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Kreis Bad Kreuznach

Bad Kreuznacher Aktionsbündnis fordert: Land soll nach leiserem Anflugverfahren suchen

Kreis Bad Kreuznach – Sie machen mobil gegen das neue Anflugverfahren auf den Frankfurter Flughafen: die Mitglieder des neu gegründeten Aktionsbündnisses Naheregion gegen Fluglärm. Die Gruppe ist überzeugt, dass die Lärmbelastung für das Naheland und Rheinhessen längst nicht so groß sein müsste, würde die Deutsche Flugsicherung (DFS) nicht auf ihren Anflugregelungen beharren. „Es gibt Alternativen, die weniger Lärm verursachen“, sagt der Kreuznacher Wilfried Maus, der zu den Gründern gehört. Dies zeige das Vorbild anderer Flughäfen mit ähnlichem Flugaufkommen.

Aktionsbündnis gegen Fluglärm
Wollen dafür kämpfen, dass wieder mehr Ruhe am Himmel herrscht: Peter Dill, Marlene Marthaler und Wilfried Maus (von links) vom Aktionsbündnis Naheregion gegen Fluglärm.
Foto: Silke Jungbluth-Sepp

Kreis Bad Kreuznach – Sie machen mobil gegen das neue Anflugverfahren auf den Frankfurter Flughafen: die Mitglieder des neu gegründeten Aktionsbündnisses Naheregion gegen Fluglärm. Die Gruppe ist überzeugt, dass die Lärmbelastung für das Naheland und Rheinhessen längst nicht so groß sein müsste, würde die Deutsche Flugsicherung (DFS) nicht auf ihren Anflugregelungen beharren. „Es gibt Alternativen, die weniger Lärm verursachen“, sagt der Kreuznacher Wilfried Maus, der zu den Gründern gehört. Dies zeige das Vorbild anderer Flughäfen mit ähnlichem Flugaufkommen.


Hauptziel der Gruppe ist es deshalb, das Land dazu zu bewegen, ein neutrales Gutachten in Auftrag zu geben, das Alternativen zu dem umstrittenen Anflugverfahren aufzeigt und Grundlagen für eine Klage liefern soll – analog zum bereits vorliegenden Gutachten zu Abflügen auf der sogenannten Südumfliegung, die Mainz und südliches Rheinhessen stark belastet. „Das Gutachten hat gezeigt, dass die DFS-Planungen keineswegs alternativlos sind“, betont Maus.


Wie berichtet folgen die Verkehrsflugzeuge seit März dem neuen Flugverfahren, das dem ganzen Rhein-Main-Gebiet mehr Lärm beschert. Hauptgrund: Die Maschinen dürfen tiefer anfliegen und ihre Eindrehflächen wurden ausgedehnt. Durch die Vorgaben können nach Eröffnung der Nordwestbahn im Oktober bis zu 50 Prozent mehr Flugbewegungen abgewickelt werden – wenn es richtig brummt, können es bis zu 120 Starts und Landungen pro Stunde sein.


Das Naheland, Rheinhessen und der Rheingau sind bei Ostwind betroffen, wenn Frankfurt aus Westen angeflogen wird. Inzwischen haben sich vielerorts im Rhein-Main-Gebiet Praktiker aus dem Cockpit zu Wort gemeldet, die diese Regelungen kritisieren, darunter der Kreuznacher Berufspilot Helmut Bach und Mitglieder des Aero-Clubs Langenlonsheim (wir berichteten). Sie alle verweisen auf weniger lärmintensive Anflugverfahren anderer Flughäfen, für die allerdings mehr Personal im Tower gebraucht wird.


Das Bündnis übt heftige Kritik an der DFS. Die Belastungen seien lange verschleiert und vage gehalten worden. „Die DFS spielt nicht mit offenen Karten“, so das Fazit der Bad Kreuznacher Medizinerin Marlene Marthaler, nachdem sie mit ihrem Mitstreitern in dicken blauen Aktenordnern zahlreiche Unterlagen zusammengetragen hat. Darunter Korrespondenz der DFS mit kommunalen Vertretern und anderen Politikern, aber auch Briefwechsel mit dem Umweltbundesamt und der Flugsicherung. Aufschlussreich sei beispielsweise, dass das Bundesamt für Flugsicherung (BAF) am 17. März der Stadt Kreuznach schreibe, die DFS habe noch keine prüffähige Planung in Sachen Flugverfahren vorgelegt, die DFS hingegen am 23. März der CDU-Politikerin Julia Klöckner mitteilt, das BAF habe bereits am 6. Januar die Genehmigung erteilt. „Wir werden verschaukelt“, so ihr Fazit. Nach früheren Angaben von DFS-Sprecher Axel Raab werden die neuen Anflugrouten seit 10. März genutzt.


Vor allem aber, kritisiert der Bad Münsterer SPD-Vorsitzende Peter Dill, seien Routenplanung und Entscheidung nicht transparent abgelaufen. „Bei anderen Projekten gibt es ein öffentliches Planfeststellungsverfahren, hier wurden Bürger und Kommunen erst hinterher informiert.“ Er und seine Mitstreiter erhoffen sich jetzt von der Landespolitik, dass diese aktiv wird und haben dies bei allen Parteien angemahnt. Auch wenn das Verfahren genehmigt sei, könne es jederzeit geändert werden. „Das ist politisch möglich.“ Wirtschaftliche Gründe wie höhere Personalkosten für die DFS lässt Maus jedenfalls nicht gelten: Der Flughafenausbau sei ein Milliardenprojekt und Flughafenbetreiber Fraport fahre hohe Gewinne ein. „Da kann es nicht sein, dass anschließend an Lotsen gespart und eine ganze Region verlärmt wird.“


Als nächster Schritt ist die Vernetzung mit anderen Anti-Fluglärm-Initativen geplant, berichtet Dill – schließlich sei eine Änderung des Anflugverfahrens nur gemeinsam durchzusetzen. Außerdem hofft die Gruppe auf weitere Mitstreiter vor Ort. Bisher zählt das Bündnis, das aus einer Veranstaltung in Bad Münster im April hervorgegangen ist, nur eine Handvoll aktive Mitglieder. Doch Dill, Maus und Marthaler sind sicher, dass sich spätestens nach der Eröffnung der Nordwestbahn die Proteste in den beiden Kurstädten, in denen viele Arbeitsplätze von ruhesuchenden Gästen abhängen, häufen werden: „Die meisten werden erst aufwachen, wenn der Lärm wirklich da ist.“

Das nächste Treffen des Aktionsbündnisses Naheregion gegen Fluglärm ist am Donnerstag, 18. August, um 19 Uhr im Ristauranto da Mino, Hochstr. 36, Bad Kreuznach. Kontakt zu den Organisatoren unter Telefon 0671/440 48

Silke Jungbluth-Sepp

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