der Verordnung und den dafür erforderlichen Umstellungen beschäftigt. Ganz abgeschlossen ist die Anpassung laut Neumann noch nicht.

In der nächsten Mitgliederversammlung steht das Thema noch einmal auf der Tagesordnung. „Wir hatten den Datenschutz zwar schon in der Satzung drin, jetzt wird sie an die neue Verordnung angepasst“, erläutert der Geschäftsführer. Desgleichen erfolgte die Anpassung in den Aufnahmeanträgen. In den Antragsformularen hatte der VfL ebenfalls schon vorher darüber informiert, dass der Verein im Rahmen der Mitgliedschaft Daten erhebt.

„Bestandsmeldungen an die Sportverbände kann der Verein beispielsweise in anonymisierter Form abgeben, für Wettkampf-Starterpässe werden dagegen Daten wie das Lebensalter weitergegeben“, erläutert Neumann. Datenschutzbeauftragter Budde hatte zudem im Vorfeld die Abteilungs- und Übungsleiter über neue Bestimmungen informiert, beispielsweise was das Fotografieren bei Vereinsveranstaltungen betrifft. „Weil vieles von den Datenschutzbeauftragten schon im Hinblick auf die DSGVO frühzeitig angepackt wurde, sind wir nicht ganz ins kalte Wasser gestoßen worden“, sieht Fabian Neumann den VfL ganz gut aufgestellt gegen mögliche Klagen.

„Bei vielen Vorständen, die im Falle eines Falles haftbar wären, verursachte das Thema Datenschutz um den 25. Mai herum Panik und schlaflose Nächte“, weiß Gernot Peitz aus Gutenberg. Der junge Familienvater betreut die Internetseiten der Gemeinde und des Turnvereins Gutenberg. Für die Gemeindeseite nutzte man die Gelegenheit, um sie grundlegend zu erneuern. Im TV hatte Vorsitzender Peter Kubitschek viel Vorarbeit geleistet und die datenschutzrechtliche Anpassung vorgenommen.

Außerdem ist Peitz zweiter Vorsitzender des Fördervereins der Feuerwehr und Kassierer im Förderverein der Kindertagesstätte. Die beiden Fördervereine haben zwar keine Homepage, aber als Kassierer ist Peitz zuständig für die Mitgliederverwaltung. Verstärkt achtet er jetzt darauf, dass sensible Daten unter Verschluss bleiben. Eine Schwierigkeit dabei ist, dass die Vereine verpflichtet sind, ihre Unterlagen zehn Jahre lang aufzubewahren. Peitz‘ vorläufiges Fazit: Die Vereinsvorstände sind für das Thema sensibilisiert und haben einige Umstellungen eingeleitet, Entspannung ist in Sicht. „Es wäre sehr wünschenswert, wenn dadurch weniger Spam-Mails kämen“, hofft er aufgrund des verbesserten Datenschutzes.

Der Landessportbund bietet Informationen zum Datenschutz an. Ein Leitfaden ist als Download auf der Internetseite verfügbar.

Von unserer Reporterin
Christine Jäckel
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