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    Kreis Bad Kreuznach

    Demenz fordert die Hospitäler

    Auf den Stationen der Krankenhäuser in Stadt und Kreis sind rund ein Drittel der stationär aufgenommenen Patienten älter als 75 Jahre. Das Pflegepersonal wird damit vor eine enorme Herausforderung gestellt, denn die hochbetagten kranken Menschen leiden zunehmend an einer begleitenden altersbedingten geistigen Verwirrtheit und benötigen besondere Zuwendung. Kein Kinderspiel in Zeiten knapper Ressourcen.

    Foto: Josef Nürnberg

    Von unserer Redakteurin Cordula Kabasch

    Die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen nimmt zu - auch im Kreis Bad Kreuznach. Das geht aus einem Report des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hervor. Gab es der Studie zufolge im Jahr 2008 im Kreis pro 100 000 Einwohner zwischen 1300 und 1600 Demenzerkrankungen, so werden im Jahr 2025 bereits 1900 bis 2200 Menschen daran leiden - bei gleichzeitigem Rückgang der Bevölkerung.

    Ein Problem ist dabei: Altersverwirrte Menschen können sich nicht an ungewohnte Strukturen anpassen. Der Klinikalltag mit seinen Abläufen und Regeln verschließt sich ihnen. Das verunsichert, macht Angst, kann Aggressionen und Fluchttendenzen auslösen. "Wir müssen auf die Patienten eingehen, nicht umgekehrt", weiß Gabriele Kielburger, Krankenschwester im Bereich Pflegeentwicklung für die Krankenhäuser der Diakonie.

    So ist die Zuwendung zum dementen Patienten denn auch ein Credo, dem sich die Hospitäler in der Region verpflichtet fühlen - das sie aber zugleich auch vor Probleme stellt, da Zeit im Klinikalltag oft Mangelware ist. Um dem Mehrbedarf zu begegnen, lassen die Kreuznacher Diakonie, die Glantal-Klinik in Meisenheim und das Marienwörth-Krankenhaus ihre Krankenschwestern und Pfleger speziell schulen.

    In der Diakonie haben sich beispielsweise bereits acht Mitarbeiterinnen als Demenz-Kompetenz-Ansprechpartnerinnen qualifiziert. Sie stehen für Pfleger und Ärzte ihrer Abteilung und übergreifend zur Verfügung, kümmern sich speziell um demente Patienten. Die Ansprechpartner fragen bei der Einlieferung die Angehörigen des Patienten, welche Gewohnheiten der alte Mensch hat, lassen sich außerdem persönliche Gegenstände geben, die ihm vertraut sind, und bieten Aktivierungsboxen an, in denen sich etwa Strickzeug, ein Liederbuch oder eine Gartenschere befinden. An Dinge von früher erinnern sich Demenzkranke, und so kommen sie ins Erzählen. In Einzelfällen kann auch ein Angehöriger als Begleitperson im Krankenhaus bleiben.

    Das bieten auch das Marienwörth und die Glantal-Klinik an. Im Marienwörth-Krankenhaus wird zurzeit im Rahmen der Generalsanierung der Pflegestation im ersten Obergeschoss des bestehenden Bettenhauses darauf geachtet, dass der Umbau den Bedürfnissen von dementen Menschen entgegenkommt. "Bei uns gibt es dann Piktogramme an den Türen", sagt Pflegedirektor Wolfgang Kamptz. Wer nicht mehr lesen kann, erkennt die Bilder und weiß, was sich hinter den Türen verbirgt. Das ist auch in Meisenheim und in der Diakonie üblich.

    Weglauftendenzen sind ein weiteres Problem, das im Umgang mit dementen Patienten auftaucht. Sie werden in der Glantal-Klinik etwa in der Nähe des Stationsdienstzimmers untergebracht oder (so in der Diakonie und in Marienwörth) im Pflegestuhl dorthin gefahren, damit sie nicht allein sind. "Wir versuchen aber erst einmal, auf psychosozialer Ebene das Vertrauen des Patienten zu gewinnen", verdeutlicht Markus Wakulat, Sprecher des Landeskrankenhauses in Andernach, das Träger der Glantal-Klinik ist.

    Ebenso wichtig ist Wolfgang Kamptz ein Qualifikationsmix auf den Stationen im Marienwörth: "Wir hätten gern pro Station 5 bis 6 Prozent Altenpfleger, da sie durch ihre Ausbildung besonders für die Arbeit mit alten Menschen sensibilisiert sind", sagt er dazu. Fachkräfte sind allerdings schwer zu bekommen, und so setzen Marienwörth wie auch die Diakonie auf die Hilfe von ehrenamtlichen Kräften, die allerdings ebenfalls händeringend gesucht werden.

    Lesen Sie unser Porträt über eine Demenzfachkraft auf Seite 12.

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    Bad Kreuznach
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