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    Kreis Bad Kreuznach

    Alltäglicher Wahnsinn im "Kreuznachtillon": Krimiautor von der Nahe geht satirische Wege

    Der ganz alltäglich Wahnsinn einer rheinland-pfälzischen Kleinstadt zieht ins Internet ein. Rechtsanwalt Thomas Scheffler (50) aus Guldental, vielen bekannt als Buchautor der Kreuznach-Krimis und Erfinder des fiktiven Ermittlers Julius Dexheimer, bedient sich in der öffentlichen Facebook-Gruppe „Der Kreuznachtillon“ tagesaktueller Vorkommnisse und macht sich augenzwinkernd Gedanken über einen Ersatz-Günni für die OB, No-Go-Areas an der Nahe und die Wahlversprechen der neuen Landrätin. Man könnte auch sagen: Scheffler läuft sich gerade warm.

    Im Guldenbach schreibt es sich im Sommer so schön: Krimiautor und Rechtsanwalt Thomas Scheffler verlässt gewohnte Pfade und widmet sich seiner Satireseite im Internet namens „Kreuznachtillon“. Foto: privat
    Im Guldenbach schreibt es sich im Sommer so schön: Krimiautor und Rechtsanwalt Thomas Scheffler verlässt gewohnte Pfade und widmet sich seiner Satireseite im Internet namens „Kreuznachtillon“.
    Foto: privat

    Das Leben in und um Kreuznach herum ist mal lustig, mal bissig, mal derb und mal feinsinnig, zumindest, wenn man Thomas Schefflers satirischen Beiträgen im „Kreuznachtillon“ folgt. Der Name der Seite ist Programm, spielt sie doch recht unverblümt auf die Internetseite „Der Postillon“ an, auf der täglich satirische Beiträge im Stil von Zeitungsartikeln und Agenturmeldungen veröffentlicht werden.

    Nun also auch Scheffler, nun also auch Kreuznach. Und es ist ja nicht so, als hätten Kurstadt und Landkreis nicht so einiges zu bieten, was man überspitzt humoristisch ausschmücken könnte: Wenn die Oberbürgermeisterin zu jedem Fassbieranstich zwischen Nockherbersch und Oktoberfest eingeladen wird, muss der Gatte eben seine Trinkfestigkeit trainieren. Derweil sind in den Kreuznacher Stadtteilen neue Parteien wie Pilze aus dem Boden geschossen, die sich alle des Kürzels AfD bedienen und darüber streiten, wer es benutzen darf. Die Alkoholiker für Deutschland? Oder doch die Armleuchter für Deutschland? Schön zu lesen ist auch der Fall einer Touristin, die in Wallhausen dehydriert ist, weil sie auf der Suche nach einem Riesling vom Weingut Eckes, wie sie rudimentär aus ihrem Reiseführer in Erinnerung hat, tagelang durch den Ort irrte. Zeugen streiten noch darüber, welches Weingut gemeint war. „Das bedauernswerte Opfer wird diese Woche vor Ort beerdigt“, heißt es am Ende des Artikels. „Die Wallhäuser sehen dem Ereignis schon gespannt entgegen. ,Beerdigung ist in Wallhausen wie Hochzeit', erklärt dazu ein Einheimischer. ,Es ist nur einer weniger betrunken.'“

    Erst spannend und jetzt auch noch witzig - kriminell!

    Dass Scheffler nicht nur spannend wie in seinen Krimis, sondern auch witzig sein kann, beweist er schon seit einiger Zeit auf seiner Facebook-Seite, wenn er (wahre!) Szenen aus deutschen Gerichtssälen beschreibt, die ihm als Strafverteidiger immer mal wieder passieren. Nun hatte der Guldentaler Weinliebhaber aber gerade Urlaub vom Job, und da ist ihm beim lesen des „Postillions durch den Kopf gegangen, dass das Konzept auch für und in Kreuznach greifen könnte.

    Jeden Tag veröffentlicht er nun einen Satirebeitrag, der jeweils von bis zu 100 Leuten gelesen wird. „Das ist eine Art Ausgleichssport“, erklärt er lachend. Entspannen beim Schreiben, am besten mit einem guten Nahewein dazu – das ist eine Profession des erfolgreichen Juristen, der sich mit dem Satireblog seine tägliche Auszeit nimmt. Und mehr als das: Der „Kreuznachtillon“ sei sowas wie eine Vorwehe für ein neues Buch, sagt Thomas Scheffler. Die Julius-Dexheimer-Reihe, die fünf Bände umfasst, soll nämlich weitergehen. Hintergrund des Krimis wird eine Sorgerechtsgeschichte sein. Zwei Bücher lang möchte Scheffler seinen Ermittler noch wirken lassen, dann ist erst einmal Schluss. „Die Erzählstrukturen von Krimis generell sind etwas ausgetreten“, findet der Autor. Erst Verwicklungen, dann der große Knall. „Das machen auch die Großen so.“ Außerdem biete auch der Ort des Geschehens, die Kurstadt, nicht unbegrenzt Stoff für Krimis.

    Momentan würde sich Thomas Scheffler über Mitstreiter beim „Kreuznachtillon“ freuen, denn einer allein könne die Seite nicht ewig fortführen. Ein paar Mutige, die ihn unterstützen würden mit Beiträgen, wären ihm willkommen. Und was danach passiert, nach Krimis und Satire – jedenfalls bestimmt nicht nichts. Scheffler sieht sich gewissermaßen zur Vielseitigkeit verpflichtet. Ein Beweis dafür ist das Zitat von Martin Luther auf seiner Internetseite, die er sich zu eigen gemacht zu haben scheint: „Der Jurist, der nicht mehr ist als ein Jurist, ist ein arm Ding.“

    Von unserer Redakteurin
    Cordula Kabasch
     

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