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Bad Kreuznach

Ein Stadtteil, in dem die Interessen kollidieren: Beim Rundgang sangen alle den Neustadt-Blues

Marian Ristow

In der städtischen Neustadt, also dem historischen Stadtkern, kollidieren seit jeher unterschiedliche Interessen miteinander. Die Anwohner wollen dort in Ruhe leben und ihre Autos parken können, die Gastronomie will Umsatz und Gäste, möglich bis früh in den Morgen, und die Gewerbetreibenden möchten – wie alle – ein sauberes Umfeld ohne Müllablagerungen und ihr Geschäft dadurch in einer attraktiven Verkaufslage wissen.

Das Auto sieht eher nach Shisha-Bar aus, das Schild sagt hessisches Justizministerium. Ein getunter Mercedes mit Groß-Gerauer Kennzeichen, angeblich ein Mitarbeiter der Behörde, parkte am Dienstag falsch – ob der Halter des Wagens tatsächlich dort arbeitet, wird überprüft.  Fotos: Marian Ristow
Das Auto sieht eher nach Shisha-Bar aus, das Schild sagt hessisches Justizministerium. Ein getunter Mercedes mit Groß-Gerauer Kennzeichen, angeblich ein Mitarbeiter der Behörde, parkte am Dienstag falsch – ob der Halter des Wagens tatsächlich dort arbeitet, wird überprüft. Fotos: Marian Ristow
Foto: Marian Ristow

Bei der abendlichen Begehung der beiden Brücken (Alte Nahe- und Mühlenteichbrücke) und der Neustadt vergangene Woche durch die CDU-Stadtratsfraktion wurde wieder einmal klar, welcher Kärrnerarbeit es bedarf, um alle Anforderungsprofile an das vielleicht schönste Viertel der Stadt unter einen Hut zu bringen.

Die CDU besuchte die aus ihrer Sicht problematischen Stellen zwischen Kirschsteinanlage, Kornmarkt und alter Neustadt. Neben einigen positiven Entwicklungen wurde der Finger erwartungsgemäß in manche Wunde gelegt. Anwohner, Geschäftstreibende und Insider klagten ihr Leid und stimmten mit ein in den Neustadt-Blues.

Positives gab es in Sachen Brückenhaus mit der Adresse Mannheimer Straße zu berichten. Das schon lange leer stehende Wahrzeichen wurde 2017 vom Binger Unternehmer Klaus Endemann gekauft. Betraut mit der Ermittlung des Sanierungsbedarfes wurde der heimische Architekt Sandro Ferri, der bei der CDU-Nachtwanderung über den aktuellen Stand berichtete. „Das ist eine ehrenvolle Aufgabe für mich“, machte Ferri klar, dass es hier nicht um irgendein Haus in der Stadt geht. Das Wahrzeichen liegt sozusagen auf dem Präsentierteller, da muss jeder Handgriff sitzen.

Der Architekt berichtete, dass die Bestandaufnahme inzwischen abgeschlossen sei, die Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden laufe. Er wollte aber nicht prognostizieren, in welchem Zeitraum die Sanierung abgeschlossen werden könne. Zu groß seien die Unwägbarkeiten bei solch alten Gebäuden. Als kostentechnisch abschreckendes Beispiel dient das unweit entfernte Casinogebäude der Stadtverwaltung. Gut Ding wolle dort Weile haben. „Der Investor drängt nicht darauf, schnell und vorzeitig fertig zu werden“, berichtete Ferri. Ins Brückenhaus soll ein Gastronomiebetrieb einziehen.

Die Lage nördlich der Lage ist weiterhin nicht ganz zufriedenstellend für alle Beteiligten. Zwar habe sich die Müllsituation grundsätzlich etwas verbessert, jedoch gebe es noch einige Schmuddelecken, berichteten unter anderem Beate Bruns, Vorsitzende des Altstadtvereins, und Rita Rehm, Wirtin des Bistros Käuzchen.

Ein weiteres Ärgernis sind die vielen Falschparker in dem parkplatzarmen Gebiet. „Ständig stehen hier dicke Karossen mit auswärtigen Kennzeichen und keiner tut was“, monierte eine Anwohnerin. Das wollte Ordnungsamtsdezernent Markus Schlosser nicht so stehen lassen. „Wir haben eigens dafür wieder Poller installiert und kontrollieren engmaschig“, betonte er. Seit der Ansiedlung eines Pizzalieferdienstes habe sich die Situation rund um die Nikolauskirche deutlich verschärft, war von der CDU-Mannschaft zu vernehmen. Den Parkdruck verringern könnten zusätzliche Parkplätze auf dem Gelände des alten Telekomgebäudes in der Poststraße. Dieses wurde verkauft – an wen, ist noch unbekannt. Ob er neue Eigentümer vermieten will, logischerweise ebenso.

Der Mangel an Parkplätzen ist unweigerlich mit der Wohnsituation verbunden. „Wir brauchen seriöse Investoren“, sagt Markus Schlosser. Zum Beispiel für das ehemalige Verwaltungsgebäude der Stadt am Eiermarkt, das seit knapp einem Jahr leersteht. „Hier sind wir selbst Herr des Verfahrens und müssen auf den Käufer achten“, unterstrich der Dezernent.

Geht es nach CDU-Fraktionschef Werner Klopfer, hat es die Stadt verpasst, an der Ecke Mannheimer Straße/Zwingel mit dem Ensemble Friseur Müller und Shisha-Bar tätig zu werden. Die Stadt habe ein Vorkaufsrecht für ein Gebäude besessen, vor dem Stadtrechtsausschuss aber gegen den heutigen Besitzer verloren, berichtete er. „Hier hätte man guten Wohnraum schaffen können“, befand er. Als Beispiel könnte das Engagement der Gewobau dienen. Die städtischen Wohnungsbaugesellschaft setzt in der Gerbergasse den Neubau eines Wohnhauses um. Es soll nicht das letzte Projekt dort gewesen sein.

Von unserem Redakteur Marian Ristow

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