40.000
Aus unserem Archiv
Bad Kreuznach

Circus Krone begegnet Vorwürfen mit Transparenz: Blick hinter die Kulissen und in die Tiergehege [mit Video]

Désirée Thorn

Ein kleines Stückchen Fleisch – schon hat Martin Lacey die Aufmerksamkeit der Raubkatzen sicher. Er ruft eine Löwendame zu sich, das Tier gehorcht, springt an dem Gitter hoch und staubt das Leckerli ab. Im Grunde könnte sie sich jetzt sofort wieder in den Schatten legen. Stattdessen gibt's vorher noch ein Küsschen für den Löwenbändiger.

Ein Küsschen für den Löwenbändiger: Martin Lacey will das gute Verhältnis zu seinen Raubkatzen offen präsentieren und damit beweisen, dass es den Tieren im Circus Krone gut geht.  Foto: Désirée Thorn
Ein Küsschen für den Löwenbändiger: Martin Lacey will das gute Verhältnis zu seinen Raubkatzen offen präsentieren und damit beweisen, dass es den Tieren im Circus Krone gut geht.
Foto: Désirée Thorn

Lacey liegt viel daran, zu beweisen, dass es die Tiere im Circus Krone gut haben, dass sie gepflegt sind und freiwillig zu ihm kommen. Das Unternehmen begegnet den Vorwürfen von Tierschützern und -rechtlern mit Transparenz: Jeder kann an den Spieltagen zwischen 10 und 19 Uhr selbst hinter die Kulissen schauen, am Premierenvormittag sogar kostenlos. So tummelten sich am Mittwoch auch zahlreiche Kinder mit ihren Lehrern und Erziehern zwischen den Wildtiergehegen, etlichen Pferdeboxen und dem riesigen Zelt für die Elefanten.

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)

„Wir möchten die Gegner nicht umstimmen“, betont Circus-Chefin Jana Mandana Lacey-Krone, „wir verlangen nur Neutralität und Akzeptanz denen gegenüber, die die Vorstellung sehen möchten.“ Dass die Haltung der Tiere hinterfragt wird, befürwortet Lacey-Krone sogar: „Ich glaube, man sollte es kritisch sehen.“ Sie selbst wende sich immer wieder gegen Zirkusse, die nicht ordentlich für ihre Tiere sorgen und so ein schlechtes Bild auf die Branche werfen.

Nashorn Tsavo stammt aus einem anderen Zirkus, der aufgelöst wurde. In Zoos und Tierparks kam er nicht unter, jetzt reist er mit dem Circus Krone mit.
Nashorn Tsavo stammt aus einem anderen Zirkus, der aufgelöst wurde. In Zoos und Tierparks kam er nicht unter, jetzt reist er mit dem Circus Krone mit.
Foto: Désirée Thorn

Die Circus-Chefin argumentiert, dass ihre Tiere nicht leiden, die Auftritte und Trainings zur Auslastung brauchen und auch das Reisen keinen Stress für sie darstellt. Von Verhaltensauffälligkeiten, wie von den Tierschützern bemängelt, ist in den Gehegen tatsächlich nicht viel zu entdecken. Die meisten Tiere liegen entspannt in ihren Territorien, fläzen sich in der Sonne, wälzen sich im Sand oder Streu – einzig ein Tiger läuft eine Zeit lang immer die gleiche Strecke auf und ab. Das Gesamtbild, das die Tiergehege auf der Pfingstwiese abgeben, entspricht im Großen und Ganzen dem eines Zoos. Bemängeln könnte man lediglich, dass auf der Pfingstwiese keine grünen Flächen bereitstehen, etwa zum Grasen für die Pferde. Da gibt es optimaler gelegene Spielorte für den Circus.

Doch das Team des Circus Krone richtet sich entsprechend ein, umzäunt Koppeln, Paddocks und Ausläufe. Insgesamt arbeiten rund 220 Personen für das – nach eigenen Angaben – größte Circus-Unternehmen der Welt. Da braucht es einen großen Verwaltungsapparat. Einkäufer reisen dem Circus zwei Wochen voraus, um Verpflegung und Futter für Mensch und Tier zu besorgen. Programmeinkäufer fliegen um die ganze Welt, um Nummern zu besichtigen.

Mehr als 28.000 Euro pro Tag schlagen als Ausgaben zu Buche. Mehr als eine Million Euro hat allein das Hauptzelt gekostet, das 3400 Menschen Platz bietet. „Das ist kein normaler Beruf“, sagt Jana Mandana Lacey-Krone. Ihr Leben bewegt sich zwischen Showbusiness, Büroalltag und Arbeit im Stall. „Alles ist durchstrukturiert und läuft diszipliniert ab.“

Da müssen in gewisser Weise auch die Tiere mitziehen. Dazu gehört für die Chefin auch der verantwortungsvolle Umgang mit Dressurinstrumenten wie Peitschen oder Elefantenhaken. Für Lacey-Krone ist es ein Balanceakt, den Tieren ein Stück weit ihren Willen zu lassen und sie dennoch im Griff zu haben. „Ich muss da aber schon konsequent bleiben.“

Von unserer Reporterin Désirée Thorn

Umfrage
Wildtiere im Zirkus

Sollten Wildtiere im Zirkus präsentiert werden?

Ja, solange sie gut gehalten werden
38%
226 Stimmen
Nein, das ist Tierquälerei
38%
227 Stimmen
Ich kann diese Verbieterei nicht mehr ertragen
18%
110 Stimmen
Mir egal, ich mag Zirkus sowieso nicht
6%
33 Stimmen

Bad Kreuznach
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional

Bettina TollkampBettina Tollkamp
Chefin v. Dienst
Online
E-Mail

News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
UMFRAGE (beendet)
Markt am Samstag?

Das Mainzer Markt-Frühstück ist ein Kult-Event. Wäre das auch etwas für Bad Kreuznach?

Ja, unbedingt!
67%
Nein, eher nicht.
33%
Stimmen gesamt: 141
Anzeige
Regionalwetter
Montag

10°C - 23°C
Dienstag

11°C - 23°C
Mittwoch

11°C - 22°C
Donnerstag

10°C - 19°C
epaper-startseite