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Bad Kreuznach

Brücken waren Auslöser für die Stadtentwicklung

Marian Ristow

Der Tag des offenen Denkmals lockte bei bestem Septemberwetter viele Gäste zu den historischen Stätten in Bad Kreuznach – Touristen, Zugezogene, aber auch Alteingesessene, die neugierig auf einige Geheimnisse der Stadtgeschichte waren. Gut aufgehoben waren die Besucher bei Theo Stiegelmeier, der kurzweilig über die wichtigsten Brücken Bad Kreuznachs führte und die Stadtentwicklung anhand ihrer Brücken erzählte.

„Hier geht's lang“ – Stadtführer Theo Stiegelmeier hebt die Hand. Am Tag des offenen Denkmals präsentierte er seine Brückenführung, die die Geschichte der wichtigsten Brücken der Stadt erzählte.  Foto: Marian Ristow
„Hier geht's lang“ – Stadtführer Theo Stiegelmeier hebt die Hand. Am Tag des offenen Denkmals präsentierte er seine Brückenführung, die die Geschichte der wichtigsten Brücken der Stadt erzählte.
Foto: Marian Ristow

Und diesen kam, noch weitaus mehr als heute, zentrale Bedeutung zu. Die wichtigste dieser Brücken, die damals die beiden Siedlungsteile (Alt- und Neustadt) miteinander verband, war die Nahebrücke, die man heute in Alte Nahe- und Mühlenteichbrücke aufteilt, die aber faktisch als ein Gesamtbau zu sehen ist.

Die Nahebrücke, auf die um 1495 die beiden klassischen Brückenhäuser mit den Hausnummern 94 und 96 gesetzt wurden, stammt aus dem Jahr 1311. Viele Originalteile seien in der Brückenkonstruktion bis heute erhalten, berichtete Stadtführer Stiegelmeier. Der Bau der Häuser war der großen Platznot innerhalb der Stadtmauer geschuldet. Und kein günstiges Vergnügen. „Allein das Recht, auf der Brücke bauen zu dürfen, ließ sich der Graf einiges kosten, rund 400 Gulden, wobei damals ein einfaches Haus schon für 200 gebaut werden konnte“, erzählte Stiegelmeier.

Das Besondere an den Brückenpfeilern: Sie seien innen hohl und waren für Verteidigungszwecke vorgesehen. Im Angriffsfall hätten diese bemannt werden können, aus den Schießscharten hätte das Feuer erwidert werden können. Zudem dienten die Hohlpfeiler wohl auch zeitweise als Gefängnis, wie der gebürtige Augsburger Stiegelmeier, der seit gut 20 Jahren in Bad Kreuznach lebte, die gut 30 Teilnehmer informierte.

So zitierte er aus einer polizeilichen Niederschrift vom 7. Juni 1604, die von den Missetaten von Nikolaus Gerlach berichtete. Diesen habe man vor mehr als 400 Jahren aus disziplinarischen Gründen „auf die Brück' gesetzt“, wohl ein Synonym für einen Aufenthalt im Gefängnis. Gerlach habe nämlich elf Tage am Stück „gottlos und epikureisch“ im Wirtshaus verbracht. Hartnäckig halte sich auch die Legende, erzählte der Stadtführer, an der Brücke habe es einen Kran und einen Korb gegeben, mit dem man Trunkenbolde einer kurzen Tauchfahrt in der Nahe unterzogen habe.

Weitaus weniger prominent, weil man sie nahezu unbemerkt passiert, ist die Brücke über den Ellerbach, die rein baulich nichts anderes als ein Teil der unteren Mannheimer Straße ist. Dort befänden sich die ältesten Brückenhäuser der Stadt, die aus den Jahren 1130 und 1145 stammten. Klar, dass man gerade über eine Brücke geht, wird einem aber erst, wenn man sie das Szenario von hinten betrachtet. Dazu ist die Zwingelbrücke bestens geeignet. Diese ist ein Teil der alten Stadtmauer und gibt den Blick in Richtung Ellerbach frei. Dort stehend erkennt man dann sofort, dass es sich bei den Gebäuden mit der Adresse Mannheimer Straße 50, 52 und 54 um waschechte Brückenhäuser handelt.

Besondere Bedeutung kommt der 1906 gebauten Wilhelmsbrücke zu. Diese habe dafür gesorgt, dass sich der gesamte Schwerpunkt der Stadt südlich der Nahe verlagert habe, erläuterte Stiegelmeier. Exakt davor hätten die Geschäftsleute, die nördlich der Nahe ansässig waren, Angst gehabt. Man wollte den Brückenbau verhindern und favorisierte eine Steglösung, die die Firma MAN in Papierform vorlegte – gegen die aber die Bevölkerung Sturm lief. Schließlich sei die Nahebrücke als einzige Verbindung überlastet gewesen. „380 Schwerfahrzeuge sowie die Straßenbahn fuhren damals pro Tag darüber“, so Stiegelmeiers Ausführungen. Die Wilhelmsbrücke habe die gesamte Stadtentwicklung verändert, so das Resümee.

Von unserem Redakteur Marian Ristow
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