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    Bad Kreuznach

    Ärztin Najiba Behmanesh kämpft gegen die Not in Afghanistan

    Die Bad Kreuznacherin Najiba Behmaneh ist gerade von einem Hilfseinsatz in Afghanistan zurückgekehrt. Bei einem Benefizabend am 5. November informiert die gebürtige Afghanin über die Situation im Land und die Hilfsprojekte des Kreuznacher Afghanistan-Hilfsvereins in Pull-i-Khumri, der Heimatstadt ihrer Familie im Norden des Landes.

    Unablässig hat Najiba Behmanesh bei ihrem jüngsten Einsatz in Afghanistan Patienten versorgt.
    Unablässig hat Najiba Behmanesh bei ihrem jüngsten Einsatz in Afghanistan Patienten versorgt.
    Foto: privat

    Bad Kreuznach - Die Bad Kreuznacherin Najiba Behmaneh ist gerade von einem Hilfseinsatz in Afghanistan zurückgekehrt. Bei einem Benefizabend am 5. November informiert die gebürtige Afghanin über die Situation im Land und die Hilfsprojekte des Kreuznacher Afghanistan-Hilfsvereins in Pull-i-Khumri, der Heimatstadt ihrer Familie im Norden des Landes.

    Wenn Najiba Behmanesh in Afghanistan ist, kommt sie kaum zur Ruhe. Jeden Tag warten bis zu 250 Kinder und Erwachsene darauf, von der Bad Kreuznacher Ärztin behandelt zu werden. „Dieses Mal war der Ansturm besonders groß, wir haben erstmals Nummern ausgeben müssen“, sagt die gebürtige Afghanin, die gerade von einem zehntägigen Hilfseinsatz zurückgekehrt ist. Mehr als 2000 Patienten habe sie in dieser Zeit versorgt.
    Dieser Ansturm hat seinen Grund. Denn in Pull-i-Khumri, der Heimatstadt ihrer vor über 30 Jahren nach Deutschland geflüchteten Familie, fehlt es an allem: an Medikamenten, an medizinischem Fachpersonal und vor allem an Hygiene. Viele Menschen haben wegen schlechter Wasserqualität und Mangelernährung Nieren- oder Magenkrankeiten, andere leiden unter chronischen Schmerzen oder psychischen Problemen, zählt sie auf. Und in den beiden Krankenhäusern der 150 000-Einwohner-Stadt im Norden des Landes wird nur behandelt, wer seine Medikamente mitbringt und genügend Geld für die Operationen hat. Auch deshalb ist es für die Kranken vor Ort ein Segen, wenn Behmanesh ein- bis zweimal im Jahr auf eigene Kosten mit Medikamentenspenden und medizinischen Geräten in ihre alte Heimat reist, wo sie im Schutz ihrer dort lebenden Verwandten helfen kann.
    Doch die medizinische Hilfe allein reicht der engagierten Ärztin nicht: „Viele Krankheiten sind armutsbedingt“. Daher lindert sie auch in anderer Weise Not und kümmert sich mit ihrem Mann Reza für den Kreuznacher Verein „Afghanistan – Hilfe, die ankommt“ um mehrere Hilfsprojekte. Darunter eine Nähstube, die Reza Behmanesh im vergangenen Jahr eingerichtet hat.
    Elf Frauen werden dort als Schneiderinnen ausgebildet, um ihnen langfristig die Chance auf ein Einkommen zu geben. „Das ist eine Arbeit für Frauen, die auch von den Männern akzeptiert wird“, sagt sie. Außerdem liegt die Werkstatt geschützt in einem Hinterhof, verzichtet auf Werbung und der ursprünglich geplante Namenszusatz „German“ für die Schneiderstube wurde aus Sorge, deshalb zum Anschlagsziel zu werden, wieder gestrichen. 600 Euro Spendengelder kostet das Projekt monatlich – für die Gehälter aller 13 dort beschäftigten Frauen und die Miete.
    „Wir hoffen, dass es sich im kommenden Jahr selbst trägt“. Die Näherinnen fertigen auf Bestellung farbenfrohe, oft kunstvoll bestickte und verzierte Gewänder für Frauen. Die Stickereien fertigen Frauen in Heimarbeit, fünf Familien hat Behmanesh zudem Nähmaschinen gespendet. „Wir wollen möglichst viele Frauen unterstützen.“
    Für ein weiteres Projekt sucht sie dringend nach Paten, die mit jeweils 30 Euro monatlich Familien unterstützen, deren Ernährer krank, behindert oder gar tot ist. 18 Witwen und Familien werden bereits unterstützt, sagt sie, aber es gebe viele, deren Not ebenso groß sei, die ohne Unterstützung hungern müssten.
    Den nächsten Einsatz hat die rührige Ärztin bereits geplant. Im März, vor Beginn des nächsten Schuljahres, will sie mit Schuluniformen, Tischen und Bänken und - wenn das Geld reicht - vielleicht sogar Zelten helfen, da der Unterricht meist unter freiem Himmel stattfindet und in den bitterkalten Wintern deshalb ganz ausfällt. Die Chance auf Bildung hängt aber auch daran, ob die Familien sich die Schulkleidung leisten können: „Ohne Uniform darf ein Kind nämlich nicht zur Schule.“ Also müssten viele allein deshalb daheim bleiben.
    Über ihren Einsatz berichtet Behmanesh bei der „Afghanischen Nacht“, zu der der Verein „Afghanistan – Hilfe, die ankommt“ und das Ausländerpfarramt am Samtag, 5. November, ab 18 Uhr in das Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Bad Kreuznach einladen. Mit dabei sind auch das einzige afghanische Top-Model Zohre Esmaeli, das heute in Deutschland lebt und Kleider aus der Nähwerkstatt vorführt, und der bekannte Klassik-Gitarrist Nangialai Nashira. Außerdem gibt es Tänze, Lyrik und ein Buffet mit afghanischen Spezialitäten.  „Es soll ein Begegnungsabend werden“, wünscht sich Ausländerpfarrer Siegfried Pick, der auch afghanische Flüchtlingsfamilien eingeladen hat. Aber auch ein Abend, der aufrüttelt – damit Behmanesh weiterhin die bittere Not in ihrer alten Heimat lindern kann.

     

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