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Mainz

Mainz will für Demokratie werben: Drei Fahnen sollen Landtag schmücken

Gisela Kirschstein

Drei neun Meter hohe Fahnen in Messingrahmen sollen künftig neben dem neuen Landtagsgebäude in Mainz für die Demokratie werben. Die drei Fahnenbahnen in Schwarz, Rot und Gold sollen in lockerer Streuung auf der Wiese vor dem neuen Landtagsanbau stehen. Der Landtag stellte die Kunstinstallation am Dienstag als Sieger des Wettbewerbs „Kunst am Bau“ vor. „Drei Farben“ setzte sich gegen 170 andere Einsendungen durch, unter den anderen Modellen waren Nachbildungen des Plenarrunds und ein Weltgarten.

Seit Ende 2015 wird das Deutschhaus, der Sitz des rheinland-pfälzischen Landtags, kernsaniert, ein neuer Anbau in Rottönen soll in Richtung Große Bleiche entstehen und die Kantine beherbergen. Auf einer Wiese davor soll künftig ein Kunstwerk für die Demokratie werben, bei öffentlichen Bauvorhaben ist auch ein Prozentteil für „Kunst am Bau“ vorgeschrieben.

Diese Woche nun stellte der Landtag den Sieger des dafür ausgeschriebenen Wettbewerbs vor: das Kunstwerk „Drei Farben“ des Berliner Künstlers Michael Sailstorfer. Die Form der drei Fahnen in drei separaten Metallrahmen stehe für Offenheit, durch die Trennung der drei Farben könne „die Fahne neu erlebt werden“, begründete die Jury ihre Wahl. Der für Mainz und die deutsche Demokratie so bedeutsame Platz erfahre „durch das im Wind flatternde Tuch eine neue Leichtigkeit ohne die Historie zu verdrängen.“ Sailstorfer greife zudem damit die Geschichte der Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold auf, lobte die Jury: die heutigen Nationalfarben wurden mit dem Marsch von Burschenschaftlern 1832 aufs Hambacher Schloss in der Pfalz zum Symbol für eine deutsche Einheit in Demokratie und Freiheit. Eine Originalfahne des Hambacher Festes hing bis zur Renovierung im Plenarsaal des Mainzer Landtags und soll auch nach der Sanierung wieder Platz im neuen Landtag finden.

Das Werk leiste eine „künstlerische Transformation“ des Themas der Hambacher Fahne, so die Jury weiter. Dazu habe der Künstler auch das Verblassen und Verschleißen des Tuches mitbedacht, heißt es weiter in der Begründung: „Wie die Demokratie selbst muss auch diese Fahne immer wieder erneuert werden.“

Dass allerdings das Kunstwerk die Besucher „zum Verweilen einladen“ wird, wie es in der Jurybegründung weiter heißt, ist zumindest fraglich. Die Mainzer reagierten auf das Kunstwerk eher irritiert, „Wäscheleine“ oder schlicht „bescheuert“ lauteten erste Reaktionen. Sailstorfers Kunstwerk hatte sich gegen 170 andere Einsendungen aus ganz Europa durchgesetzt, zehn der Vorschläge hatte die Jury eingeladen, ihre Idee als Modell vorzustellen.

Die Modelle sind noch bis kommenden Mittwoch in der Lobby des Interimsplenarsaals im Mainzer Landesmuseum zu besichtigen. Darunter finden sich klassische Skulpturen ebenso wie große Rauminstallationen – etwa ein schiefes grünes Dach auf Stelzen mit dem Titel „en toute sérénité“ – „in aller Ruhe“. Die Stelzen nehmen die Bauform der Säulen auf, das grüne Dach zitiert eine barocke Gartenanlage, strahlenförmige Wege sollten den Besucher zum Kunstwerk hinführen, wo man hätte auf Mäuerchen verweilen können.

Sitzplätze hätte auch eine Skulptur aus 51 podestartigen, runden Metallobjekten geboten, die locker auf der Wiese neben dem Landtag verstreut platziert worden wären. Die 51 Podeste sollten für die 51 Wahlkreise im Land stehen, eine App hätte dazu die Hintergrundinformationen liefern können. Bei der Skulptur „In der Vielfalt liegt unser Gelingen“ hätten die Buchstaben des Schriftzugs das Rund des Plenarsaals nachgebildet und ein Forum des politischen Diskurses vor dem Landtagsbau geboten.

Ein weiteres Kunstwerk wollte gleich das ganze Plenarrund auf der Wiese nachbilden, in dem „Plenairsaal“ hätten Bürger verweilen und Veranstaltungen stattfinden können. Der Vorschlag wollte damit auch der Tatsache gedenken, dass der Mainzer Plenarsaal in den 1980er-Jahren bundesweit der erste Plenarsaal in Rundform war.

Das hätte auch der „Garten der Welt“ aufgegriffen: Bei dieser Kunstinstallation wäre aus dem Plenarrund ein Garten mit 188 Miniparzellen geworden, stellvertretend für die 188 Nationalitäten, die derzeit in Rheinland-Pfalz leben. In die Mitte hätte der Künstler einen großen, runden, vier Meter messenden Tisch gestellt, dessen Oberfläche mit einem Satellitenbild von Rheinland-Pfalz versehen worden wäre – auf dem Tisch hätte man sitzen, picknicken oder spielen können, „Treffpunkt und praktisches, multifunktionales Zentrum des kleinen Parks und der Weltgärten.“ Die Jury entschied sich anders – für das Kunstwerk stehen 228.000 Euro zur Verfügung.

Von Gisela Kirschstein
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